Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-981597
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3989827
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
zu Voß' Luise, der auch mit einem schönen Kupfer- Jahrhunderts durch die Erfindungen der Schnell- 
stich von Chodowiecki, dem bedeutendsten zeit- presse, der Dampfmaschine usw. mit sich brachte, 
genössischen Illustrator unsrer Klassiker, geziert ist. so ist es wohl zu verstehen, wenn diese neuen Er- 
 rungenschaften das ganze Interesse der Berufs- 
Das Spationieren wird zu einem Ubelstand im genossen so in Anspruch nahmen, daß die künst- 
Titelsatz. lerischen Ansprüche des Gewerbes längere Zeit in 
Die Absicht, den Buchtitel durch Spationieren den Hintergrund treten mußten. Aus diesem Grunde 
"hell" erscheinen zu lassen, führte aber in der Folge- ist es auch erklärlich, daß der Tiefstand in der künst- 
zeit gar bald bis zur Geschmacklosigkeit. In den Bei- lerischen Druckausstattung und damit im Titelsatz 
spielen 21 und 22 sind zwei Titel zu Goethes Faust so lange anhalten konnte, wie dies unsre Beispiele 23 
vorgeführt; der eine zur ersten Separatausgabe des und 24 beweisen. Der Titel: Orbis latinus stammt 
Fragments Faust aus dem Jahre 1790, der andre zur aus dem Jahre 1861 und zeigt eine Mischung ver- 
zweiten erweiterten Bearbeitung des Faust, erschienen schiedener Antiquaschriften, darunter halbfette, 
l808. Während die Sperrung sich beim ersten Titel Egyptienne usw., in Zeilenfall und Sperrung ist er 
noch in mäßigen Grenzen hält, ist sie beim zweiten dagegen ziemlich gut und klar gesetzt. Das andre 
bis zur Häßlichkeit übertrieben. Auch die gewohn- Beispiel, ein Titel zu Oberon aus dem Jahre l870 
heitsmäßige Befolgung der „Regeln" ist hier ganz enthält verzierte und einfache Gotisch, Fraktur, 
auffällig: die Hauptzeile soll über die ganze Format- Midoline usw. ohne jeden Skrupel vermischt. 
breite gehen und wird unbarmherzig gesperrt, auch 
wenn sie nur aus wenigen Buchstaben besteht, und Zusammenfassung der weiteren Entwicklung. 
wie heller ein Titel gesellt ist, desto beSSeY er aus" DasCharakteristikum dieser zweitenEntwicklungs- 
Sieht", deshalb Spetlenle" man auch alle übrigen periode des Titelsatzes ist die Auflösung des Titel- 
Zeilen. textes in einzelne Zeilen. Zunächst geschieht dies 
Im neunzehnten Jahrhundert tritt wieder ein Nieder- 
gang des Titelsatzes ein.   
Zu dem Spationieren gesellt sich gar bald eine neue 
Geschmacklosigkeit, das starke Mischen der Schriften.  ü Q Üm 
Als Errungenschaft des begonnenen neunzehnten  r  9 
Jahrhunderts entstehen die vielerlei halbfetten und  
fetten Auszeichnun sschriften, wie auch die ver- . , . 
zierten, umstochenin und schattierten Schriften, all" tumanhldieß äßlllfllßwldll 
welche die Technik des Schriftschnittes durch Auf-  
nahme neuer, ei entlich den Gebieten des Kupfer-    
stiches und derneferfundenen Lithographie entlehnter l n 5 m ö I f (5 e l ä n g e n 
Formen dem Buchdruck gegeben hatte. Infolge dieses m, 
reichen Segens an neuen Schriftformen und Schrift- 
arten kommt den Buchdruckern gar bald der Sinn QI, w, ßiglmlh, 
für einheitliche Schriftenwahl abhanden; sie suchen 
durch Anwendung des neuen Schriftenmaterials, wo  
es nur ir end mö lich ist die Arbeiten nach ihrer        
Meinung gleicher im, schäner zu gestalten, und es ällullnthmloiergroßereuäuläftllntilen undgwülfltleiuerenimßexlt. 
entstehen Druckarbeiten, die eher Schriftproben der W w am". ßradjtaußgabe mm 
betreffenden Buchdruckerei leichen. So leidet 
natürlich auch der Titelsatz jenär Zeit unter der will-  mlwtld mm ""73 6mm Mut 
kürlichen Mischung magerer, fetter und verzierter 
Schriften ebenso wie unter der mißverstandenen und  
gewaltsamen Anwendung sogenannter Regeln. 
Es ist eine alte Wahrheit, daß sehr oft Fortschritte 
in der Technik einen Rückgang in künstlerischer Be- 3mm"- 
ziehung bedeuten: hier sehen wir, wie durch die (5. E}. ßöidßrfldlß Qißrlßaßbanbluns- 
vielerlei neuen Schriftgießereierzeugnisse der Titel- 1870. 
satz zur ausgeprägtesten Geschmack- und Charakter- 
losigkeit herabgedrückt wird. 
Bedenken wir nun noch, welche ungeheuren Um- Beisplel23. Titel zu C.M.Wieland,Oberon 
wälzungen in der Technik die erste Hälfte des vorigen 
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