Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Entdeckung des Volks der Zimmerleute
Person:
Weiss, Eugen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-752344
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3875141
Zimmerleut beim Auseinanderschneiden von einem Balken al-plagt 
haben, und immer die Sag so hin- und herzogen haben. Da hat er 
denkt, dem kann man abhelfen und hat über den Mittag die Sag aus- 
einanderghauen  
Oder: ,,Zwei Zimmerleut sind über den Mittag im Schatten glegen 
und haben gschIafen. Da hat der Hosnarr dem-einen mit dem Breitbeil 
den Kopf wegghauen nnd gsagt: ,Der wird schön gucken, wenn er 
aufwacht und hat keinen Kopf mehr? ,,Man sieht wie hier der Hofnarr 
nicht als verl7appter Weltweis er, sondern noch in der älteren Bedeutung 
des richtigen Narren aufgefaßt wird. 
Weitaus am meisten Teilnahme findet der Lügenbeutel, wenn er ein 
TeufelsstücEchen zum Besten gibt. Denn der Teufel ist, wie wir schon 
bemerken konnten, eine Hauptgestalt des Zimmerplat3es. und wird in 
allen Gangarten vor-geritten. Er ist immer der Damme, man stellt sich 
sozusagen mit ihm auf du und du und fürchtet ihn niemals. Das deuten 
schon die Redensarten an: ,,Jn der Höll kommt kein Zimmermann auf 
den Reißboden, da muß alles Gewölbe einschalen!" Und: ,,Einen Zim- 
mermann will der Teufel nicht in der Hölle, weil ihm einmal einer den 
Schwanz abgehauen hat." Besonders das erste Bild des das Höllen- 
gewölbe abstügenden, unentbehrlichen Zimmer-manns ist von eindrucks- 
voller Kühnheit.  
Eines dieser Teufelsstückchen, und zwar eines der einfacheren, wollen 
wir einmal zur Steigerung der Anschaulichkeit invollständiger Redeweise 
in dem gemäßigten Schwäbisch bringen, wie es vorgetragen wurde, 
und wie es in Stuttgart gesprochen wird. Der Lügenbeutel spricht: 
,,A Zemmerma hot amol en Werksatz ghet. No ist der Teufel komma, 
kohlpechrabaschwaarz wia a Kameefeger am SamstichObed, ond hotsi1b 
draufgsegt. Dazua hot er a Gsicht an den Zemmerma na gmacht, grad 
als wöllt ern fressa. Des hot den aber weiter net scheniert, ond er hot 
seelaruhig weitergschafft wia wenn nd: wär. Aber doist der TeufeIno bald 
frech worda, hot sich auf da Herra von dem Plag nausgspielt, ond den 
Meister rombugsiera wölla. -So lang bis des dem z domm worda ist! 
ond er noch der Art glangt hot. Aber so oft er au noch em ghaua hot, 
s hot kein Wert ghet, der Teufel ist flenker gwä wia er, ond emmer 
wieder wo anders gsessa mit seim zotticha Kuahschwanz. Ond d Zong 
hot er rausghängt, so lang wia met Arm do, ond fuierrot wia a siadichs 
Eise! ond hot den Zemmerma ausglacht, daß er sei eiges Holz ver-hatt! 
Do ist der no zletzta wild worda ond hot dem fchwaarza Spigbuaba 
eitles, was em grad onder d Händ komma ist an Ranza nagfd)missa: d 
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