Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-981597
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3991382
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 
 
die Frage entspannen, ob Gutenberg der Erfinder der be- Wie sehr dadurch die Anschauungen von dem 
weglichen Lettern sei, oder ob solche schon vor ihm, Wesen des Buchdrucks uud der Bedeutung Seiner 
namentlich durch Lourens Gomszoon, genannt Kostcraus Erfindung verwirrt werden, lädt des Beispiel einer 
Harlem, benutzt wurden. Der Streit ist bis heute nicht nLehrprobea im {Jahrgang der Freien Bayerischen 
dehnitiv entschieden."   
 Schulzeitung (1903) ersehen, in welcher der Stoff der 
H. Weigand und A. Tecklenburgs Deutsche Gc- E a  
  „ rfindung der Buchdruckerkunst behandelt wird. 
schichte fur Schule und Haus, nach den Forderungen Sie dm Zwar von der Eröntnrnn der bncndrnckdn 
der Gegenwart für das Königreich Bayern bearbeitet l. g  g  
    ichen Praxis aus, kommt aber trotzdem uber den 
von Dr. Johann Friedrich, Lehrer in Wurzburg, deren Hnlzsnnndidnr, Gntnnbnr nicht hinwn  
Erscheinen ein Jahrzehnt zurückliegt, schildert die "  g g'  
EntstehungdesBuchdrucksebenfallsindergewohnten "Das war im erste große Erünclung GFtenbergS' dm 
Weise: Edirczlnsstnannednleinzeln aus Holz zu schnitzen, holzerne Lettern 
"L umher gab. es n"? geschriebene Bächen Die Mönche Besieht man nun die vorstehenden Ausführungen 
beschaftigten sich mit der Herstellung derselben und nähen so nn ibt sich nnd innen die den Vdndtdndi dn 
brachten es darin zu großer Kunstfertigkeit. Diese Bücher  ' g g  
waren sehr teuer. Einen Fortschritt brachte die Form- hlcht mehr unbekannte Tulcachc, Claß Gutenberg die 
schneidekunst. InhölzerneTäfelchenwurden allerleiBilder Buchurucllcrhunslv das hclhl ulc Kunst: Buchcl" Zu 
geschnitten, mit Farbe bestrichen und dann auf Pergament drucken, nlchl erfunden hat, dcnn Slc War schon V0? 
oder Papier abgedruckt. Bald schnitt man einzelneWörter ihm da. Er War es, der auf den Gedanken kam, die 
neben das Bild, dann ganze Bibelstellen. Zuletzt stachen I-Iolztafeln zu zerschneiden, um bewegliche Lettern 
die Formschneider Tafeln V0" BUChSIZIDCII. SOUIB 111111 Clll zu erhalten, oder Solche einzgln zu schnitzen, um Sie 
Buch gedruckt werde", so mulheh so Vlele Holzlalelh da nachBedürfnis zusammensetzemwieder auseinander- 
sein, als das Buch Seiten hatte. Nach dem Abdruck hatten nehmen und immer wieder den verwenden zu können. 
aber die Tafeln, die so viel Mühe und Arbeit gekostet Gutenberg hat demnach die beweglichen hölzernen 
gekostet hatten,keinen Wert mehr. 2. Da kam ein deutscher Lettern nnfnndnn denn inne Hnndtdnnn in M t n  
Edelmann, namens Gutenberg, geboren in Mainz, wohn-   Y  g e a_ 1st 
haft in Straßburg, auf den glücklichen Gedanken, die ein- schhehhch gar noch Schoulers Erhhuuhg Um uleseh 
zelnenSchriftzeichenin bucheneStäbchen auszuschneiden, gcrlnglluglgcn Erhndung Wlllcni dlc 59 nahe lag, dall 
mit Fäden zu Zeilen zusammenzureihen, mit Tinte und Vlcllclchf Schcll manche? Plallendfllclief nach der 
Lampenruß zu schwärzen und abzudrucken. Der erste eben erwähnten "Lehrprobe" diesen Gedanken ge- 
Vcfsuch Eclaug nicht nach Wunsch, Wcn dlc höllcrhcn habt haben mochte, sollte Gutenberg unsterblich, der 
Buchstaben leicht zersprangen; daher nahm er später nwehltäter der Meueehheitß geworden eeiup Mit 
bleiderne, dann zinnerne. Gutenberg kehrte nachdMalnz dieser Tat würde er kaum über den Schmied Pisching 
zuruck und trat mitJohann Fust und Peter Schoifer in VeIr- hinwegrdden, dernach Wdttkds Geschichte der Schrift 
bindung. Der letztere gab den Rat, die Buchstaben in       
    und des Schrifttums in China bereits um die Mitte 
Formen zu gießen, statt sie muhsam zu schneiden; auch d   
erfand er eine bessere Druckerschwärze aus Kienruß und es IL-lahrhunderts den Druck m" bäwegllche" 
Leinöl. Nunwarmanimstande,ein ganzesBuch zu drucken; Lelterh Versucht haben Soll! lhuehl er ule Schhllt" 
das erste war eine lateinische Bibel in drei Bänden." Zclchcn aus clncl Welchen lacllnllafcl herausgrub) 
Diese Schilderung des Gutenbergischen Werkes, ulesu hh heuer hhrtnle und Sle lh Worlhuuer Zeh" 
die seit Jahrzehnten die gleiche geblieben ist, wie Schhlu, ule er hehehhg Zusfuhmehsetzehnhohhte uhu 
Schulbüchern aus den sechziger und siebziger Jahren ueleh Kegel kaum dle Starke elheh Muhze gehabt 
des vorigen Jahrhunderts und weiteren zu entnehmen haheh scheu 
ist, die mitunter in ältern Büchern, z. B. im altbe- Es lSl der alle ghcllc lcchnclcglschc lfrlum, lu de? 
bekannten Haesterl sogar eine bessere Wiedergabe Beweglichkeit d" Letter" dlc Hauptsache dcr E?" 
gefunden hat, ist nun nicht, wie etwa aus den ange- hhduhg Gulchhclgs zu Scheu, dcf lh dcf Erzählung 
führten Beispielen geschlossen werden könnte, auf der Schulhuchcl: Zulage um und lh lhhch dlc glclchc 
bayrische Schulbücher beschränkt, sondern sie findet Vcrwllruug uhflchlcl, Wlc Slc luhgc dlc Gcschlchlc 
sich auch in andern deutschen Schulbüchern, wie eine des Buchdrucks hcllcllschlc- nBcWcgllchc", das hcllll 
Reihe von Abschriften aus solchen bekundet. Es ist clnlclnc, Zusuhnhcnccllhufc Buchsluhcu 83h cS 
dieselbe „hölzerne" Geschichte, die uns allenthalben längst Vcl Gulcnhcrg; Slc Wufcll Schon im Ällcflum 
erzählt wird; man findet sie in Andrä und Efnsfs Ge- bekannt. Solche aus Holz oder Elfenbein geschnitzte 
schichtsbildern (AusgabeA für evangelische Schulen, Buchsluhcu gaben Schch dic Römcf lhfch Klhdcru 
4. Auflage, Leipzig 1893), in Kippenbcrg, Deutsches zum SPlclcn und l-Iclncnl- Von hcwcgllchcn Buch" 
Lesebuch fürhöhereMädchenschulemHannoverl893, SYc-hcu SPFIchl auch Ciccfc in Sclucm Buchc llhcf das 
und in auderu „Wesen der Götter", freilich in einem ganz andern 
1 HaestersLesebuch für katholische0berklassen Bayerns 1 Quintilian, Institut. orat. l. 1. 26. 
um 1870. 1' Cicero, De natura Deorum. lib. ll, cap. 20. 
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