Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Reinhold Begas
Person:
Meyer, Alfred Gotthold Begas, Reinhold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729837
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-730781
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Reinhold Begas. 
Es muß sogar vieles Nebensächliche weg- Licht; den Formen kann man eine gewisse 
fallen, damit der Beschauer nicht von der Härte nicht absprechen. Es ist, als sei in 
Hauptsache abgelenktwerde."-Doch sicher- ihnen das Leben in einem ihm fremden 
lich eine Absage an den ,,reflexionslosen Element erstarrt. So kommt ein abstrakter 
Naturalismus!"  Zug hinein: Rauch bleibt auch hier der 
Und eine solche hat er in seinem Lebens- Meister der glatten Wangen. 
merk selbst noch genialer, als bei den bis- Begas aber ist, wenn auf irgend einem 
her geschilderten inhaltlich ,,idealen" Stoffen, Gebiet seines Schaffens, so in seinen Por- 
gerade aus dem Gebiet bethätigt, welches trätbiisten, ein Feind jeder konventionellen 
der realistischen nnd natnralistischen Auf- Glätte. Man könnte ihn den Lenbach der 
fassung am weitesten Vorschub leistet: bei deutschen Plastik nennen. Und auf diesen 
seinen Porträtbüsten. Hinterließe Begas Namen hat er auch anders begründeten An- 
nichts anderes, als diese: er bliebe gleich- spruch. Wie die Gemälde Lenbachs, so 
wohl in der Geschichte der deutschen Plastik bieten auch die Porträtbüsten von Begas 
der Gegenwart eine Hauptgestalt. Schon ein Stück deutscher Gesd)ichte. Die Reihe 
unter sei11en Jugeudarbeiten zeugen die seiner Meisterwerke unter den Biisten er- 
beiden Biisten des Professors Boetkh und öffnen diejenigen von Adolf Menzel und 
besonders des Generals von Peucker für von Moltke, welche, mit der später ent- 
seine Begabung als Portriitist. In seinem standenen Bismarckbiiste, der Berliner Na- 
Schiller zeigt sich dieselbe minder glücklich, tionalgalerie angehören. Nie zuvor hatte 
dagegen ist an der Statne Alexanders von Begas so rückhaltlose Anerkennung gefunden, 
Humboldt der Kopf weitaus das Beste. wie 1877, als er sein Menzelporträt a1cs- 
Dieses bartlose, breite Haupt mit seinem stellte (s. Abb. 60). Da mußten selbst seine 
vom Alter ausgemeißelten und doc) noch persönlichen und principiellen Gegner sich 
so kräftigen Formen, mit seine1n bei aller ihm beugen. Allerdings zählt Menzel zu 
Ruhe so ausdrucksvollen Blick und der den präguantesteu Persönlichkeiten unseres 
mächtigen Stirn, zieht den Beschauer immer Jahrhunderts. Sein Kopf fordert die pla- 
von neuem in seinen Bann, so unwider- stische Wiedergabe geradezu heraus. Die 
stehlich, daß man schließlich die in ihrer Natur selbst scheint hier in ihrem ,,Stil" 
zusammengesunkeneuHaltung minderfesselnde als plastische Bildnerin. Begas aber hat 
übrige Gestalt wenig beachtet. Die Macht ihr nachgeschaffen. Man muß schon bis zu 
wissenschaftlichen Denkens scheint in diesem den Büsten eines Donatello zurückgehen, 
Porträtkops allgemeingültig verkörpert. Und um eine ähnliche monnmentale Wiedergabe 
dabei hat hier die Marmorfläche gleichsam der Natur zu finden, wie in den M1md- 
persönliches Leben gewonnen. Wie sie sich und Augenpartien und in dem Schädel 
auch abseits der großen Hauptpartien zu dieses Kopfes. Der Blick ist von erstaun- 
malerischem Licht- und Schattenspiel hebt licher Energie und Wahrheit. Der leicht 
und senkt, wie da gewissermaßen die Textnr getönte carrarische Marmor mit seinem bald 
der Haut in den Stein übertragen ist, matten, bald spiegelndem Korn scheint hier 
ohne doch als Erzeugnis eines kleinlichen thatsäGlich vom Blute durchpulst, und doch 
Naturalismus zu wirken  das ist eine erhebt sich dieses ,,natnralistische" Bildnis 
Meisterleistung. Dieselbe gehört einer ganz zu einem kunstgeschichtlichen Dokument. Man 
anderen Kunstwelt an, als die Köpfe der könnte aus ihm die Eigenart Menzelscher 
Porträtstatuen Rauchs, und trägt im Hin- Kunst unschwercherauslesen. An die Büsteu 
blick auf diese in der That einen naturali- der italienischen Renaissance, die meist ohne 
stischeu Charakter, aber sie ist ihnen trotz- Sockel auf dem geraden Sims, etwa eines 
dem an monumentaler Größe ebenbürtig. Kamins, aufgestellt wurden, gemahnt dieses 
Rauch hat 1851 eine vortreffliche Bi"cste Werk auch schon ganz äußerlich, durch deu- 
Alexanders von Humboldt gearbeitet. Neben geradlinigen Abschnitt, der erst unterhalb 
dem Kopf der Begasschen Statue erscheint des Ellenbogens durch die ganze Figur 
dieselbe etwa wie ein Kupferstich neben einer geht, also noch mehr, als ein Brus1bild 
Radierung. Jedoch wie ein Stich in Linien- gibt, und dabei auch die linke, in ungcmein 
manier, wie, ein Kartonstich! Es fehlen charakteristifcher Weise bewegte Hand mit- 
die seinen Ubergänge von Schatten und darstellt. Dabei ist die Marmorausführung
        

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