Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Wiedergeburt der deutschen Volkskunst als wichtigstes Ziel der künstlerischen Bestrebungen unserer Zeit, und die Wege zu seiner Verwirklichung
Person:
Hartmann, Karl Otto
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-792212
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-793021
Allgemeine Grundzüge des deutschen K-unftfcl)affen5. 
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auf das Geistesleben ausgeübt hatte. Am besten werden 
diese Grundzüge durch Vergleichen von Kunstwerken 
deutscher Eigenart mit denen von andern Völkern er- 
kannt und zwar besonders dann, wenn man auch Werke 
aus den Gebieten der hohen Kunst einbezieht, da diese 
in ihrem freien Schaffen Inhalt, Absicht und Form 
vielfach deutlicher zum Ausdruck bringen, als die durch 
die Rücksichten auf die Gebrauchs-zwecke gebundenen 
angewandten Künste. 
Als erster und bedeutsamster Grundzug der deutschen 
Kunst tritt schon in jener Zeit, in der die machtvolle 
Eigenentwicklung des Deutschtums anhebt, d. i. mit 
Beginn des 2. Jahrtausends n. Chr., in den großen mittel- 
alterlichen Domen zutage: Die Ausrichtung der 
Kunstgedanken auf das Große und Erhabene, 
das Hochstehende und Höchste, auf das Göttliche. Wohl 
sind auch bei den Romanen diese Dome bisweilen 
in ebenso riesigen, zum Teil noch größeren Abmessungen 
angelegt wie bei uns. Während bei jenen aber die 
Naumgestaltung mehr in die Breite geht, zeigt sie an 
den deutschen Domen einen auffallenden, mit der wei- 
teren Fortbildung der mittelalterlichen Baukunst immer 
nod) wachsenden Höhendrang. In ihren späteren Schöp- 
fungen, an den Domen der gotischen Blüte- und Spät- 
zeit, spricht sich das Himmelanstrebende selbst in allen 
einzelnen Baugliedern durchgreifend und überzeugend 
aus. Das ganze Bauwesen erscheint als ein geschlossener 
Organismus, von dem kein wichtiges Glied der Kon- 
struktion losgelöst werden kann, ohne daß die Konstruk- 
tion verletzt oder zerfallen würde. Kein einziger Bauteil 
hat eine so selbständige, in sich abgeschlossene Stellung 
und ästhetische Eigenart wie z. B. die Säule in der 
italienischen Kunst, die vielfach ohne Gefahr für den 
Bestand des Ganzen aus diesem"JI"herausgenommen,
        

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