Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch des Maler- und Lackierer-Handwerks
Person:
Reichsbund des Deutschen Maler- und Lackiererhandwerks / Ausschuß für das Lehrlingswesen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-794151
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-795321
Die Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit der Farbentönungen ist 
hauptsächlich bedingt durch das Bestreben des Farbenhandels, sich die 
Kundschaft der Maler dadurch zu gewinnen, daß er ihnen die Mühe 
des Farbenmischens abnimmt, zum Teil aber auch durch die verschieden: 
artigen Fabrikationsmethoden der Fabriken. Die Mannigfaltigkeit der 
Qualitäten hängt ab von den Qualitäten der Rohstosfe und den vers 
schiedenen Streckmitteln fmeist Schwerspat oder Kavlin, die in den 
schlimmsten Fällen bis zu 90 Prozent der Farbe zugefetzt werdens. 
Durch den 3usaZ von Strekkmitteln wird Ausgiebigkeit, Deckkraft, 
Mifchbarkeit und meist auch Haltbarkeit der Farbe umso mehr beeins 
trächtigt, je größer der Zusatz ist. 
Das Strecken der Farben ist nicht grundsätzlich zu vers 
urteilen. Es wäre unwirtfchaftlich, immer, auch bei Voranftrichen und 
bei billigen Arbeiten für vorübergehende Zwecke und dergl., reine 
Farben zu verwenden. Es ist aber ebenfalls unwirtschaftlich, wenn der 
Maler gestreckte Farben vom Händler kauft. Er muß dann dem Händler 
und Fabrikanten nicht nur die Farbe, sondern auch das Streckmittel, 
und zwar nach dessen PreissestseZung bezahlen, anstatt daß er 
einerseits die reine Farbe und andererseits das billige Streckmittel 
selbst kauft und selbst die Streckung vornimmt, wobei er geldlich bes 
stimmt einen größeren Vorteil hat und sich jeweils leicht aus die Ers 
fordernisse seiner Arbeit einstellen kann. 
Nicht gestreckt werden dürfen die Farben bei allen Schutzanstrichen, 
wo die Haltbarkeit von der Güte des Materials sämtlicher eins 
zelnen Anftriche abhängt. z. B. bei Eiseuanstrichen und Außenanstrichen. 
Eine Streckung der Metalloxydfarben cBleimennige, 3inkvxyd usw.s 
mit minderwertigeren Farben ist z. B. in solchen Fällen unstatthaft. 
Anwendbar sind gestreckte Farben also lediglich bei Boranstrichen 
schmückender Anstriche innen, und bei billigen Arbeiten, wo gutes Auss 
sehen und Haltbarkeit nicht gefordert ist. 
Streckmittel sind zunächst die nicht färbenden S:onerden lKaolin, 
Schwerspat. Leichtspat; für Qelfarben auch Gips und KreideJ. Diese 
können allen Farben zugesets,t werden, vorausgeseht, daß sie gleich fein 
gemahlen sind, wie das Farbpulver selbst. Erdfarben mit Gips ges 
streckt, dürfen nicht zu Silikatfarben verwendet werden, da sie im Binde: 
mittel sofort steinhart werden; auch nicht zu Leimfarben, da die An: 
striche dann ftreisig und fleckig werden. 
Färbende Streckmittel sind: für alle helleren Farben Baryt, für grüne 
Farben grüne Erden, für rote Farben heller Ocker. für braune Farben 
Umbra und Ocker. Hierbei muß aber die gleichzeitige Wirkung der 
Streckmittel als Mischfarben beachtet werden Csiehe F a r benmisch e us. 
Schwarze Farben brauchen nicht gestreckt zu werden, da genügend billige 
zur Verfügung stehen. 
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