Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-987284
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3995837
 ARCHIV FÜR BUCI-IGEWERBE  
sie ja gerade vor allen andern Schriftarten aus- läufe als die ältere Schrift, sie wirkt daher im ganzen 
zeichnet, daher hat auch die Wieynk-Kursiv deutlich bei aller vornehmer Zierlichkeit gehaltener und 
die Züge einer geschriebenen Schrift. Allein der Ver- straffer als diese. Vor allem wird dies an dem bei- 
fasser hat ganz richtig als Motto vorangestellt: „Der gegebenen Wieynk-Schmuck klar. Die Trianon-Um- 
Weg der Feder bedingt die logische und stilistische rahmungen mit den Röschen- und Blattornamenten 
Durchführung eines Schriftcharakters, ist aber allein machten unter Umständen einen etwas spielerischen 
nicht maßgebend für die formale Gestaltung eines Eindruck. Der Wieynk-Schmuck verwendet zum Teil 
Buchstabens, dessen Wandlung zur Drucktype bis zu die Spiralmotive, die Ehmcke und Behrens bevor- 
einem gewissen Grade durch technische Einflüsse zugen, zum Teil greift er auch auf die alten Band- 
bestimmt wird, die der Schönheit geschriebener verschlingungen zurück, die die alten Schreibmeister 
Schrift die neue des Typendrucks gegenübersteht." in so unübertrefHicher Weise zu benutzen ver- 
Die neue Kursiv hat alle Eigenschaften einer guten standen haben. Ohne Zweifel stellt die neue Schrift 
Druckschrift: sie ist kräftig und klar und ganz ohne eine ganz wesentliche Bereicherung unsers Schrift- 
die vielen Haarstriche und Schnörkel, die z. B. die besitzes dar, die noch mehr wie die Trianon popu- 
Kursiv auf gestochenen oder lithographierten Werken lär werden wird und die auch ganz für sich  
oft annimmt. Darauf beruht auch zum Teil der Fort- ohne Zusammenhang mit der Antiqua  vor allem 
schritt gegenüber der „Trianon". DieWieynk-Kursiv zu Gedichtsatz und als Akzidenzschrift Verwendung 
hat weniger Schleifen und markantere An- und Aus- finden kann. 
 
Aus den graphischen Vereinigungen 
Berlin. In der Sitzung der Typographischen Gesellschaft ginge dem Schriftgießer ein guter Teil der Früchte seiner 
sprach Herr Faktor Rönrtebeck über das Thema „Buch- Arbeit dadurch verloren, daß beim Erscheinen einer Neu- 
drucker und Sehriftgießer". Während die ersten Meister heit die Konkurrenz etwas Ähnliches auf den Markt bringe.- 
des Buchdruckes ihre eigenen Schriftzeichner, Schrift- Die diesen Neuheiten beigegebenen Anwendungsblätter 
schneider und -gießer gewesen seien, sei später eine seien geeignet, dem Setzer die Arbeit zu erleichtern und 
Teilung der Arbeit in verschiedene selbständige Berufs- den Geschmack zu bilden.-Hieraufberichtete HerrRudolf 
arten, damit aber auch eine Entfremdung eingetreten,deren Unruh über den Verlauf der Versammlung der Kreisver- 
unangenehme Folgen sich noch heute im Verkehr zwischen treter des Verbandes der Deutschen Typographischen Ge- 
Buchdrucker und Schriftgießer recht empfindlich bemerk- sellschaften in Leipzig. Diese hatte die strenge Durchfüh- 
bar machten, indem der Buchdrucker die Schwierigkeiten rung des Kasseler Beschlusses verlangt. Die Berliner 
der Technik des Gießereibetriebes nichtgenügend berück- Typographische Gesellschaft konnte sich damit nicht ein- 
sichtige und derSchriftgießerwiederum nicht immer wisse, verstanden erklären und auf Antrag des Vorstandes wurde 
was dem Buchdrucker dienlich sei. Der Buchdrucker der Austritt aus dem Verbande beschlossen-Am 29.April 
selbst könne oftmals nicht beurteilen, ob das Quantum hatte die Gesellschaft in dem Festsaale des Papierhauses 
Schrift, das er bestellt, auch für den Zweck ausreichend sei eine Hundertiahrfeier zur Erinnerung an die Erfindung der 
und das enthalte, was er gerade für den vorliegendenZweck Schnellpresse durch Friedrich Koenig veranstaltet. Für 
benötige, Die Folgen davon seien dann das Blockieren mit diesen Zweck hatte die Firma Koenig 8a Bauer, Kloster- 
seinen bekannten Nachteilen und das Bestellen von Oberzell bei Würzburg, ein Modell der am 29.April 1812 
Defekten, die der Buchdrucker teuer bezahlen müsse, ohne fertiggestellten ersten Zylinderschnellpresse, das in halber 
daß der Schriftgießer etwas daran verdiene. Eine Ver- Größe des Originals völlig betriebsfertig hergestellt wurde, 
billigung der Schrift könnte eintreten, wenn die vier Punkte, in dem Maschinenraum des Papierhauses ausgestellt. Die 
über welche die Schriftgießer sich bereits geeinigt hätten: Jubelfeier wurde mit einer Ansprache des Vorsitzenden 
die Normalhöhe, der Normalkegel, die Normallinie und eröffnet, dann gab Herr L. Hoerschelmann, der Leiter der 
schließlich ein Normalgießzettel, allgemein eingeführt Berliner Filiale der Firma Koenig 8a Bauer, ein Lebensbild 
wären. Dazu sei leider wenig Aussicht, denn von den des Erfinders, und Herr Druckerfaktor Richard Werra 
etwa 10000 deutschen Buchdruckereien hätten nur etwa die schilderte an der Hand einer größeren Anzahl von Licht- 
Hälfte die Normalhöhe eingeführt. Die weitere Verbrei- bildern die Entwicklung der Schnellpresse und der Buch- 
tung der Setzmaschinen beschränke mehr und mehr das Ab- drucktechnik im allgemeinen. -r. 
satzgebiet für Br0tschriften,darum suchten die Gießereien Breslau. In der Sitzung der Typographischen Gesell- 
einen Ersatz durch die Schaffung sogenannter Charakter- schaft am 3.April 1912 sprach zunächst Herr Karl Mai über 
schriften. Der Betrieb einer Gießerei sei sehr kostspielig: die Rundsendung des Verbandes der Deutschen Typogra- 
ein leistungsfähiger Betrieb müsse heute ein Lager im phischen Gesellschaften, Berliner Kataloge, und darnach 
Werte von fast ifg Million Mark halten, die Herstellung der HerrSchultes,derdas Klimschschejahrbuchvomjahrel9l2 
Proben mit Anwendungsblättern, in den zu diesem Zweck einer eingehenden Besprechung unterzog. ln derselben Sit- 
unterhaltenen l-lausdruckereien, erfordere große Aufwen- zung besprach Herr Hendel die Denkschrift der Maschinen- 
dungen und ein genügender Umsatz könne nur durch fabrik Koenig 8c Bauer in Würzburg, Herr Neugebauer die 
Reisende erzielt werden. Ein neuer Stil habe sich noch Leipzigerjubiläumsdrucksachen, die anläßlich des SOjäh- 
nicht entwickelt, darum suche man nach Neuheiten. Leider rigen Bestehens des Vereins Leipziger Buchdrucker- und 
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