Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Segantini
Person:
Montandon, Marcel
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-757051
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-758085
Durch Segantini ist die ideale Welt der Museen um einen neuen weiblichen Typus 
reicher geworden: sie ist Hirtin, Mutter, Engel, Genius, Erscheinung, alles zugleich. 
Von unregelmäßiger aber heute ebenso anerkannter Schönheit, wie die der Alten oder 
Japans, eines Botticelli, Filippo Lippi, Leonardo, Tizian, Raffael und Correggio, oder 
aller dieser vereinigt, verändert, erhöht und auch abgeschwächt durch Moreau, Rops, 
Böcklin, Rosetti, Burne:Jones und so vielen andern unserer Zeit. Genanntem Typus 
sind wir gar oft begegnet: eine einfache Magd; noch mehr, ein Weib, verschönt durch 
Ergebenheit; ein Geschöpf von lauter Güte und Selbstvergessen, ohne jegliche Pose und 
seiner Tugenden sich nie bewußt: so ist die treue Baba. Das Schaffen des Meisters 
bringt sie idealisiert auf die Leinwand, aber wenn von Zeit zu Zeit, an ganz besonders 
hohen Festen der Jnspiration, Segantinis Frau, eine lombardische Schönheit von 
seltenem Blond, das privilegierte Modell vertritt, dann vermengen sich die beiden Ge: 
Frühl 
Tings1veide. 
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stalten und die eine scheint die Gebärden der andern vollenden zu wollen; sie ergänzen 
sich so sehr, daß man selbst ihre Züge verwechseln kann. Die des geliebten Antlit;,es 
tragen oft etwas von dem Fremdartigen der Dienerin, und wenn er die typische Magd 
darstellt, vermag Segantini sich nicht ganz frei zu machen von dem idealeren seiner 
Lebensgefährtin, der würdigen Genossin seines Schaffens, seines Ruhmes und seines 
Leidens, der er das Glück und den Frieden seines Herzens, seiner Ehe, seine Vaters 
und Künftlerschaft verdankt.  
Und so geschieht es, daß dieser Doppeltypus, aber hauptsächlich der der Baba, einer 
einfachen Graubiindnerin, in die berühmte Gesellschaft einer Lucrezia Buti, Leonora 
von Este, Mona Lisa, der Fornarina, Saskia und Jfabella Brandt, einer Helene Fors 
mans und einer Prinzefsin Taxis als ebenbürtig aufgenommen ist; aber sie bleibt 
namenlos wie das Modell Botticellis, dem sie troH aller gegenteiligen Behauptungen 
wenig gleicht. 
Eines der berühmtesten Werke Segantinis ist der ,,Winterabend in Savognino0 
CAbb. 67J. Einsach und wahr, voll Noblesse, ist es ein so überaus glücklicher Wurf,
        

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