Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-987278
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3701452
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
einen gut lesbaren Versaliensatz, wie dies die Bei- 
spielein demMusterheftdartun. ObdiedurchSchaffung 
einiger anders gestalteter Versalien gebildete II.Gar- 
nitur vorteilhaft ist, möchte ich bezweifeln. Diese 
modifizierten Versalformen muten wie Fremdlinge an, 
die sich in die Schrift mit eingeschlichen haben und 
die außerdem in der Praxis manchen verfischten 
Kasten mit einrichten helfen werden. Da das Muster- 
heft Werkseiten aus dieser II. Garnitur nicht enthält, 
läßt sich über deren Gesamtwirkung schwer einUrteil 
fällen. Sonst aber sind derhalbfette undkursive Schnitt 
der Universitäts-Antiqua ebenfalls recht beachtliche 
Neuschöpfungen, die sowohl für sich als in Verbin- 
dung mit der gewöhnlichen Garnitur ein gutes harmo- 
nisches Gesamtbild ergeben. Zu begrüßen ist es, 
daß das sauber gedruckte Musterheft sich neben den 
Gradeverzeichnissen und einigen Buchseiten nur auf 
dieVorführung einiger Akzidenzbeispiele beschränkt, 
in der richtigen Erwartung, daß sich für den tüchtigen 
Setzer die passende Anwendungsform dieser prak- 
tischen Schrift ohne weiteres ergibt. 
Die Bauersche Gießerei in Frankfurt a. M. hat eine 
neue Akzidenzschrift, die den Namen Astoria führt, 
geschnitten. Das Erzeugnis ist eine umstochene 
Grotesk, d. h. das an und für sich kräftige eigentliche 
Schriftbild wird noch einmal in gleichmäßigem Ab- 
stand von einer sehr feinen Linie umrandet. Als be- 
sonders zweckmäßig kann man solche umstochene 
Schriften wohl nicht bezeichnen. Die feine Linie ver- 
wischt in den kleinen Graden sehr zum Nachteil des 
Gesamteindruckes das angenehme straffe Bild der 
Grotesk und nur in den großen Graden gewinnt die 
Schrift an Eindruck, weil dort die Umrandungslinie 
weniger in die Erscheinung tritt. Im praktischen Ge- 
brauch stehen die umstochenen Schriften noch von 
früher her in wenig gutem Andenken. Wie schnell 
ist solch eine zarte Randlinie trotz aller Vorsicht 
lädiert oder breitgequetscht, ich erinnere dabei nur 
an unsre modernen rauhen und genarbten Papiere; 
derartig beschädigte Typen werden aber stets unange- 
nehm in der Zeile auffallen. Es mag vielleicht be- 
stimmte Druckarbeiten geben, bei denen umstochene 
Schriften noch Verwendung finden müssen, für die- 
sen Bedarf wird allerdings die Astoria als Neuheit 
gern willkommen geheißen werden. 
Setzmasehinen. 
Setzmaschinen in Deutschland. Die Zentral- 
kommission der Maschinensetzer Deutschlands ver- 
öffentlicht ihre Statistik über die Verbreitung der 
Setzmaschinen im Deutschen Reiche. Es dürfte bei 
dieser Gelegenheit interessieren, festzustellen, wie 
sich im Laufe des letzten Jahrzehnts die Setz- 
maschine bei uns eingebürgert hat (sieheTabelle oben). 
Unter den 1910 gezählten Linotypes befinden sich 
1 124einfache Maschinen,240Doppeldecker, 1 lßldeal, 
Lino- T 0- M0n0- Gesamt- Anzahl 
Jahr giäim nne Tastrlatnotzgvläjßer 5:3" 
1901      560 816 
1903 583 352 80   10151 1475 
1905 786 439 136 38 25 1424 2094 
1907 1041 631 300 178 106 2256 3174 
1910 1477 903 383 393 247  3403 4473 
unter den Typographen 748 A-Maschinen, 155 B-Ma- 
schinen. Vom Monotypetaster gehörten 64 dem Mo- 
dell Dan. In welcher Weise bei uns die Setzmaschinen 
ausgenützt werden, ergeben die folgenden Zahlen: Im 
Jahre 1901 entfielen auf eine Maschine 1,46 mensch- 
liche Arbeitskraft, 1903: 1,35, 1905: 1,47, 1907: 1,41 
und 1910: 1,32. Die letzte niedrigere Zahl erklärt 
sich aus der immer stärker werdenden Verbreitung 
in den Werkdruckereien, in denen selten in mehr als 
einer Schicht gearbeitet wird. Im Nlutterlande der 
Setzmaschine, Amerika, kommt auf jede Setzmaschine 
1,18 Arbeitskraft. Außer den 4473 Setzern sind noch 
6 Mädchen und 42 Lehrlinge an den Setzmaschinen 
beschäftigt. Der älteste Maschinensetzer steht be- 
reits im 63. Lebensjahre, während die Hälfte aller 
Maschinensetzer zwischen 26 und 35 Jahren zählen. 
673 Maschinensetzer haben bereits eine Praxis von 
10 und mehr Jahren. Eine sanitäre Rundfrage wünscht 
als Endergebnis eine Ergänzung der Bundesratsvor- 
Schriften für Buchdruckereien. 
Buchbinderei. 
Die Firma Emil Pinkau ö Co.  Leipzig, hat 
30 neue Vorsatzpapiere herausgegebemdie Professor 
Franz Hein, den Lehrer an der Leipziger graphischen 
Akademie, zum Urheber haben. Diese neuen Muster 
vermehren die Zahl der künstlerisch einwandfreien 
Vorsatzpapiere, die in den letzten Jahren herausge- 
kommen sind, in erfreulicher Weise. Franz Hein 
mußte gerade eine solche Aufgabe sehr gut liegen! 
Sein feiner Geschmack in der Zusammenstellung von 
Farben, seine freie Art, figürliche Motive zu Flächen- 
ornamenten zu gestalten, kommt hier am allerbesten 
zur Geltung. Im Gegensatz zu den meisten andern 
Buchgewerbekünstlern befriedigt ihn das rein geome- 
trische Ornament nicht auf die Dauer, die Muster der 
Art, die das Heftchen der neuen Vorsatzpapiere ent- 
hält, gehören nicht zu den besten Stücken, viel mehr 
fühlt er sich zu Hause, wenn er große blumige Motive 
oder Tierfiguren und dergleichen zu farbigen Flächen- 
mustern zusammenstellen kann. Das Blatt mit den 
Engelsköpfchen oder das Lotosblumenmuster ge- 
hören neben den geschmackvollen etwas an die 
Formen der Volkskunst erinnernden ornamentalen 
Blättern zu den wirkungsvollsten Mustern der Art. 
1 Außerdem 6 Kastenbein und l Elektrotypograph mit 
7 Setzern. 
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