Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Archiv für Buchgewerbe
Person:
Waldow, Alexander Deutscher Buchgewerbeverein
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-981589
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4353855
 ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE  
selbst aus andrer Schrift (Kursiv) zu setzen, um das 
eigentliche sprachgeschichtliche Beispiel deutlich 
abzuheben. Für eine stets gleichmäßige Abkürzung 
der l-lerkunftssprache muß Sorge getragen werden, 
so daß z. B. nicht afranz., altfr., afrz. (für "altfranzö- 
sisch') nebeneinander vorkommen. Es ist darum von 
vornherein ein Verzeichnis anzulegen, worin eine 
bestimmte Form für jede Abkürzung festgelegt ist. 
Gibt der Verfasser nicht selbst ein solches, so hält 
man sich bei der Auswahl am besten an gebräuch- 
liche Formen, wie: ahd., mhd., got., lat., ital., engL, 
frz. usw. Je größere Kürze man bei der Zusammen- 
drängung erzielt, um so mehr ist man des Beifalls 
der Besteller sicher, nur darf hierbei nicht auf Kosten 
der Verständlichkeit verfahren werden; es sind wohl 
Kürzungen wie ags. (angelsächsisch), ngr. (neugrie- 
chisch), lt. (lateinisch), it. (italienisch) noch verständ- 
lich, solche wie afr. (altfranzösisch), ml. (mittellatei- 
nisch), ae. (altenglisch) sind jedoch sehr bedenklich, 
andre geradezu mißverständlich, wie nl. für 'neu- 
lateinisch', da es auch für 'niederländisch' gelesen 
werden kann. Derartige stark beschnittene Formen 
dürfen nur gebraucht werden, wenn der Verfasser sie 
selbst wählt. Aus dem gleichen Grunde empfehlen 
sich auch nicht die großen Anfangsbuchstaben, wie: 
E (englisch), L (lateinisch), G (griechisch) usw., wie 
bei Tetzner, Ogilvie (Beispiel 13 siehe Beilage) und 
andern, zumal ja auch keine Hauptwörter, sondern 
Eigenschaftswörter damit gemeint sind. 
Die Wortklasse und das Geschlecht werden allge- 
mein durch Kürzungen bezeichnet, die zweckmäßiger- 
weise aus andrer Schrift als die Worterklärungen (bei 
Antiquasatz also Kursiv) zu setzen sind. Auch hier 
tritt das Bestreben größtmöglicher Raumersparnis 
hervor, so daß man sich für viele mit einem einzigen 
Buchstaben behilft: m,f, n (für die Geschlechtsbe- 
zeichnung), a (statt adj.), ad (statt adv.), pr (statt pr0n.), 
pt (statt part.) usw. Der Abbreviaturpunkt ist ent- 
behrlich, man nimmt aber zuweilen bei zusammen- 
gesetzten Bezeichnungen wie va, vn (aktives und 
neutrales Verb) den Schrägstrich zuhilfe: vfa, vfn, 
vftr, mfpl. Dies auch bei sfm, sff, sfn zu tun, ist kein 
Anlaß, denn die Bezeichnung s (Substantiv) kann wohl 
überall ohne Schaden weggelassen werden. Langen- 
scheidt setzt außerdem noch im Englischen bei Ad- 
jektiven, die das Adverb regelmäßig auf ..ly bilden 
a. Ü, also z. B. noble a. Ü, rich a. Cl usw. Daß eine 
Interpunktion vor und hinter der Angabe der Wort- 
klasse notwendig wäre, kann nicht behauptet werden, 
falsch ist sie nicht, nimmt aber unnötigen Raum in 
Anspruch und erschwert den Satz. Einen Ausweg 
hat man darin gesucht, die Kürzung hochzustellen, 
um die Interpunktion gleich auf demselben Raum mit 
unterbringen zu können (Beispiel 14 siehe Beilage). 
Das Anwendungsgebiet eines Wortes anzugeben 
ist sowohl bei mehrfacher Bedeutung nötig, um die 
einzelnen Erklärungen genau abzugrenzen, z.B. Blatt 
(Papier) und Blatt (Pflanzenkunde), als bei Beschrän- 
kung eines Ausdruckes auf einen bestimmten Kreis: 
Gaunersprache, Medizin, Slang usw. Auch zu diesem 
Zwecke hatte man früher lediglich Abkürzungen: 
-typ. (Buchdruckerkunst), astr. (Sternkuude) usw.; bei 
Webster, English Dictionary, findet sich die Bezeich- 
nung durch Ziffer: [157] : Seewesen usf., z.B. prick, 
 itedjen; [157] ptitfen. Man verwendete diese Kursiv 
oder Antiqua gedruckten Kürzungen gleichmäßig für 
beide Teile des Wörterbuchs, ohne Mißverständnisse 
befürchten zu müssen, da sie gewöhnlich eingeklam- 
mert wurden. Neuerdings ist man jedoch zur Anwen- 
dung von Symbolen übergegangen, die weniger Raum 
einnehmen und meistens viel anschaulicher sind, als 
die vom fremden Worte abgeleiteten Abbreviaturen, 
wie agr. I Landwirtschaft usw. Kürschner und 
Langenscheidt sind hierin bahnbrechend gewesen, sie 
stimmen zwar in der Wahl der Zeichen nicht immer 
überein, erreichen aber dasselbe Ziel unmittelbarer 
Anschaulichkeit, vgl. KZ zMarine, W Post, v3] Eisen- 
bahnwesen, a: Maschinenbaukunde, J" Musik usw. 
Manche hierher zu rechnende Bezeichnungen wie 
(am. (familiärer Ausdruck), jig. (in ligürlichem Sinne), 
prv. (Sprichwort, von lat. proverbium) werden auch 
jetzt noch aus besonderen Gründen durch Kürzungen 
ausgedrückt; ebenso halten manche Autoren noch 
daran fest, die Kennzeichnung eines Wortes als ver- 
altet, vulgär, Provinzialismus usw. vor dem Stichwort 
durch Zeichen wie O0 1' r usw. zu bewirken. 
Die Wortbedeutung (Übersetzung) ist nächst dem 
Stichwort das Wichtigste im Wörterbuch. Es soll 
darum immer ohne Mühe ersichtlich sein, was Über- 
setzung, d. h. deckender Ausdruck für das Stichwort 
ist, und alles andre als nebensächlich mehr zurück- 
treten, also entweder durch kleineren Druck oder 
abweichende Schriftart oder Einklammern gekenn- 
zeichnet sein. Da das Stichwort in der andern Sprache 
fast immer in mehrfachem Sinne übersetzt werden 
kann (mehrere Bedeutungen hat), so sind diese ge- 
hörig auseinanderzuhalten. Dies geschieht vor allem 
durch die Interpunktion. Das Komma darf deshalb 
nur zwischen mehreren Übersetzungen des Stich- 
wortes in synonymer Bedeutung stehen, jede neue 
Begriifsgruppe ist aber von der voraufgehenden min- 
destens durch Semikolon zu trennen: 
ausgeben 11.11. ir. distribuer, de- "hontemt, -Se a. beicbümt, ver- 
livrer; (man) döpenser; (eine idiümt, idwmbait, blöbe, ftbild): 
Siadjricljt für wahr) donnei-(une temmerlßgfniliflünblifl), idjimpf- 
nouvelle pour vraie)     Imi- 
nggngggggggßu Beispiellönnuounnonnnnu 
Erläuternde Zusätze stehen in Parenthese: jdjlagen 
(511m SRittet); nachsetzen vfa persequi (alqm); mund- 
recht machen vfn accommoder (qc) usw. Die meisten 
guten ausführlicheren Wörterbücher aber halten die 
einzelnen Begriffsgruppen durch Numerierung aus- 
einander. In besonders markanter Weise geschieht 
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