Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst auf dem Lande
Person:
Sohnrey, Heinrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-825343
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-826664
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Ernst Kühn: Gemeindebauten. 
In hiigeligem Gelände lege man Straßen an, die die zulässige Steigung für Fahr- 
Verkehr nicht überschreiten. Diese werden nicht, wie es wohl bisher der Fall war, in 
Richtung der größten Steigung einer Anhöhe zu führen sein, sondern in einem Winkel 
gegen dieselbe, gegebenenfalls in einer Serpentine. Um aber für den Fußverkehr doch 
eine rasche Verbindung zu haben, ordne man in Richtung der größten Steigung schmale 
Fußwege, eventuell Treppen an. 
Aber auch noch in anderer Beziehung sind die wirtschaftlich-öffentlichen Jnteressen 
wahrzunehmen und den örtlichen Verhältnissen aus alter Zeit mehr als bisher Beachtung 
zu schenken. Jn oft rücksichtsloser Weise wurden bei Aufstellung der Straßenfluchten- 
pläne, scheinbarer Vorteile wegen, alte bestehende, dem Orte zur Zierde gereichende Ge- 
bäulichkeiten angeschnitten und abgebrochen. Manches eigenartige Straßenbild ist durch 
diese Willkürherrsc)aft verschwunden und Geschmackloseres ist an dessen Stelle getreten. 
Jn gedankenloser Weise sind oft neue Straßen gebildet worden, während die alte Straße, 
die gut mit zu benutzen gewesen wäre, nur aber, weil sie den örtlichen oder Eigentums- 
Verhältnissen angepaßt, mit einigen Wendungen versehen war, beseitigt wurde und damit 
nochmals Kosten entstanden. 
Es erscheint als selbstverständlich, wenn gefordert wird, daß die Jnteressen der 
Grundstücksbesit;,er bei Aufstellung der Fluchtenpläne im Orte selbst wie im freien Felde, 
also die Eigentumsgrenzen, die alten Wege, Wasserläufe und dergleichen volle Beachtung 
zu finden haben. Erst nachdem der Willkürherrschaft der seither üblichen Planbildnngen 
zu Orts-erweiterungen ein Ende bereitet ist und jene alte, selbstverständ"lichen GeseHen 
folgende nnd einer gesunden Vernunft entspringende Methode wieder zur Geltung gekommen 
ist, wird ein iiberflüssiges schädliches Glied unserer heutigen Kultur beseitigt und die 
Fühlung mit der alten Tradition wieder hergestellt sein. 
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