Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Form im Kriegsjahr
Person:
Jessen, Peter
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-819975
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4361360
wesen - der hätte die längste Zeit in der Haupthalle in den beiden langen 
Gängen verweilen müssen, die in ihren gleichförmigen Nisdmen die Beispiele des 
Unferridrfs zeigten, voran die Kunstgewerbe: und Fadusdmulen. Nur eine 
enge Auswahl und doch über zwanzig Anstalten, meist Preußen, aber audu 
Stuttgart, Hamburg,- dazu Meisterkurse aus Nürnberg, Zeiduenunterridmt und 
Handfertigkeit der allgemeinen Schulen Preußens, bis zu Musterzimmern der 
Handarbeit des Pestalozzi:Fröbelhauses in Berlin (Ausführung P. Johannes 
Müller, Charlottenburg), das Ganze einheitlich untergebradmt (unterBeihilfe von 
DirektorThormählen in Köln). Man hatte es "künstlerisdue Erziehungsmetho: 
den" getauft und hatte, sdueint mir, doppelt unrecht: denn zum Glück gab es weder 
Methoden, sondern überall die möglidust ungebundene Anregung durch über: 
legene Lehrpersönlichkeiten, noch Nurkünstlerisches, sondern hinter aller Frei: 
heit, dem Kurzsidutigen freilich verborgen, immer entschiedener die Richtung 
auf die werkmäßigen Grundlagen. Viele tüdutige, mühselige Handarbeit als 
Gegengewicht gegen den unhemmbaren Aufsduwung der jugendlichen Phan: 
tasie. Ein englischer Fachmann sagte mir in diesen Räumen: bisher kennen 
wir Deutschland nicht. Aber ich sah bald, daß er es auch jetzt nicht begriff. 
Denn er fragte, wo die Direktoren dieser Sduulen für ihr Fach gedrillt werden. 
Das ist ja der Kern: an der Spitze stehen eben Kräfte, die nicht im Kunst: 
gewerbe geboren sind und es deshalb zu meistern vermögen. Sie haben es 
noch selber erlebt vor ZO Iahren und wollen es nidmt noch einmal erleben: 
wo die Kunstgewerbesdwle Kunstgewerbler zu Herrschern über das Kunst: 
gewerbe züdatet, ist es mit dem Kunstgewerbe und mit der Kunstgewerbe: 
sdwule vorbei. Aber ehrliche Diener kann und soll sie ihm stellen, als Werk: 
meister und Zeichner und Unterführer zu zeitgemäßen Wegen. Sie müssen 
sidm an den Problemen von heute versuduen, etwa dem neuen Fladwmuster, 
um die Bahnbreduer zu verstehen, die da kommen werden, um die Zukunft 
weiter zu ungeahnten Zielen fortzureißen. Und von unten herauf wädust den 
Fadusdmulen eine nadu neuen Ansprüchen mannhafter vorgebildete Jugendwehr 
zu: in Preußen wenigstens sehnt sich die Verwaltung, ihren schon so freizü- 
gigen Zeichenunterridut durdm gediegene Werkarbeit zu ergänzen, sobald das 
Volk Mittel und Kräfte bereitstellt. Dafür sollte der Werkbund seine Macht 
einsetzen,- auch das eine Lehre des Krieges. 
Wir verlassen die Haupthalle. Von den Gebäuden, die besonderen Pro: 
blemen der Zeit galten, sei das Haus der Frau vorweg genannt. Kann man 
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