Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hans von Bartels
Person:
Heyck, Eduard Bartels, Hans/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-747101
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3708425
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Ein großes Aquarellgemälde, das von der Neuen Pinakothek in München er- 
worben wurde, ist ein 1890 fertig gewordenes Ergebnis aus den Vlissinger Studien. 
Es stellt einen bei schwerer See aussahrenden Raddampfer dar und trägt (1890!) den 
zeitgeschichtlich geflügelten Titel, auf den es übrigens von einem Kollegen des Künstlers 
getauft worden war: ,,Volldampf voraus!" Schmutg,ig gelb vom aufgewühlten Grund- 
sande in der unmittelbaren Nähe der Küste tobt und brandet die Flut; der Gischt, 
dieses Konglomerat unzähliger Luftbläschen, treibt klickerig zerrissen unter der Epidermis 
des Elements umher oder fegt breit am Radkasten empor, welcher just in den steigen- 
den Schaumkamm hineingetrofsen hat; vom Winde mitgerissen stieben weiße Tropfen 
fpit;ig über die erregten Flächen dahin, und in das vom Wogengange verwüstete Kiel- 
wasser drückt der Wind, um das Wirrsal zu vollenden, den dicken rußigen Rauch 
hinein, der kompakt sich wälzend aus dem Schornstein brodelt; von den nassen Bord- 
planken gießen die Spülbäche der darüber gegangenen Brecher ins Meer zurück (Abb. 22). 
Kaum etwas ist so bezeichnend für unseren Künstler, wie jene spihen Deckweiß- 
tropsen des fliegenden Gischtes auf den lavierten Wellentalflächen. ,,Wie und womit 
es herauskommt, ist gleichgültig, daß es herauskommt, ist alles", ist eine der Regeln, 
die Bartels, seit sein entdeckensfrohes Temperament durch den Erfolg Zuversicht ge- 
wann, immer herzhafter für seinen Gebrauch aufgestellt und in deren Befolgung er 
immer keckere und vielseitigere Sicherheit gewonnen hat. Jedweder Pinsel vom ge- 
fÜgkge1t, präzisen Marderhaar bis zum groben Borstenwisch, zur Aushilfe Stiel und 
Palettenmesser, alles kann Dienste tun, man muß es nur richtig verstehen, und im 
Aquarell bildet der tüchtige Schwamm nur des Pinsels kräftigere Instanz. Er würde 
den Spritzenschlauch nehmen, vorausgeseHt, daß er damit eine bestimmte künstlerische 
AbskEht am wirksamsten durchzuführen überzeugt sein würde. So wird denn auch 
das unnachahmliche Fliegen jener Gifchttropfen am ehesten durch die Vorstellung er- 
klärlich, daß der mit vorsichtiger Quantität von Weiß gefüllte Pinsel zum sprühen-
        

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