Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Thorwaldsen
Person:
Rosenberg, Adolf Thorvaldsen, Bertel
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-733064
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-733858
Th orwalds en. 
Bertel 
verläßt 
Vsytbes 
Lager. 
Wesen, daß er männliche Porträtfiguren in 
der Tracht ihrer Zeit nur unvollkommen, oft 
auch steif geistlos darstellte. Es gebrach ihm 
fast ganz und gar an historischem Sinn, weil 
er nur in der Welt der Antike zu leben ges 
lernt hatte. Nur Frauen gegenüber verlor er 
seine Befangenheit, wahrscheinlich, weil die 
damalige Frauentracht, die pseudoirömische 
Empiretracht, etwas vom griechisch:römischen 
Altertum hatte und dem Künstler gestattete, 
dabei an die Musen und Grazien, an die 
zahllosen Gewandfiguren zu denken, die er 
in den römischen Kunstsan1mlungen studiert 
und mit dem Auge in sein for1nenbildendes 
Gedächtnis aufgenommen hatte. Wie die 
Gestalt einer sinnenden Muse mutet uns auch 
die Porträtfigur der Fürstin Baryatinski an, 
die Thorwaldsen um 1818 modelliert hat. 
Trotzdem hat er in der Bildung des AntliHes 
 die Fürstin war von Geburt eine Engi 
länderin  das Charakteristische festgehalten 
CAbb. 50J. Das Bildwerk hatte übrigens 
ein Schicksal wie manche andere Schöpfungen 
des Meisters. Fürst Baryatinski hatte bei 
der Bestellung den dritten Teil des ausi 
bedungenen Preises, 3000 Scudi, vorauss 
bezahlt. Thorwaldsen ließ sich, wie immer, 
wenn er eine feste Bestellung in Händen 
hatte, Zeit, der Fürst starb, einige Jahre 
später auch die Fürstin, und schon war die 
Statue in den Besitz des Thorwaldsens 
museums gekommen, als sie der Sohn der 
Fürstin reklamierte. Das Museum wollte 
aber den kösilichen Schatz. nicht wieder 
herausgeben. Der junge Fürst erhielt die 
von feinem Vater geleistete Anzahlung zui 
riick und wurde dann noch durch eine 
Marmorkopie von Bissen entschädigt. Jn 
späteren Jahren hat Thorwaldsen nur noch 
einmal ein dieser Statue fast ebenbürtiges 
Frauenbildnis geschaffen, das der Gräfin 
Ostermann, die, auf einem Sche1nel von 
antiker Form fiyend, dargestellt ist CAbb. 51J. 
Es ist eine Frau in reiferen Jahren, und 
darum hat der Künstler ihr wohl auch die 
Haltung einer römischen Matrone gegeben. 
Auch hier klingt die Erinnerung an die An; 
tike deutlich hindurch: an die Porträtstatuen 
der römischen Kaiserinnen, von denen die der 
beiden Agrippinen die bekanntesten sind. 
Während aus der Werkstatt des Meisters 
Statuen und Reliefs hervorgingen, die die 
gemessene Ruhe der Antike widerspiegeln, 
tobte in seinem Herzen ein heftiger Sturm. 
Der kluge Däne war bald ein tüchtiger 
Geschäftsmann geworden; aber feine liebes 
durstige Seele gefiel sich gern in den ihm 
gebotenen Schmeicheleien, und er entging 
selten einem Fallstricke, den ihm schlaue 
Spekulanten in den Weg legten, namentlich, 
wenn es sich um schöne oder auch nur 
irgendwie interessante Frauen handelte. Zug 
dem hatte ihn das lange Leben in Rom 
erschlafft. Ost suchten ihn Fieberansälle
        

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