Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Segantini
Person:
Montandon, Marcel
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-757051
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-758450
der Elemente hier ausgedrückt hat. Wie hat er durch die ungeheure Fläche von Winter 
und Schnee und die in eine befcheidene Ecke des Bildes gedrängte menschliche Trauer, 
gefangen in dieser grausamen Sklaverei, diesen Kontrast betontI Und in der allgemeinen 
Anordnung, in der Symmetrie des Triptychon, bildet diese Leiche das Gegenftück zu 
dem zarten Säugling, welcher auf dem Schoß der Mutter im ersten Teil, ,,Dem Lebentt, 
den Eintritt in diese Welt symbolisiert. Wenn man diese beiden, Sarg und Kind, Ans 
fang und Ende, durch das Mittelglied der Hanptfigur aus dem zweiten Teil ,,Der 
Naturtt, durch die Frau mit dem Kalb und der Kuh verbunden denkt, so können wir 
uns vorstellen, daß eine einzige Gestalt in diesem großen Werke Geburt, Leben und 
Tod zu verkörpern berufen, und diese eine Gestalt wiederum jene Magd ist, deren Geis 
schichte einen ganzen Zyklus Segantinischer Werke füllt; hier findet sie in einer großen 
Sammelschöpfung ihren stilvollen Rahmen und ihren Abschluß. 
Die verschiedenen Versuche zur ornamental dekorativen Ausschmückung feiner Rahmen, 
welche Segantini, der sonst in allen seinen Werken einen unbewußten, hohen Stil, ges 
Leben: 
Werde1 
tragen durch seine eigenartige Technik, an den Tag legte und zu höchster dekorativer 
Wirkung in Komposition und Farbe gelangt war, macht, zeigen uns zu unserer Vers 
wunderung den großen Meister ungeschickt wie ein Kind, wenn er es unternimmt eine 
Blume, einen Zweig oder ein Tier stilisieren zu wollen. 
Die Umrahmungen des Triptychons mit Tannenzweigen und szapfen, zwischen 
welchen noch im mittleren Teile samenpickende Vögel angebracht sind, haben zwar einen 
gewissen Reiz von Ursprünglichkeit und Naivität, aber die Gesimse, Eckverzierungen und 
Windungen wirken so ärmlich, daß es bei der sonst so reichen Phantasie des Meisters 
geradezu unbegreiflich ist. Am schlimmsten ist ein Abschlußfries, der, obwohl auf dem 
Entwurf angegeben, glücklicherweise nicht zur Ausführung gekommen ist; die Welle von 
Gipfeln, zwischen Tannenzweigen und mit je zwei Gemsen auf einem Kamm, ist eine 
Kinderei, die an die Bazarschniyereien des Berner Oberlands erinnert, und deren 
rührende Naivität die Kritik einfach entwaffnet. 
Was dagegen die Bilder selbst betrifft, brennt Segantinis Flamme höher denn je; 
er schreibt:
        

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