Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Knaus
Person:
Pietsch, Ludwig Knaus, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-773098
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-773981
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gewann das 1884 gemalte und in Berlin dem bescheidenen sauberen Witwenstübchen 
ausgestellte Bild  Ein Wiedersehen" sich webt ein eigentümlicher poetischer Duft. 
mehr Freunde, als durch seinen rein künst- Ein Hauch der alten Zeit ist über alles 
lerischeu Gehalt, und seine malerischen darin ausgebreitet, wie frisch, hell und nett 
Tugenden. Ein Bruder Studio im vollen es auch darin ausschaut.  
Schmuck und mit dem ganzen lustigen Stolz Ein Bild von sehr verschiedener 
und Selbstgefühl, womit ihn das Bewußt- Gattung wurde noch in demselben Jahre von 
sein dieser Würde oder Eigenschaft erfüllt, Knaus ausgeführt: ,,Das Zigeunerfuhrwerk" 
ist nach mehreren Semestern des Universi- (Abb. 46). Ein wildes, schlankes, fast schon 
tätslebens ins elterliche Haus zum Ferien- ausgewachsenes, braunes Zigeunermädchen 
befuch zurückgekehrt. Jm Vorhof, hinter mit wirr flatterndem üppigen Haar, mit 
dessen Gitterthor die Bäume eines Parks einem zerrissenen Hemd und kurzen Wollen- 
sichtbar werden, steht der Musenfohn mit röckchen bekleidet, hat zwei ebenso hageren 
dem mitgebrachten großen Hunde und läßt Buben, deren Blöße kaum notdürftig durch 
sich gnädig die Liebkosungen und die Be- die traurigen zerlumpten Überrefte eines 
wunderung der Seinen, der zärtlichen ehemaligen Hemdes und eines dunklen 
Mutter, der Schwestern, der Brüder und Kittels Verdeckt und verborgen wird, die 
des Dienstpersonals gefallen. Der Ein- beiden Enden eines langen Seiles um die 
druck des ,,forschen" jungen Herrn, mit der Arme geknüpft, "und diese beiden haben den 
frischen Narbe im Gesicht, mit feinen mit- kleineren Bruder, der unbefangen in para- 
gebrachten Sohlägern und riesigen Pfeifen diesischer Nacktheit dahinspringt, zwischen 
auf die verschiedenen Mitglieder seines sich genommen, um so als Dreifpann von 
Elternhauses ist gefällig und glaubhaft der großen wilden Schwester gelenkt und 
geschildert. Aber das anekdotische Jnter- im Trade hügelabwärts von ihr dahin- 
esse an der Seene liberwiegt hier getrieben zu werden. Der große gefleckte 
das rein künstlerische, welches durch Hund der Bande begleitet das imaginäre 
Farbe, Tonstimmung und Malerei er- Fuhrwerk und jagt l1ellend neben seiner 
weckt wird.  braunen Herrin über das staubige Erdreich 
Gleichzeitig mit diesem ,,Ein Wieder- dahin, dem trabenden Bubengespanne nach. 
sehen" erschien auf jener Ausstellung von Die Verschiedenheit in den Lausbewegungeu 
1884 das kleinere einsachere Bild: ,,Der jedes der drei und ihrer Lenkerin ist vor- 
Witwe Troft." In einem Stäbchen im züglich studiert und zur Darstellung ge- 
Stil von 1770, das mit wenigen hübschen bracht. Der nackte Knabenkörper des la- 
Rokokomöbeln ausgestattet ist und an dessen chend zwischen den Geschwistern bergab 
Wand mit der schlichten vertikal gestreiften hopsenden Kleinsten und die nackten ma- 
Tapete zwischen einigen kleinen schwarzen geren braunen Glieder der anderen lassen 
,,Schattenrissen" ein Porträt Friedrichs des die ganze Künftlerfreude daran, mit der sie 
Großen hängt, siHt nahe dem geöffneten gemalt sind, erkennen. In der Luft schwimmt 
kleinrautigen Fenster an einem Tischchen ein heißer Duft und verschleiert silbrig 
mit graziös geschweiften Beinen die junge das Blau des Himmels. Den bedürsnis- 
Witwe mit einer Näharbeit beschäftigt. losen Naturkindern ist diese schwiile HiHe 
Vor ihr steht das Körbchen mit den Garn- des Hochfommertages gerade recht, die sie 
rollen, ihr zu Füßen ein größerer Nähkorb. ihre Nacktheit und ihre lofe flatternden 
Sie wendet den feinen hübschen Kopf, dessen Lumpen doppelt schätzen und sie jeder 
Scheitel ein schmuckes weißes Häul:-then be- ganzen ,,anständigen" Kleidung vor- 
deckt, von der Arbeit aufblickend, zur rechten ziehen läßt. 
Schulter hin und sieht mit freundlich weh- Knaus" alte Liebe für das Zigeunervolk, 
mütigem Lächeln zu ihrem Knaben herüber, wenigstens als Bildgegenstand, war damals 
der sein Schaukelpferd tummelt, seinen- aufs neue erwacht. Auf dies ,,Zigeuner- 
kleinen Säbel schwingt und der Mutter zu- fuhrwerk" ließ er 1885-1886 das Bild 
zurufen scheint, daß sie sehen möge, wie er ,,Ein gehegte-Z Wild" folgen. Ein junges 
zu reiten verstünde. Bilderbuch, Armbrust Zigeunerweib, das mit seinem Säugling 
und Schiebkarren des kleinen Helden liegen an der Brust aus irgend einem Anlaß in 
auf dem Boden des Zimmers umher. Jn die Wälder geflohen ist und sich gesucht
        

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