Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Terborch und Jan Steen
Person:
Rosenberg, Adolf Borch, Gerard/ter Steen, Jan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-729823
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-3826244
Terborch. 
Gerard 
ten Bildnisse rühren nicht von Terborch her, 
sondern sind zum größten Teile von dem 
Maler J. B. Floris ausgeführt, der, wie 
ans den städtischen Archiven hervorgeht, 
zehn Thaler für das Stück erhielt. Gleich: 
wohl muß auch Terborch noch mehr Einzel: 
bildnisse 11nd Bildnisstndien gemalt und 
gezeichnet haben, als wir bereits kennen, 
da sein Hauptwerk aus dieser Zeit, eines 
der Meisterwerke seines Lebens nnd der 
Malerei iiberhaupt, eine Vereinigung Von 
sechzig Bildnisfigureu darstellt. Es ist das 
berühmte, unter dem Namen ,,Friedensschluß 
zu Münstertt bekan11te Bild, das aber nicht 
diesen selbst, der am 24. Oktober 1648 
unterzeichnet wurde, sondern die Ratisikation 
eines am 30. Januar 1648 geschlossenen 
Separatsriedens zwischen Spanien und Hol: 
la11d darstellt, der am 15. Mai von den 
beiderseitige1I Delegierten beschworen wurde, 
nachdem die Protokollführer beider Parteien 
die Ratifikationsnrknnde verlese11 hatten. 
Diesen feierlichen Moment, durch den die 
Unabhängigkeit der Vereinigten Provinzen 
besiegelt wurde, hat Terborch auf seine1n 
Gemälde CAbb. 7s wiedergegeben. Er hat 
es nicht aus Bestellung gemalt, nnd er ist 
diese ,,oollendetste Srhöpfnng der Klein: 
malerei,tt ein ,,unübertrosfenes Meisterwerk 
der Bildnismalerei im kleinsten Ranme,tt 
wie Bode das Bild treffe11d nennt, sein 
Lebenlang nicht losgeworden, obwohl er 
nur 6W0 Gulden dafür forderte. Noch 
im Jahre 1721 befand es sich in Deventer 
bei einem seiner Verwandten. Später ge: 
langte es in den Besitz dessFürsten von 
Talleyrand, dann in den der Herzogin von 
Berry, und von ihr kam es für 45 000 Franes 
in die Galerie Demidofs, bei deren Ver: 
steigernng es der Marquis von Hertford 
für 220 000 Franks er1varb. Dessen Sohn, 
Sir Richard Wallace, machte es der Lon: 
doner Nationalgalerie zum Geschenk. 
Trotz, dieser mannigfaltigen Schicksale 
ist das auf Kupfer gemalte Bild, das trotz, 
der großen Zahl der daraus dargestellten 
Figuren nur 1 Fuß 51X.z Zoll englisch in 
der Höhe 11nd 1 Fuß 101,t9 Zoll in der 
Breite mißt, tadellos erhalten. ,,Trefsende, 
selbst großartige Charakteristik im kleinsten 
Ranme,tt so faßt Bode die Vorzüge dieser 
Schöpfung zusammen, ,,meisterhafte Anord: 
nnng trotz möglichster Treue in den male: 
rischen Motiven, reiche nnd doch tiefe nnd 
harmonische, warme Färbung bei ansge: 
bildetem Helldunkel, leichte und für den 
Umfang selbst breite Behandlung vereinigen 
sich zu seinem Meisterwerke, dessen Reiz 
durch das Alter nur gewonnen hat. H Es ist 
selbstverständlich, daß Terborch, der damals 
31 Jahre alt war, bis zur Erreichung eines 
so hohen Zieles viel mehr geschaffen haben 
muß, als bis jetzt von ihm aufgefunden 
worden ist. Abgesehen von Soldateubildern, 
von denen uns einige, wie z. B. ein dra: 
matisch höchst bewegter Wirtshausstreit 
beim Kartenspiele, eine ganz in der Art 
Bronwers gehaltene Komposition von drei 
Figuren, nur durch Stiche bekannt sind, scheint 
er während der Jahre seiner Wanderschaft 
durch Deutschland, Jtalien und Frankreich 
besonders Bildnisse gemalt zu haben, von 
denen bis jetzt aber keine Spur entdeckt 
worden ist. Mit Ausnahme der bereits 
genannten Bildnisse gehören alle übrigen, 
die wir kennen, seiner späteren Zeit an. 
Nur aus jahrelanger Ubnng vermögen wir 
die Meisterschaft zu erklären, die er nicht 
nur in seinem Friedeusbilde, sondern auch 
in seinen in Münster ge1nalten Einzelbild: 
11issen entfaltet. Von den zahlreichen Fi: 
guren des ersteren ist kaum eine einzige 
nebensächlich oder su1nmarisch behandelt. Jede 
lebt sozusagen ihr eigenes Leben, 1Ind diese 
Jntimität der Charakteristik gibt der an 
und für sich langweiligen Staatsaktion eine 
Anziehungskraft, die i1nmer von neuem 
zum Studium der Physiognomien reizt, die 
übrigens keineswegs die Gefühle erkennen 
lassen, die die Verteter der beiden Nationen 
beherrschen, die jahrzehntelang blutig mit: 
einander gerungen hatten. Nur wenn man 
sehr scharf zuschant, bemerkt man, wie Emil 
Michel, der geistvolle französische Biograph 
Terborchs, mit richtigeIn Blick heransgelesen 
hat, hier u11d da den Ausdruck einer Spur 
von Bitterkeit in den stolzen Gesichtern der 
Spanier und bei den Hollcindern den leisen 
Ausdruck voller Befriedigung. 
Es ist nicht das einzige sigurenreiche 
Bild, das Terborch in Münster gemalt hat. 
Das Lonvre zu Paris besitzt eine nicht 
minder geiftreich aufgefaßte und dnrchge: 
führte Skizze, die eine Versammlung von 
Geistlichen in schwarzen nnd weißen Ge: 
wandern in einem weiten, kahlen Saale 
darstellt, anscheinend eine Sondersitgnng der 
geistlichen Mitglieder des Kongresses, die
        

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