Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Segantini
Person:
Montandon, Marcel
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-757051
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-758041
warmen Jahreszeit übrig gelassen hat. Und so entstand auch hier das Bild ,,Am Spinns 
rockentt Call7Arco1aioJ CAbb. 62J, welches im VesiH des australifchen Nationalmuseums 
von Adelaide sich befindet. Es erinnert in der Stärke der Kontraste zwischen Licht und 
Schatten fast an Rembrandt, und troHdem ist kein Schatten scJwer, sondern voll von 
Reflexen und Atmosphäre; Schwarzen finden sich in den Werken Segantinis nicht mehr, 
seit er ein fertiger Mann und Künstler ist. Wie im Licht, so vibriert die Farbe auch 
in den Schattenpartien, nicht in der Art der Pointilliften, sondern durch die zahllosen 
unbestimmbaren Fäden feiner Webetechnik. Wir müssen gestehen, daß wir nichts taugi 
licher je gesehen haben zur täuschenden Wiedergabe eines Bodens, bestehend aus Häckfel 
und Schafmist, für Mauern, die nur roh beworfen, mit Spinnweben bedeckt und von 
Rauch und Kot geschwärzt find, oder für Gebälk, das ebenfalls die Farbe des Düngers 
angenommen hat.  
Max Buchon, der franzöfische Uberfetzer von Jeremias Gotthelf, hat irgendwo den 
Ausdruck ,,appetitlicher DüngerU angewendet: aber der goldigste unter allen kann nur 
einen schwachen Begriff von Farbe und Technik des großen Gemäldes: ,,Zwei Mütter0 
CAbb. 64J geben, das in der Wirkung des Dämmerlichtes etwas an ,,a117 Arco1ai0ss erinnert. 
Trog der schlimmen Ahnungen, welche Segantinis Aberglauben und Nervosität herauf; 
beschworen hatten, wurde es 1896 auf der Wiener Kunstausstellung mit der goldenen 
österreichischen Staatsmedaille ausgezeichnet. Wiederum macht dieses Werk den Eindruck 
eines FlacJreliefs, doch könnte man es wegen der pastosen Farbengebung mit mehr Recht 
ein Hochrelief nennen; und wiederum denken wir an die Madonna; die beiden Tiere 
wiederholen nur die Gruppe von Mutter und Kind, und mit verstärkter Rührung kons 
zentriert sich der Blick auf die Gestalt des über ihren schlafenden Säugling gebeugten 
Weibes. Im vollen Licht hat sie zuerst schon die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und 
verdoppelt erhält sie unsere Teilnahme noch einmal, wenn unser Auge die Kuh erblickt 
und zur Frau zurückkehrt. Und welch inniges Verständnis muß zwischen den beiden, 
durch gleiches Schicksal verbundenen Gruppen bestehen, von der einen zur andern über: 
strömend wie das rötlich goldene Licht, das sie beide umschimmert. Die Frau wollte 
Nachtwache halten beim Tier, das erst gekalbt hatte; aber nun die Wärterin eingeschlafen, 
wacht die Patientin bei ihr. Im ,,a117Arco1aioss hat Segantini uns zwei Einsame
        

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