Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Corot und Troyon
Person:
Gensel, Walther Corot, Jean-Baptiste-Camille Troyon, Constant
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-746080
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4116918
38 Caniil.le Corot. 
dem nicht den riihtigen Abstand nehmen kann. Hohe Bäume neigen ihr zitterndes 
Laubwerk zum Fluß hernieder, wo sich die heilige Handlung abfpielt. Eine Anzahl 
Leute aus dem Volke in halber Lebensgröße, darunter eine liebliche Mutter mit dem 
Kind auf dem Arm und ein kniender Mann, schauen halb"neugierig, halb ergriffen zu. 
Links gleitet der Blick in die Ferne zur heiligen Stadt. Uber den Wipfeln der Bäume 
erblickt man die herabschwebende Gestalt eines Engels. Der Gesamtton des Bildes ist 
warm und goldig, die Farben der Gewänder  grün, rot, goldbraun, blau  zeigen 
das Studium der großen Jtaliener. Ob Corot"das Bild auf Bestellung gemalt oder 
es der Kirche geschenkt hat, ist bisher nicht festgestellt worden. Auf dem gegenüber- 
hängenden Bild von Desgoffe: ,,Die Heilung der Blinden" erinnert der Hintergrund 
mit der Stadt Jerusalem so lebhaft an Corots italienische Landschaften, daß ein Kritiker 
meinte, es rühre von diesem selbst her und sei nur ,,weniger persönlich". Die vier 
Bilder in Ville d"Avray sind eigentliche Freskomalerei. Leider find sie sehr schlecht 
beleuchtet und obendrein so hoch angebracht, daß man sich eigentlich eine Leiter kommen 
lassen muß, um sie recht genießen zu können. So hält man "sich besser an die etwas 
kleineren, kurz vor seinem Tode gemalten Wiederholungen in Ol, die sich gegenwärtig 
bei Arnold G Tripp in Paris befinden. Allerdings sind hier die Farben weit tiefer 
und voller und insbesondere das Rot von einer Glut, wie wir es bei Corot sonst fast 
nie finden. Die dargestellten Szenen sind die Vertreibung aus dem Paradiese, die 
Taufe Christi, Christus in Gethsemane und die büßende Magdalena, also meist Szenen 
tiefsten Leides. Landschaftlich das schönste ist die Vertreibung, an Gewalt des Ausdrucks 
steht Gethsemane am höchsten. 
Bei den älteren Jtalienern war die Landschaft entweder eine angenehme Zutat, 
ein zweiter Schauplat;,, auf dem man vielleicht irgendeine Nebenhandlung sich abspielen 
ließ, oder aber ein raumbildender bezw. raumabschließender Faktor, schließlich ein groß- 
artiges Kompositionsmittel, das, die Linien der Handlung begleitend, ihren Ausdruck und 
Stimmungsgehalt steigerte. Bei den Venezianern gewann sie dann immer mehr eigene 
Bedeutung, bis sie zuleHt Selbstzweck wurde. Wohl gab es unter ihren Meistern stets 
Abb. 28. Abendl 
ichs Spiel 
1874- 
(ZU Seite 
        

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