Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Lehrbuch des Maler- und Lackierer-Handwerks
Person:
Reichsbund des Deutschen Maler- und Lackiererhandwerks / Ausschuß für das Lehrlingswesen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-794151
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-796326
dienen haben, daß sie den Zwecken entsprechen, für die sie geschaffen 
worden sind, und daß gerade darin ihre Schönheit liegt und gefunden 
werden muß, nicht aber in einem Schmuckwerk, einer ,,DekorationH 
ohne Bedeutung. 
Darum hat man sich abgewendet von der Dekoration und hat die 
neue Aufgabe gefunden in der  G estaltung U. Unter  G estaltU 
versteht man die einheitliche und sinnvolle Grsiheis 
nung eines Gegenstandes. Die Einheit erkennt man an der 
richtigen Zusammengehörigkeit aller einzelnen Teile. Den Sinn ers 
kennt man an der dem Zweck des Gegenstands entsprechenden Form. 
So hat ein Werkzeug eine einl1eitliche und sinnoolle Erscheinung, wenn 
man ihm die rikhtige Zusammensetzung und den Zusammenhalt seiner 
Teile ebenso ansieht, wie seine Eignung für die menschliche Tätigkeit, 
der es dienen soll. 
Wenn heute ein Bauwerk oder ein Raum ,,gestaltetU wird, so bei 
bedeutet das, daß es in seiner Form und in seiner Erscheinung, so wie 
sie sich dem Auge darbietet, so hergestellt wird, daß es im ganzen, wie 
in seinen Teilen, den Zwecken entspricht, denen es dienen soll, daß 
es diese reine Zweckmäßigkeit auch in seiner Erscheinung, in seinem 
Aussehen ausdrückt. 
Diese Zweckmäßigkeit hat man ,,SachlichkeitU genannt, um damit 
auszudrücken, daß hiermit ein Gegensatz festgestellt worden ist gegen 
die Wünsche der einzelnen Persönlichkeit. Die einzelne Person mit 
ihren besonderen Cindividuellens Eigenarten, Ansichten, Wünschen und 
Bedürfnissen kann keine allgemein gültige Ordnung schaffen, sondern 
will es nur sich selbst bequem machen. Eine Sache aber muß in ganz 
bestimmter Weise, mit ganz bestimmtem Material, in ganz bestimmter 
Form hergestellt werden, wenn sie für ihren Zweck geeignet sein soll 
und sie ist um so besser, wenn sie in Art der Herstellung, Material und 
Form ihrem Zweck am allerbesten angepaßt ist. 
Sachlich gestalten heißt also das ganze Herstellungsversahren eines 
Dinges, sei es ein Gebäude, ein Raum oder sonst ein Gebrauihsgegens 
stand, von Grund aus darauf hin durchdenken und anlegen, daß der 
Zweck des Gegenstandes aus die beste, einfachste und angenehmste Weise 
erreicht wird. 
Wer gestaltet, geht also von dem Ganzen aus, das 
einem Zweck dienen soll. Der Maler, der in Häusern und 
Räumen arbeitet, muß also ebenso von dem Ganzen des Hauses und 
des Raumes ausgehen, wenn er gestalten will, wenn er etwas Einheit: 
liches, dem Sinn des Hauses oder Raumes Entsprechendes herstellen will. 
Damit ergibt sich ein großer Unterschied gegens 
über der Dekorationsmalerei. Die Dekorationsmalerei arg 
beitet auf der Wands oder Deckenfläche, sie trägt ihre Ornamente ans 
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