Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Segantini
Person:
Montandon, Marcel
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-757051
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-757941
SchafstaII 
kommen. Und diese wunderbare Mache voll Frische und Aufrichtigkeit steht im Dienste 
eines strengen Formgefühls: sein Hochgebirge erscheint trog aller nebelfreien, unverhiillten 
Deutlichkeit und Gewalt dennoch in den riOtigen Distanzverhältnissen. Wie gesagt, dies 
selbe Luftperspektive, welche man bis dahin durch den mehr oder weniger darin schwebenden 
Dunst und die schwache Tönung der entfernten Gegenstände auszudrücken pflegte, hat 
Segantini durch seine geniale Technik ohne Farbeneinschränkung erreicht, und 
ohne ein einziges Mal die absolute Klarheit und Durchfichtigkeit einer Atmosphäre, die 
oft nicht vom leifesten Wölkchen getrübt ist, zu verleugnen. Und eine ehrliche dar; 
stellende Kunst hat die Pflicht: gerade dieses ,,oftU festzuhalten im Bilde, als die scharfe 
Unterscheidungscharakteristik des Hochgebirges von der Landschaft jeder anderen Region 
oder Zone. 
Den übermächtigen Einfluß, den diese großartige Natur auf das Leben ihrer Kinder 
aus der Menschen:, Tiers und Pflanzenwelt ausübt, den hat Segantini ehrfürchtig 
wiedergegeben  vielleicht sogar unbewußt demselben in eigener Person verfallen  
durch seine Art der Komposition. Die lebenden Gruppen variiert er in der phantafies 
vollsten Weise, er dichtet oft sogar den Mittelplan seiner Bilder, aber wie das uns 
wandelbare Fatum dieser Geschöpfe erhebt dahinter sich stets das gleiche wilde Chaos 
des Hochgebirges mit derselben bald hoheitsvollen, bald drohenden Macht. Nur niedriger 
drückt er es zusammen, um auch die schon beträchtliche Höhe des Vordergrundes zu 
betonen. Die gleichen Bergesarme umfangen in jedem Werke aus dieser Zeit das Hoch: 
plateau, Schauplatg, von Leben, Lieben und Sterben seiner Gestalten, bald als lange 
Kette steiler Felsenmassen den Hintergrund abschließend, bald als steinernes Meer von, 
zermalmender Gewalt über die ganze Fläche hingebreitet. 
Noch eine Feinheit der Segantinischen Muse: während gar viele Maler es vers 
suchten, dem Hochgebirge bald einen gewollt freudigen, bald gewitterschweren Anstrich zu 
geben und mit diesen Jnterpretationen nichts erreicht haben, als diese Gipfel entweder 
lächerlich oder kleinlich erscheinen zu lassen, hat Segantini diese Untugend nie geübt. 
Seine intime Kenntnis der Höhen hat ihm auch hierin den ersten Platz, unter den 
Darstellern des Gebirges gesichert. Er weiß, daß man diesen Herrschern keine Rolle 
aufnötigen kann, daß man sie ungeschminkt wiedergeben muß und sie nur in ganz
        

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