Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rubens
Person:
Knackfuß, Hermann Rubens, Peter Paul
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-718254
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-719582
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Turm in der Mitte derselben; ringsherum Formen der landschaftlichen Natur ein be- 
zieht sich ein Teich, an welchen sich der redtes Ausdrucksmittel gesucht und gefunden; 
Okonomiehof mit seinen besonderen Pächter- häufiger noch  und besonders in den 
wohnungeu, Scheunen, verschiedenen Stal- Landschaften seiner letzten Zeit  läßt er 
lungen und allem Dazugehörigen anschließt. in diesen Schöpfungen eine Stimmung fried- 
Alles zusammen 4 Tagwerk und 50 Ruteu licher Ruhe walten. Zu Rubens" prächtigsten 
innerhalb seines Wassergrabens. Ferner landschaftlichen Erfindungen gehört das groß- 
Pflauzungen, verschiedene Alleen und Parke, artige Waldesdickicht, in dem eine wild- 
wohlbesetz-t.sowohl mit schönen, großen jun- bewegte Eberjagd ihr Ende erreicht, in der 
gen Eichen als a11derem." Dazu gehörte Dresdener Galerie (Abb. 90). Eine mt)tho- 
noch ein ausgedehnter Grundbesitz an Acker- logische Jagd, diejenige des Meleager, bildet 
land, Wiesen und Wald; auch Gerechtsame die Staffage eines Urwaldbildes im Museum 
von Zins und Lehen waren damit verbunden. zu Madrid. Uuiibertroffen in der Wieder- 
Rubens verwandelte den alten HerrensiH, gabe wilden Lebens in der Natur ist ein 
den er durch Aukauf der angrenzenden kleinen Bild im Wiener Hofmuseum, welches den 
Herrschaft Attenvoorde noch vergrößerte, mit Hereinbruch der großen Flut darstellt, die 
nicht unerl)eblichem Aufwand in einen be- Jupiter als Strafe über die ungastliche Erde 
haglichen Sommeraufenthalt. Das Schloß verhängt hat. Das Abziehen des Sturmes 
steht noch, gewährt aber nur noch eine un- an felsiger Meereskiiste schildert ein kost- 
vollkommene Vorstellung von seinem dama- bares Bild im Pitti-Palast zu Florenz: 
ligen Zustande. Odysseus auf der Phäakeninsel. Das letzt- 
Eine Abbildung des Schlosses Steen genannte Gemälde wird der früheren Zeit 
und seiner Umgebung, allerdings in etwas des Meisters zugeschriebeu. Ein nicht minder 
freierAuffassu11g, zeigt uns auchdas-schöne Ge- hervor-ragendes Gemälde in der nämlichen 
1nälde im WienerHofmuseum, welches nach der Florentiner Sammlung muß man dagegen 
Staffage, die den Vordergrund belebt- eine wohl in seine legten Jahre verlegen; es 
Anzahl junger Herren und Damen in reicher zeigt Bauersleute, die von der Erntearbeit 
vornehmer Kleidung unterhalten sich mit heimkehren, die Stimmung ist die eines 
einem munteren Gesellschafts-7spiel  den milden Sotnmerabeuds, die Landschaft ist 
Namen ,,das ländliche Fest" führt. Rubens echt niederländisch nnd eine in der Ferne 
verbrachte nunmehr regelmäßig die schöne sichtbare Stadt ist unverkennbar Mecheln. 
Jahreszeit auf dieser Besitzung. Gute Nach- Die ebene Flur von Laeken ist der Gegen- 
barschaft konnte er pflegen mit einem Kunst- stand eines berüh1uten Gen1äldes in der 
genossen; denn kaum eine Stunde von Steen Sammlung der Königin von England im 
entfernt lag der Hof Dry Toren (Drei Buckingha111-Palast. Unter den verschiedenen 
Türme), welchen David Teniers der Jüngere Stimmungen der Natur hat vielleicht keine 
im Sommer bewohnte. Daß in der That Rubens so häufig zu Nachbildungen ange- 
freundschaftliche Beziehungen zwischen dem regt, wie diejenige, wenn das Licht über die 
Meister und seinem früh zu Ruhm und Wetterwolken die Oberhand gewinnt und 
Ansehen gelangten Nachbar bestanden, wird der Regenbogen sich am Himmel ausspannt. 
durch den Umstand bestätigt, daß Teniers Die Münchener Pinakothek besiHt ein herr- 
im Jahre 1637 Rubens7 Mündel, Anna liches Werk dieser Art. Wir blicken in eine 
Breughel, die Tochter von dessen Jugend- weite Ebene, in der goldene Saaten mit 
freund Jan Breughel, heiratete.  grünen Wiesen wechseln; der Saum eines 
Der Aufenthalt auf dem Landsit;e mochte Waldes und einzelne Baumgruppen fangen 
wohl dazu beitragen, daß Rubens sich jetzt mit den Wipfelu die glühenden Strahlen 
mit besonderer Vorliebe mit der Landschafts- der Sonne auf, daß sie in scharfem Licht 
malerei beschäftigte. Von etwa fünfzig Land- sich von den abziehenden Wetterwolken ab- 
schaften, welche er gemalt hat, scheint die heben; Landleute mit Kühen und Karren 
bei weitem größere Mehrzahl auf die Zeit beleben den Weg, der sich an einem Bache 
von 1635 an zu entfallen. Jedes Rubens- entlang zieht, wo schnatternde Euten sich 
sehe Landschaftsbild ist ein Meisterwerk in tummeln; die ganze Natur zeigt die üppige 
Anordnung und Farbe. Häufig hat die ge- Vollkraft des Hochsommers, die warme Som- 
waltige Kraft seiner Erfindungsgabe in den mersonne durchleuchtet die-feuchte Luft, und
        

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