Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-981597
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3990913
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
Fläche und leuchtende, packende Farben, die im Resultat einer modernen hygienischen Erkenntnis, 
Straßengewühl zu uns sprachen. Es muß wohl in den sich in weiteren Kreisen Bahn gebrochen; aber, 
Bedürfnissen unsrer Reichshauptstadt liegen, daß und darauf kommt es mir an, aufwärts, nicht ab- 
die Auftraggeber und Künstler sich gerade von diesen wärts, wenn wir von einer solchen Abstufung in 
knappen, prägnanten, die Aufmerksamkeit nur auf sozialer Hinsicht sprechen wollen. Der Sport ist 
das rein Textliche lenkenden Plakaten den größten Mode, ist gesellschaftliches Spiel, ist hoffähig ge- 
Erfolg versprachen. Denn Bruno Pauls erste Berliner worden, aber der kleine Bürger, der Handwerker, 
Arbeit nach seiner Berufung aus München war ein der Arbeiter steht ihm fremd gegenüber wie einst. 
Abwenden von aller Münchener Tradition, von Pauls Nach den Gründen hierfür zu forschen liegt nicht 
Eigenart: Er schuf (1907) für eine Mitgliederaus- im Rahmen meines Aufsatzes. Ich konstatiere nur 
stellung der Königlichen Akademie der Künste ein Tatsachen, aus denen resultiert, daß eine wirksame 
Blatt,das aufschwarzem Grunde nur die Königskrone Sportreklame ihre Erfordernisse in der Rücksicht- 
und goldene Schrift in Form-eines Kreuzes zeigte. nahme auf den bestsituierten Teil der Bevölkerung 
Es war ein höchst geschmackvolles Blatt, an dem erkennen kann. So sehen wir denn, wie die ersten 
man nicht so leicht vorübergehen konnte, und doch Künstler mit solchen Arbeiten betraut werden, er- 
lockte mich eine gute lithographische Nachbildung freuen uns an den Arbeiten eines Otto Ludwig Nägele 
des „blue boy" von Gainsbourough, die im folgenden oderOtto Obermeier (s.Abbildung l 1),eines MaxFeld- 
Jahre die englische Ausstellung in der Akademie bauer, eines Kleukens, und  last not least  eines 
ankündigte, weit mehr zu ihrem Besuche. Bruno Ludwig Hohlwein. Ob Hohlwein ein Plakat für ein 
Paul ist in den wenigen Plakaten, die er seitdem ge- Sportbekleidungshaus oder eine Ruderregatta oder 
zeichnet hat, dieser Richtung treu geblieben und ein Herrenreiten zeichnet, überall treffen wir auf ein 
andre sind seinem Beispiele gefolgt. Freilich konnte eminent sicheres Farbengefühl, auf ein hervorragen- 
ichpersönlich den OrlikschenBlätternfürdieCezanne- des zeichnerisches Können, mit dem sich die persön- 
ausstellung oder die der ungarischen Maler (1910) liche, stets augenfällige Kenntnis der Einzelheiten 
recht geringen Geschmack abgewinnen. Ich glaube, der verschiedenen Sportarten verbindet. Und mit 
wennich nicht Plakatsammler wäre,ichwäre an diesen ihr gewinnt er sein Publikum, fesselt er den Sport- 
Blättern völlig interesselos vorübergegangen, da sie kundigen, wirbt er bei dem Neuling, indem er die 
mich ebenso langweilten wie das der augenblicklich Lichtseiten malerisch, verführerisch vorAugen führt, 
hier stattfindenden französischen Ausstellung. Es Auswüchse und Schattenseiten nicht zu kennen 
ist erfreulich, daß das Ausland dadurch, daß einem scheint (siehe Abbildung 14). 
Künstler wie Ludwig Hohlwein der Auftrag zuteil Und nicht anders steht es mit den Ankündigungen 
wurde, für das Deutsche Reich auf der Brüsseler der Verkehrsvereine und Ortschaften, die sich um die 
Weltausstellung 1910 ein Plakat zu schaffen, einen Gunst der Vergnügungsreisenden bemühen und den 
bessern Eindruck von deutscher Plakatkunstbekommt Reiz ihrer Landschaft möglichst lockend zu schildern 
als den der Nüchternheit und Trockenheit. suchen! Auch sie rechnen nur mit dem wohlhabenden 
Was ich vorhin von der Psychologie der Reklame und gebildeten Publikum, das dem Getriebe der Stadt 
sagte, gilt ganz besonders stark für gewisse Gebiete, entrinnen und sich für längere oder kürzere Zeit die 
auf denen sie einen bestimmten Teil des 
Publikums anzulockenversucht. Solch ein   '  ff '  "l         
Gebiet ist der Sport, und sein Publikum . -         h".     
der gutsituierte Teil der Bevölkerung. v i, i"     _Ü Q:  i    "j, 
Das klingt vielleicht schroff, wenn man '  l S  1-   j    
bedenkt, welche Verbreitung die Betäti-     "i   i"  I 
gung sportlicher Neigungen in den letz- ß f" ' P P i  '    ß I 
ten Jahren auch in Deutschland gefunden, '     .4 I      
klingt vielleicht unsozial, indem es die    . V3 Sie   
einfacheren Schichten des Publikums von     " ß      
derBerechtigung,sich ebenfalls ein Gegen- f      M  "tilgt,   
gewicht gegen anstrengende Berufsarbeit   v, . .  - .        '   
zu schaffen, auszuschließen scheint. Und _   1A         
doch entspricht meine Behauptung den r      a        i) f, 
Tatsachen. Von einem bestimmten Kreise "  f     5   Ä i.  
sportfreudiger und -ergebener Leute, die, Ä"   Ä 
sehen wir vom Reitsport ab, meist dem t a       9}  v - 4     
besseren Mittelstand angehörten, hat die  
Betätigung mit körperlichen Spielen, als Abblldungll. Otto Obermeier, Katulogumschlag  
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