Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Knaus
Person:
Pietsch, Ludwig Knaus, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-773098
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-773467
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sein. Der Maler der ,,goldenen Hochzeit" unbewassneten Augen den Anblick seines 
hatte sich eben damals mit einem geliebten Schahes da vor ihm bereits gleichsam ein- 
Mädchen aus seiner Vaterstadt verheiratet schlürfen. Die eigenste Persönlichkeit eines 
und genoß sein junges Eheglück in Paris Menschen kann durch die bildende Kunst 
während der legten Zeit seines dortigen nicht tiefer und feiner im Kern ihres Wesens 
Aufenthalts. erfaßt und geschildert werden, als es in 
 Ich erwähnte bereits kurz ein ebenfalls diesem Raven6bildnis durch Knaus geschehen 
dort (1856) gemaltes bewundernswertes ist. Rein als malerisches Kunstwerk betrachtet, 
Werk von Knaus, das Bildnis jenes Ver- bezeichnet es zugleich einen Höhepunkt seines 
liner Kunstfreundes, des Kommerzienrat Schaffens, über den er auch später in seinen 
-Raven6, den ich oben als Besiher der bei- bewundertsten Leistungen kaum hinausge- 
den Bilder, der ,,Kahenmutter" und der gangen ist.  Von zahlreichen anderen Bild- 
,,gefangenen Maus" nannte. Es gleicht nifsen, welche Knaus während seines Pariser 
gar nicht einem Porträt, zu dem der Dur- Aufenthalts gemalt hat, ist uns leider keins 
gestellte dem Maler gesessen, eine Stellung zu Gesicht gekommen. Auch nicht das des 
von diesem angewiesen erhalten hat. Man bekannten Kunsthistorikers und Berliner 
hat den Eindruck, als sei jener, ihm selbst Gemäldedirektors Dr. Wangen, welches der 
unbewußt, in einem besonders glücklichen Meister selbst für eins seiner besten und 
Moment und in einer Situation beobachtet dem des Kommerzienrats Raben-is durchaus 
und gemalt, wo sich seine beste geistige gleichwertiges hielt. 
Eigenheit in seinem Thun und in dem Damals zu Ende der fünfziger Jahre 
Ausdruck seines Gesichtes offenbart. Ra- hatte sich Knaus bereits entschlossen, Paris 
neue ist in ganzer, etwa ein Drittel lebens- wieder mit der Heimat zu vertauschen. Er 
großer Gestalt, im Genuß seiner intimsten mochte es selbst gefühlt haben, daß ein 
liebsten Geistesfreuden mit unvergleichlicher längeres Verweilen und Arbeiten dort in 
Feinheit, Liebenswürdigkeit und Lebens- der Fremde für sein serneres künstlerisches 
wahrheit dargestellt. Er siht im hellen Schaffen leicht verhängnisvoll werden könnte. 
Tageslicht in einem Zimmer, dessen Hinter- In der steten BenuHung und dem Studium 
grundwand mit einem Gobelin von tiefen, der ihm dort zur Verfügung stehenden gra- 
ruhigen Tönen bekleidet ist, an einem mit ziösen, mehr oder weniger eleganten Modelle 
einem schweren Orientteppich von rotem lief er Gefahr, auf seine deutschen Bäu- 
Grundton bedeckten kleinen Tisch, auf wel- erinncn und Dorfdirnen, mehr als es sich 
chem auf einer winzigen Staffelei, perspek- mit der Wahrheit verträgt, von diesem be- 
tivisch in das Bild hinein verschoben, das stechenden französischen Wesen zu übertragen. 
berühmte Meisterwerk Meissoniers ,,Der Le- Der unbefangene Beschauer der Taufe und 
ser" steht, das Raven6 eben damals in Paris der goldenen Hochzeit konnte sieh durch die 
für seine Galerie erworben hatte. Schon eminenten Eigenschaften dieser Gemälde 
hat er sich ganz in dessen Betrachtung ver- kaum darüber täuschen lassen, daß Knaus 
senkt und scheint mit innigem Vergnügen von dieser Gefahr bereits ernstlich bedroht 
zunächst den allgemeinen Eindruck dieser in sei. Manche Frauen- und Mädchengestalten 
jeder Hinsicht ,,kostbaren" Schöpfung des darauf, nicht nur die junge Wöchnerin allein, 
großen französischen Kleinmeisters in sich sind doch von gar zu zarter, vergeistigter, 
aufzunehmen, wie ein Gourmand den Dust schlankfingriger Schönheit. Zum Glück war 
einer Speise von kunstvollendcter Bereitung, die Natur des Künstlers auch in Paris ge- 
bevor er Gabel und Messer ergreift, oder fund und deutsch genug geblieben, um recht- 
ein echter Rheinweintrinker die Blume des zeitig zu erkennen, was er bedurfte, was 
edlen Traubenbluts in seinem Glase, ehe ihm gemäß und doch nicht hier, sondern 
er es an die Lippen seht. Der volle Ge- nur in der Heimat zu finden sei. Alle die 
naß steht ihm noch bevor. Ehren und Erfolge, die ihm in Paris zu 
Um -ihn sich zu verschaffen, muß der teil geworden waren und ihm den Ort, die 
hier Dargestellte erst seine Brille aufgeseht Menschen und das Leben unter ihnen im 
haben, deren Gläser er mit dem rotseidenen sreundlichsten Licht erscheinen lassen mußten 
Taschentuch sorgfältig, aber ungeduldig und  auch die erste Medaille hatte er erhalten 
ohne hinzubliiken, reinigt, während seine und zum Ritter der Ehrenlegion war er
        

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