Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst auf dem Lande
Person:
Sohnrey, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-825343
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-828043
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Robert Mielke: 
Bildes  mehr allerdings noch der Tapete  können wir allenfalls in den altnordische11 
Teppichwebereien erblicken, die in einfacher Technik von der Hand der Familienangehörigen 
gewebt, im Bauernhause vielleicht hier und da vorkommen, aber auf Bildcharakter keinen 
Anspruch machen können. Erst in fürstlichen Häusern, in Kirchen usw. entwickeln sie 
sich zu eigentlichen Bildwebereien von größter künstlerischer Bedeutung, die indessen für 
das Bauernhaus keinen Einfluß haben. 
Die Bauernwohnung bewahrte also den urväter"lichen Charakter des Be-dürfnislosen 
noch bis in die Neuzeit, stellenweis bis in den Anfang des neunzehnten Jahrhunderts 
hinein. Der Herd, aus dem sich nach Abtrennung der Küche ein Ofen entwickelte Und 
wenige Gebrauchs-möbel bildeten die ganze Einrichtung. Der Maler Beham (l5()0 bis 
1550), einer der fruchtbarsten Kleinmeister, hat einen Stich geschaffen, der eine Spinn- 
stube darstellt. Decke 11nd Wände sind mit Holz bekleidet; Bänke, ein viereckiger Tisch 
und ein mächtiger Kachelofen vollenden die Ausstattung. Weder Bilder noch andere Aus- 
schmückungsgegenftände sind vorhanden, nur hauswirtschaftliche Geräte und aufgespa11I1tE 
Laken lassen die noch nicht überwundene Gewöhnung häuslicher Arbeit erkennen. Das 
ist das typische Bild der Banernwohnung, welches durch viele hundert andere Abbildungen  
unter ihnen die häufigen Darstelluugen der Verkündigung nnd anderer heiligen Vorgänge  
bestätigt wird. Selbst Kruzisixe und Heiligenbilder  heute in katholischen Gegenden 
ein unumgänglicher Zim1nerschmuck  suchen wir vergebens; auch sie sind U"ft spät, 
1neistens im siebzehnten Jahrhundert und nach der sogenannten Gegenrefor111ati011 il! das 
deutsche Zimmer gelangt. 
Selbst in die kleineren bürgerlichen Wohnungen dringt das Bild recht spät ein; 
noch im siebzehnten Jahrhundert fehlt es fast ganz und gewinnt erst mit der wohlfeileren 
Herstellung von Tafel- und Spiegelglas  also mit dem Anfange des achtzehnten Jahr- 
hunderts  eine allgemeinere Verbreitung. Das ist ein äußerer Umstand, der lose an
        

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