Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Holbein der Jüngere
Person:
Knackfuß, Hermann Holbein, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-731332
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-731576
der jüngere. 
Holbein 
Hans 
der Wand sieht man eine Thüröffnung, durch 
die Pilatus dem gräßlichen Schauspiel zusteht. 
Beweglichen Geistes vermochte Holbein, 
der hier mit so eindringlicher Vertiefung das 
herbste Leiden schilderte, sich ebenso ansdrucksi 
voll auf dem Gebiete lustigen Humors zu bei 
wegen. Davon gibt eine in der Stadtbiblioi 
thek zu Zürich aufbewahrte Arbeit die erste 
Probe, die in der ersten Hälfte des Jahres 
1515 entstanden sein muß, da der Besteller 
derselben, Hans Ver, im Sommer dieses 
Jahres als Fähnrich mit den Baseler Truppen 
ausrijckte und aus der zweitägigen blutigen 
Schlacht bei Marignano nicht heimkehrte. 
Es ist eine mit Verbildlichungen volkstümi 
licher Späße bemalte hölzerne Tischplatte. Die 
Hauptdarstellungen zeigen einen eingeschlafes 
schon als Bildnismaler auf. Das Museum 
zu Darmstadt bewahrt das halblebensgroße 
Brustbild eines jungen Mannes, welches 
mit dieser Jahreszahl und den Buchstaben 
H. H. bezeichnet ist. Der unbekam1te Jüngling 
ist in scharlachrotes Tuch gekleidet, eine 
Mühe aus demselben Stoff siHt aus seinem 
blonden Haar; den Hintergrund bildet ein 
lichtblauer Luftton. In einem kühnen Wags 
nis hat der junge Maler hier seine Farben; 
kunst auf die Probe gestellt; und es ist ihm 
wohl gelungen CAbb. 6J. 
Eine andere, ganz eigenartige Arbeit Hol: 
beins aus dem nämlichen Jahre lehrt uns 
ihn als einen Meister schnell fertiger Ersi 
sindung kennen. Das sind.seine Randzeichs 
nungen zu dem ,,Lob der Narrheittt des 
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Skhlußbild zu Erasmus7 ,,Lob der Narrheits. 4Die Narrheit steigt vom Kathcder hevunter.J 
Federzeichnung in dem Handexemplar des Erasmus, im Museum zu Basel. 
nen Händler, dessen Kram von Affen ge: 
plündert wird, und den ,,Niemand,t der an 
allem, was irgendwo Verkehrtes angerichtet 
worden ist, schuld sein soll und der sich doch 
nicht verteidigen kann. Um diese Hauptbilder 
zieht sich ein Rahmen, in dem allerlei Kurzi 
weil dargestellt ist: Kampfspiele, Jagden, 
Fischfang, Bad, Schmauserei und Mädchens 
fang. Dazu sind verschiedene kleine Dinge, 
ein Brief, eine Brille, Schreibgeräte und 
dergleichen, so aus den Tisch gemalt, als 
ob sie wirklich dort lägen. Diese Zug 
thaten bezwecken den Scherz der Augeni 
tiiuschung durch die Körperhastigkeit der 
Malerei. Noch im XV11. Jahrhundert war 
diese Tischplatte ein weit berühmtes Werk; 
später in Vergessenheit geraten, wurde sie 
erst im Jahre 1871 wieder entdeckt, leider 
in schwer beschädigtem Zustand. 
Im Jahre 1515 trat Holbein auch 
Erasmus von Rotterdam. Erasmus war 
im Jahr 1513 zum erstenmal nach Basel 
gekommen, um mit dem berühmten Buch: 
drucker Johannes Froben über die Veröffents 
lichung seiner Sammlung von Sprichwörtern 
und seiner Ausgabe des Neuen Testa1nents 
zu verhandeln. Seitdem verweilte der hoch 
geseierte Gelehrte alljährlich längere Zeit in 
Basel. Bei Frol1en erschien auch im Jahre 
1514 das in lateinischer Sprache, aber in 
volkstümlichem Sinne geschriebene scharf satis 
rische Buch ,,FJncomi0n moriasIiCLob der Narr: 
heitJ. In einem Exemplare dieses Buches, 
welches für den eigenen Gebrauch des Vers 
fassers bestim1nt war, zeichnete Holbein auf die 
etwa fünf Centimeter breiten Ränder 82 Bilds 
then. Er führte diese Arbeit, wie in einem 
auf dem Titelblatt eingetragenen Vermerk 
bekundet wird, in der Zeit von zehn Tagen 
aus, damit Erasmus sich daran ergöHe. Aus
        

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