Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch des Maler- und Lackierer-Handwerks
Person:
Reichsbund des Deutschen Maler- und Lackiererhandwerks / Ausschuß für das Lehrlingswesen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-794151
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-796518
In jedem Raume gibt es nach Lage der Türen und Fenster, und 
nach der Anordnung der Einrichtungsgegenstände verschiedene Raums 
schwerp unkte, also Stellen im Raum, an denen sich die Menschen 
hauptsächlich aufhalten, von denen aus sie den Raum meist betrachten, 
von denen aus der Raum gesehen wird. Je nach den Blitkriä1tungen, 
die im Raum möglich sind, ergeben sich also verschiedene Ra ums 
bilder, z.B. von den Türen aus, vom Fenster aus, in einem 
Herrenzimmer vom Schreibtisch aus usw. Jedes dieser Raumbilder 
muß aber einen guten farbigen Gesamteindruck ergeben, ein einheitliches, 
sinnvolles Bild, die richtige Gestalt des Raumes nach Bauform und 
Zweck. Der Maler muß also nicht nur ein Bild des Raumes 
beachten, sondern die verschiedenen Raumbilder, die in jedem Raum 
möglich sind, und er muß diese in Uebereinstimmung zu einander bringen. 
Dabei hat er zu bedenken, daß der Raum, als Rahmen für eine 
menschliche Tätigkeit, für diese zu gestalten ist, er muß also von den 
Schwerpunkten im Raum ausgehen. Er wird dann erkennen, daß es 
Raumzonen cRaumabsthnittes von verschiedener Wichtigkeit 
im Raum gibt, solche in denen sich die Tätigkeit im Raum hauptsächlich 
abspielt, die also um die Schwerpunkte herum liegen, und solche, die 
man entweder ganz selten oder nur vorübergehend benutzt. die man 
nur durchschreitet, um zu den Schmerpunkten zu kommen usw. Diese 
Gliederung des Raumes wird zunächst hervorgebracht durch die Auss 
stattung des Raumes, besonders durch die Anordnung der Möbel, 
und ihr muß der Maler bei der farbigen Gestaltung Rechnung tragen. 
Er muß sich also in das Leben im Raum einsiihlen 
können, muß sich in die Rolle des Bewohners der 
Räume hineindenken können, um die Wirkung seiner 
Arbeit richtig zu ermessen. Aber auch hier hat er bei der 
Wahl der Farben stets die 5 Bedingungen der Jarlnvirkung und die 
7 Bedingungen der Jarbstimmung zu beachten, denn nur unter ihrer 
richtigen Beriiciisichtigung kann er für die Räume die Eigensarben 
finden, die dem Raumzweck entsprechen. 
Wenn dem Maler ein Raum zur farbigen Gestals 
tung gegeben ist, dann hat er also zunächst festzustellen, welches 
der Raumzweck ist, ob es sich um einen sachlichen oder repräsentativen 
Raum handelt. Er hat danach die Ausstattungsgegenstände und die 
durch ihre Formen, Farben und ihre Anordnung gegebene Gliederung 
des Ranmes nach dem Gebrauchszweck zu beachten. Dann hat er die 
Architektur des Raumes, die Bauform im ganzen und im einzelnen 
zu studieren und ihr Verhältnis zum Raumzweck und zur gegebenen 
Raumausstattung festzustellen. Dann hat er Lage und Belichtung des 
Raumes festzustellen und nun die Raumzonen und Raumschwerpunkte 
und damit die Raumbilder, wie sie sich für den Verruchter ergeben. 
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