Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Auguste Rodin
Person:
Grautoff, Otto Rodin, Auguste
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-740022
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-740902
und erzürnte Hände. Die ganze, so reiche Gesprächigkeit der Hände hat Rodin dargestellt. 
Die ersten Aktftudien Rodins zu den Bürgern von Calais kann man den beiden Aktfiguren 
Adam und Eva aus dem Relief des Jüngsten Gerichtes an der Fassade der Kathedrale 
zu Bourges vergleichen; der gleiche harte Reiz lebt in diesen Figuren. Aber was heißt das 
schließlich, wenn wir feststellen, daß Rodin auch aus der Gotik Anregungen schöpfte, 
auch aus der Gotik Entwicklungsmöglichkeiten auflas, die noch nicht ausgenuht warenP 
Es zeigt uns die weite Amplitüde feines Geistes; es zeigt uns seinen Suchersinn, seine 
Findergabe und gleichzeitig die synthetische Kraft seines Geistes. Man könnte schließlich 
noch viel mehr Vergleiche finden. Daumiers Name müßte vor allem genannt werden. 
Das alte erfchlaffte und vertrocknete Weib CAbb. 17J ,,celle qui fut ILIeauln1iereU könnte 
von Daumier fein; auch die weinende Frau CAbb. 18I. Nicht nur in der Auffassung, 
auch in der aufgewühlten Technik, hat Rodin viel von dem Zeichner und Bildhauer 
,ocl1ter 
Jkarus. 
Daumier übernommen und fortgesetzt. Rodin sollte den anderen, die nach ihm kommen, 
als Beispiel vorleuchten, wie ein ehrlicher Arbeiter arbeitet, wie ein ehrlicher Arbeiter 
sucht, findet und verwertet. Das harte Wort von der Diebesseele derjenigen, die an: 
knüpfend an eine Konvention der Vorzeit mittelmäßige Epigonenwerke fabrizieren, er: 
scheint nur in dem Munde einer so ehrlichen und geraden Natur wie Rodin gerecht. 
Ehrlichkeit und Gründlichkeit sind auch die Hauptmerkmale des Porträtisten Rodin. 
Aber es sind eine höhere Ehrlichkeit und eine tiefere Gründlichkeit als sie gemeinhin in der 
Porträtkunst geübt werden. Niemals hat Rodin die bescheidene und gewöhnliche Ge: 
schicklichkeit derjenigen geübt, die in der deskriptiven Wiedergabe der äußeren Züge des 
Menschen ihr leHtes Ziel sehen. Rodin vergißt niemals, daß jeder Mensch sein Schicksal 
im Gesicht trägt. Nicht nur die Gesten und Gebärden sind durch die ZusammenseHung 
der Psyche des Einzelwesens tief begründet; die ganze äußere Erscheinung des Menschen 
ist eine Interpretation seiner Jnnenwelt. Es gibt keinen Zufall. Es ist durchaus nicht 
Zufall, daß die Nase des einen gebogen, die des anderen gerade gewachsen ist; es ist
        

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