Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst auf dem Lande
Person:
Sohnrey, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-825343
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-825705
10 
Robert Mielke: 
Kern als in seinen Ausstrahlungen wirkt, daß es mehr Linie und Form als rankende 
Buntheit liebt. Anders wird es schon in Mitteldeutschland, wo das leuchtende Weiß 
der Fijllungen und Mauern einen natürlichen Gegensatz zu dem dunklen Urton der Erde 
oder dem warmen Grün der Wiesen oder Wälder bildet. Im Berglande Mitteldeutsch- 
lands  vorzugsweise aber da, wo fränkische, alemannische und westfälische C-inflüsse 
zusammenstoßen und sich gegenseitig durchdringen, ist man schon einen Schritt weiter 
gegangen und hat das Grau des Schiefers, das Braun des Riegelwerks und das Weiß 
der Gefache durch farbige, manchmal zugleich plastische, Verzierungen belebt (Abb.  
Ganz ist die Farbe aber erst im Süden zur Herrschaft gelangt, wo eine wärmere Sonne 
das Eis der Firnmulden funkelnd durchleuchtet, wo auch in klarer Höhenluft das Tages- 
gestirn wunderbare Farbenspiele hervorbringt. Dort überziehen sich nicht nur die Wände 
innen und außen mit allerlei farbigen Ranken, sondern es bilden auch die verschiedenen 
Grundfarben des Materials, das vom hellen Weiß des Mörtels durch alle Nuaneen des 
Obcraudenk)ain bei Mi"ck)lberg an der Elbe. 
Bruchsteines hindurch bis zum satten Rot wechselt, eine Grundlage für malerische Zu- 
taten, die durch den Einfluß italienischer Baum-t an allen Verkehrsstraßen sich besonders 
aufdrängen. Le11chtend weiße oder gelbe Wandflächen, braunes oder rotes Riegelwerk, 
grüne Fensterläden oder auf den größeren Bauten grüne Dächer variieren das Leitmotiv 
des Bunten nach allen Seiten hin, treiben selbst bei Kirchen und Kapellen ein manchmal 
schon üppiges Spiel von Form, Farbe und Linien, dem der Ernst des Holzbaues auf 
dem Hochlande wirkungsvoll entgegensteht (Abb. 17). 
Das oberdeutsche Dorf entwickelt sich  wie es die Berge nahelegen  in die 
Höhe (Abb. 18); schon auf der Ebene, z. V. den Strichen am Rhein bis Bingen  zeigt 
es Neigung zum Geschoßbau, der es im Verein mit dem weithin schauenden, empor- 
gereckten Kirchturm zum Betonen der Bertikalen drängt, im GegensaH zu der am Boden 
hingezogenen horizontalen Bauweise im übrigen Deutschland. Im Gebirge ist das Land 
teuer  aber das Bauen billig; denn reichlich bietet die Natur Holz und reichlicher 
noch Steine. Im Gebirge ist aber auch die Arbeitskraft wohlfeil, weil das Klima die 
eigentlichen landwirtschaftlichen Arbeiten auf einen Teil des Jahres zusammendrängt und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.