Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-987284
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3996171
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
AufGrund des von diesen erstatteten Berichts rich- Botenwesens nach Köln und Antwerpen, wenn auch 
tete der Rat am 29. September eine zweite Eingabe nicht öffentlich übertragen, so doch stillschweigend 
an den Kaiser, worin er die Angelegenheit der kaiser- überlassen zu haben. Sein Nachfolger im taxisschen 
liehen Erwägung empfahl und ausdrücklich bemerkte, Postamte suchte Birghden hierin zu schädigen, wo 
daß „dieses Trucken der Zeitungen kein Annexum er nur konnte. Birghden erhob dagegen gegen 
oder Pertinenz des Postwesens sei". Diese Vor- Vrints den Vorwurf, daß er seine Briefe zurückhalte, 
stellung scheint insofern von Erfolg gewesen zu sein, von unbefugten Händen öffnen lasse, sogar dieselben 
als der Kaiser auf das Gesuch überhaupt nicht ant- kaiserlichen Agenten ausliefere, und ging so weit, 
wortete und dadurch stillschweigend seine Zustim- vier Protestschriften gegen Vrints drucken zu lassen, 
mung zum Weitererscheinen der „Wochentliche worauf ihn dieser beim Rate verklagte. 
Zeitungen" erteilte. Möglicherweise war auch die Die Postzeitung unter der Leitung des Vrints läßt 
Weisung des Rates an die Latomusschen Erben, sich sich bis gegen das Ende des Jahres 1631 verfolgen. 
mit dem neuenPostmeister zu vergleichen, von diesen Als aber am 27. November 1631 König Gustav 
befolgt worden. Adolf von Schweden seinen Einzug in Frankfurt 
Wie aus der mitgeteilten Eingabe der Latomus- hielt, war Vrints, der sich den Titel eines spanischen 
sehen Erben hervorgeht, soll Schönwetter trotz des Postmeisters zugelegt hatte, entflohen und hatte das 
kaiserlichen Verbotes die Herausgabe seiner Zeitung Postamt in der Voraussetzung, daß man ihn wegen 
fortgesetzt haben. Mit dem Vorgehen des Kaisers seinen„OrdentlichenWochentlichen Post-Zeitungen" 
gegen Birghden sah Schönwetter den Augenblick ge- zur Verantwortung ziehen werde, im Stiche gelassen. 
kommen, sich wieder demselben zu nähern. Er ver- Birghden machte hiervon nicht nur bei dem Kaiser 
anlaßte den Kurfürsten von Mainz, bei dem Kaiser und dem Kurfürsten von Mainz, sondern auch bei der 
das Verbot der Birghdenschen Postzeitung durchzu- Gräfin von Taxis Anzeige, ohne jedoch Antwort und 
setzen und ihm, Schönwetter, die Herausgabe der- Weisung zu erhalten. 
selben zu gestatten. Da Schönwetter nicht im Be- Sofort nach dem Einzug Gustav Adolfs war man 
sitze einer Druckerei, sondern nur als Buchhändler schwedischerseits darauf bedacht, das Postwesen 
tätig war, wird ihm wohl nur der buchhändlerische wieder aufzurichten und einen Postmeister einzu- 
Vertrieb der Zeitung überlassen worden sein, denn setzen, wie dies bereits in Nürnberg und Leipzig von 
tatsächlich unterstand die Zeitung dem Postamte. In ihnen geschehen war. Hierzu war keiner geeigneter 
einer Nummer des Jahres 1629 hatte die Postzeitung als Birghden, aber erst am 16. Dezember 1631 nahm 
eine Meldung aus Wien gebracht, nach der die Tü- dieser vor zwei Zeugen und dem Notar Philipp Abt 
binger Professoren in einem ausführlichen Berichte im Birghdenschen Hause „Zum Kranich" die Leitung 
an den Kaiser dem Herzog von Württemberg die des Postamts unter ausdrücklichem Vorbehalt an, 
geistlichen Stifter und Klöster abgesprochen haben „daß er das Amt annehme, um dem gemeinen Besten 
sollten. Am 10. November 1629 richtete deswegen zu dienen und sein Interesse zu salvieren". Mit der 
der Rektor der Universität Tübingen ein Schreiben Übertragung des Postmeisteramtes an Birghden er- 
an den Rat, bat um Mitteilung des Namens des Ver- klärte sich auch Anfang 1632 der Kaiser einverstan- 
fassers der Notiz sowie des Druckers der Zeitung und den und versprach, für die Post von Frankfurt nach 
um Einwirkung auf dieselben zur Aufnahme einer Nürnberg schwedische Savaugarden auszuwirken. 
Berichtigung. Die Antwort des Rates lautete, daß Mit der Übernahme des Postmeisteramtes setzte 
der Postmeister die Direktion und Drucklegung der Birghden die offizielle Herausgabe der Postzeitung 
wöchentlich einkommenden Avisen in seiner Hand nicht weiter fort. Der Grund hierfür dürfte darin zu 
habe, dieselben zu ordnen und dem Drucker zu über- suchen sein, daß der Kaiser 1627 durch die Haltung 
geben pflege, welcher nach der Drucklegung alle der Postzeitung bestimmt worden war, die Absetzung 
Exemplaredem Postmeister einliefere. DerRatkönne Birghdens zu befehlen. Ein Beschluß des Frank- 
dem Postmeister in Bestellung solcher Zeitungen, da furter Rates vom 10.0ktober 1632 belehrt uns aber, 
diese ein ungegebenes Zubehör des Postamtes seien, daß Birghden die briefliche Verbreitung der ihm zu- 
kein Hindernis in den Weg legen. Der Postmeister gegangenen wichtigen Nachrichten weiter fortsetzte. 
habe sich aber bereit erklärt, in der nächsten Nummer Es heißt nämlich in den Ratsprotokollen: „Als der 
eine Berichtigung zu bringen, was auch geschehen ältere Herrßürgermeister anbracht, demnach Johann 
sei. Bei den diese Angelegenheit behandelnden Ak- von den Birghden, Postmeister, sich bißher beflissen, 
ten befinden sich zwei gleiche Zeitungsnummern der einem E. Raht und den Herren Bürgermeistern das- 
Postzeitung, die den Titel führen: jenige zu editiren, was von anderß Ihme von anver- 
Num. XLIX. Anno 1629 trauten Sachen und newen Zeitungen zugeschrieben 
Ordentliche Wochentliche Post-Zeitungen. worden, als stände zu bedenken, ob Ihme nit miteiner 
Trotz der Absetzung Birghdens scheint der Frank- Verehrung zu begegnen: Soll man Ihme ein Stück 
furter Rat demselben die Direktion des städtischen Geldt von vngefähr zwanzig Thalern reichen lassen." 
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