Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Weimarische Beiträge zur Literatur und Kunst
Person:
Brüger, K. Dingelstedt, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-820012
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3805327
 über die europiiischen Volksmärcl1en. 193 
in"s Feuer wirft. Wer7s aber weiß und ihm sagt, der wird zu 
Stein bis- zum Herzen." Der dritte Rabe endlich sagt: ,,Wenn 
nach der Hochzeit der Tanz anhebt, so wird die Königin plötzlich 
umfalleu und sterben, wenn sie nicht Einer aufhebt und aus ihrer 
rechten Brust drei Tropfen Blut saugt und sie wieder ausspeiet. Wer"s 
aber weiß und ihm sagt, der wird ganz zu Stein!" Der treue 
Johannes merkt Alles und sagt Nichts. Als sie nun aus Land 
kom1nen, erschießt er das schöne Pferd und wirft das prächtige 
Hemde in7s Feuer. Beidemal knurrt die Umgebung, aber der Kö- 
nig sagt: ,,Wer weiß wozu es gut ist, es ist mein getreuester Johan- 
nes." Als aber beim Tanz die Königin nmsällt und der treue Jo- 
hannes nach den Worten der Raben handelt, wird der König vor 
Eifersucht zornig und befiehlt ihn hinzurichten. Unter dem Galgen 
stehend, erzählt der getreue Johannes zu seiner Rechtfertigung das 
Gespräch der Raben, und wie er geredet, war- er ganz zu Stein gei- 
worden. Voll Kummer lassen der König und die Königin das 
Steinbild in ihrer Schlafkammer ausstellen. Die-Zeit verging, die 
Königin bekam Zwillinge und sie wuchsen heran zur Freude der El- 
tern. Eiues Tages betrachtete der König trauernd das Steinbild 
und sagte: ,,Ach könnte ich dich wieder lebendig machen, mein ge- 
treuster Johannes!-' Da fing der Stein zu reden an und sagte: 
,,Wenn du deinen beiden Kindern den Kopf abhaust nnd mich mit 
ihre1n Blute bestreichft, so werde ich wieder lebendig." Der König 
erschrak, doch that er Alles, und der getreue Johannes stand wieder 
lebendig vor ihm und sagte: ,,Deine Treue soll belohnt sein!" und 
setzte die Köpfe den Kindern wieder auf, und sie wurden wieder heil 
ins spielten fort, als wenn Nichts geschehen wäre. ' 
So ist das Märchen von Grinim"s im Hessenlande aufgezeich- 
net. Es gibt aber auch aus anderen Gegenden Deutschlands Va- 
rianten ii), ans deren einer ich nur hervorheben will, das; die dritte 
drohende Gefahr darin besteht, daß in der Brautnacht ein Drache 
die Braut tödten wird, weshalb der Gen-eue sich in die Brautkam-K 
mer schleicht und den Drachen erschlägt u. s. w. 
 
 Siehe die Anmerkungen W. Grimm-H, 
 Beiträge. 
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