Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schinkel
Person:
Ziller, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-706091
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-706417
Friedrich 
Schinkel 
blicke ins weite Meer, an dessen Küste vor 
mir der Vesuv den Feuerschlund erhebt, 
indessen die Orte Portici, Resina, Torre 
del Greco, weißen Pünktchen gleich, harmi 
los ihm zu Füßen liegen. Die lange, 
hochgetürmte Küste von Sorrento zieht sich 
hinter ihm in den Horizont des Meeres, aus 
dessen Mitte kühn die Felseninsel Capri 
steigt. Rechts lehnt sich am Vorgebirge 
des Posilippo die Stadt und streckt einen 
Damm und ein Kastell ins Meer. So 
mißlich es wegen der politischen Verhälti 
Ausführung verderben. Vorurteile, falsche 
Einbildungen und falsche Behandlung des 
Volkes  das ist das Schicksal vieler 
Reisenden, und ich weiß an mir selber, 
wie weh es thut, auch nur einen Augen: 
blick in diesem Abschnitt des Lebens des 
vollen Genusses zu entbehren. Fast alles 
das, wovon die ganze Welt erfüllt ist, was 
Jeder zu nennen weiß, wird Ihre Erwari 
tung häufig täuschen, vielleicht weil Ihre 
Phantasie, zu hoch gespannt, zu kühne 
Bilder schaffte; dann aber treffen Sie wieder 
Theaterdekoration: Der Brand von Moskau 
CSepiaJ 
nisse mit der Reise nach Sicilien steht, 
so habe ich doch die Hoffnung nicht aufs 
gegeben. Noch träume ich weiter hinaus; 
aber ist auch dies geschehen, und der Weg 
geht flüchtig zurück durch Capuas Fluren, 
und wird endlich auch Rom das letzte 
Lebewohl gesagt, dann   II Doch ich 
verscheuchte die Gedanken der Zukunft, das 
mit das Glück der Gegenwart walte      
Jch beneide Sie nicht wenig um das 
Glück Jhrer italienischen Reise. Der ganze 
Himmel, den ich bald schon ausgenossen, 
liegt noch vor Ihnen und der Hoffnung 
süße Träume erfüllen Sie. Doch einen 
gewissen Teil der Freude kann leicht die 
auf Dinge, die, Jhnen vorher unbekannt, 
selbst den kiinsten Schwung der Phantasie 
iiberslügeln, und diese sind es, die Sie am 
meisten reizen werden. Mit jedem Teil 
der Zeit, die wir dem schönen Lande widi 
men, wächst der Genuß, und jeder Schritt, 
den wir weiter nach Süden thun, vermehrt 
den Reiz, und wenn man dann gar das 
Land, das allein nur Italien heißen 
sollte, Neapel und Sieilien betritt, dann 
erbleicht die Phantasie, und üppig schwelgt 
die Seele im mächtigen Andrang der vielen 
Wunder.U 
Sehr charakteristisch für den jungen 
Schinkel ist auch ein Brief vo1n Z. Mai
        

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