Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ludwig Richter
Person:
Mohn, Victor Paul Richter, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-719767
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-720680
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Ludwig Richter. 
uns ein schwermütiger Ton aus diesen Bil- Handzeichnungen, so weit sie uns zu- 
dern entgegen; innere Anfechtung wechselt gänglich waren, bringen. 
mit gläubigster Christenhoffnung. Die  und mein Haus wollen dem 
Liedertexte wählte er selbst; sie sind von Herrn dienen" (Abb. 110) und eine 
einer tiefen, glaubensfreudigen Stimmung Zeichnung zu dem herrlichen Liede Paul 
durchdrungen, dem Maler merkt man Flemmings ,,Ein getreues Herz zu 
aber seine Seelenstimmung an: ,,Es wissen, hat des höchsten Schatzes Preis." 
fehlt mir immer etwas, und ich sehe Diese Abbildung ist nach einer späten 
mich manchmal um, als müßte es von Wiederholung aus ,,Altes und Neues" 
außen kommen, was die schmerzhafte (Abb. 11l). Weiter folgt das Vildchen 
Lücke im Herzen gemacht hat, und sie die singenden Engel, zu dem schönen Lied 
wieder heilen; aber dann besinne ich mich, von Matthias Claudius ,,Der Mond ist 
und der Loschwit5er Kirchhof und der aufgegangen." (Abb. 112). Zu diesem 
noch kahle Sandhügel steht mir vor Buche ,,Ehristenfreude" zeichnete auch 
Augen. Und da heißt es ,,Glauben". Ju"l. Schnorr von Karolsfeld die schöne 
Sichtbar ist der Tod, unsichtbar das Leben Komposition für das Lied ,,Jerusalem, 
geworden", so schreibt er am 4. Novem- du hochgebaute Stadt!" Unser Meister 
ber, an welchem Tage vor fiebenund- erzählte oft und gern, wie Schnorr in 
zwanzig Jahren er seine Auguste zum Rom in der Kapelle der preußischen 
Altar führte. Diese Niederschrift kenn- Gesandtschast im Palazzo Caffarelli auf 
zeichnet die Stimmung seiner nieder- dem Kapitol, der einzigen protestantischen 
gedrückten Seele. Sich selbst zeichnet er Kirche damals bis zum Jahre 1870 in 
in dem Bildchen zu dem melancholischen Rom, mit anderen jungen Künstlern als 
Herbstlied von Heinrich Albert: Kirchensänger bei den Gottesdiensten 
,,Der rau e erbt kommt wieder: m.itgewiFkt" Find wie Schnorr gerade 
JeHt skkmE1- Z, nizkne Lieder dieses Lied mit so ergre1fender Jnn1gkeit 
In ihren Trauerton, und warm berührender Gläubigke1t ge- 
   
Der Me""h muß endlich Hat davo""" großes Olgemälde; es war sein Schwanen- 
Auf dem kleinen Friedhof siht der Meister gesang. Die schwungvolle Komposition 
am Grabhügel seiner Frau, tief gebeugt, wirkte auch in diesem großen Bilde, aber, 
in sinnender Betrachtung. Der Wind die Schaffens- und Gestaltungskraft war. 
weht die legten Blätter von den Bäumen, gebrochen. Jeder, der von dem damals 
am Himmel steht die dünne Sichel des jugendlichen Kirchensänger gehört, mußte 
zunehmenden Mondes, ein langer Zug beim Betrachten dieses Bildes  es war 
vonWandervögelnstrebtnach demSüden, wohl 1871 in Dresden i1i der Aus- 
Herbstzeitlosen sprossen im Grase. Wie stellung aufgestellt  wehmütig berührt 
ist das kleine Blättchen so gedankenan- werden. Es steht nicht vereinzelt da, 
regend, wie schlicht und einfach ist es daß Fäden aus früher Jugend durch 
gezeichnet und wie ergreift es uns inner- eine ganze Künstlerlaufbahn hindurch sich 
lichst, nicht rauh oder hart; es ist der fortspinnen, und bei.einem zufälligen 
poetische Hauch des deutschen Volksliedes, Anlaß vielleicht tritt in späten Jahren 
der uns in Richters Werken immer und plöZlich ein fertiges Kunstwerk zu Tage. 
immer wieder so wohlthuend berührt. So war es bei Schwind, der schon in 
Voll tiefer Jnnigkeit und edler Anmut seiner Wiener Zeit in jugendlichste1n 
sind auch die übrigen Zeichnungen, von Alter sich mit Entwürfen zur Melusine 
denen wir- einige in Nachbildungen nach herumtrug, und erst nach bald 50 Jahren
        

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