Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-987284
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3994685
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
Das Gebiet, das seine Nadel umfaßt, ist groß genug. 
1784 ist ein Blatt entstanden, welches sich betitelt: 
Liberty and Fame introducing female Patriotism to 
Britannia, im Oval, mit wenig Strichen hingesetzt, 
ganz in der Art des Klassizismus, der noch mit Ro- 
kokoelementen durchsetzt ist: nur in den Köpfen der 
allegorischen Damen macht sich etwas bemerkbar, 
was an den späteren Rowlandson erinnert. Ein andres 
Bild, in dem der Künstler dem Klassizismus seinen 
Mann mit dem großen Unterkiefer und dem zahn- 
losen Mund, ist dadurch auf seinen Ursprung zurück- 
geführt. Außer dem komischen Bürgersmann hat 
Rowlandson besonders gern das Leben der nbesseren 
Leute" geschildert, vor allem wenn sie sich kulinari- 
schen und alkoholischen Genüssen hingeben. Die 
Gastmähler, die er gezeichnet hat, gehören mit zu 
seinen besseren Arbeiten  vielleicht aus dem 
Grunde, weil er bei solchen Aufgaben ganz bei der 
Tribut zollt, ist eine Venus nach Cypriani. Allein Sache war. Dann hat ihn auch das Dasein der fah- 
schon in den achtziger Jahren hat er Blätter geschaf- renden Leute mächtig interessiert: die Leiden der 
fen, die ganz Rowlandson sind. Die „Besichtigung Schaubudenbesitzer während der Vorstellung, wenn 
der Gräber von Westminster" z. B. zeigt schon die der Tiger plötzlich ausbricht, oder wenn Feuer in 
knolligen Gesichter mit dem großen offenstehenden den Buden entsteht, und die Bohemewirtschaft der 
Mund, der unschönen Nase und dem eckigen Unter- italienischen Sängerfamilie hinter den Kulissen. Auch 
kiefer, die Rowlandsons Typen immer haben, schon das Judenviertel hat er gelegentlich mal besucht und 
hier macht sich der Geist einer derb-schlauen und seine Eindrücke im Bilde festgehalten. Das größte 
plump-vergnüglichen Bourgoisie bemerkbar, der aus Vergnügen machen ihm aber alle die kleinen Ereig- 
allen seinen Karikaturen spricht. Einige dieser meist nisse und Unglücksfälle, die im täglichen Leben auf 
das Leben der guten Bürger schildernden Blätter der Straße usw. passieren. Die harmlosesten und 
sind vorzüglich durchgeführt und erinnern so sehr ernsthaftesten Dinge weiß er humoristisch auszu- 
an Daumier, den großen französischen Karikaturisten deuten und auf möglichst drastischeWeise ins Lächer- 
der Romantik, daß man annehmen muß, Daumier habe liche zu ziehen. Ein hereinbrechendes Unwetter, das 
Rowlandson genau studiert und sich von ihm beein- die Sonntagsausflügler überrascht, verursacht natür- 
flussen lassen. Der bekannte Daumier-Typus, der lieh manche komische Szenen  wenn aberin einem 
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