Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Schinkel
Person:
Ziller, Hermann
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-706091
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-706313
Ablv. 3. 
it Abendgewö1 
5ouacheI 
Dinge,nso frei und fern von jeder jagend: 
lichen Uberspanntheit, falscher Sentimens 
talität und eitlem Vorwit;, so kerngesund, 
zielbewußt, mannhaft und charaktervoll durch 
alle Hindernisse sich durchkämpfend zeigen.H 
Einige Citate aus diesen Schriften weri 
den dem Leser einen Begriff geben von der 
seltenen Reife des jugendlichen Künstlers 
und seiner außerordentlichen Begabung für 
Schilderung landschaftlicher Reize. Der erste 
Brief aus Triest hat folgenden Wortlaut: 
,,Der Eintritt in Italiens schöne Gei 
filde kann dem Deutschen nicht frappanter 
sein als bei Trieft. Auf einem Wege von 
zwölf bis vierzehn Stunden wechselt plöHi 
lich Klima, Gegend, Bauart, Sprache und 
Charakter der Nation. Die Gebirge von 
Steiermark und Krain, welche man auf dem 
Wege von Wien durchstreift, bieten ab; 
wechselnd große, rauhe und angenehme 
Scenen. Dichte Tannenwälder, dunkle, enge 
Flußthäler und die Rauheit des Klimas, 
erzeugt durch die Höhe der Gegend, charaki 
terisieren das deutsche Land. Vierzehn Stuns 
den vor Triest steigt man aus dem letzten 
Thale deutschen Charakters beim Städtchen 
Planina in die Höhe und bleibt bis Triest 
auf der Oberfläche des Gebirges, das gleichi 
sam den Damm des Meeres ausmacht. Nichts 
Wüsteres ist denkbar, als der Anblick dieser 
Gegend, welche von den schrecklichsten Revos 
lutionen der Erde zerrüttet scheint. Ein 
Thonschiefer, mit weißem Marmor gemischt, 
streckt seine verwitterten, nackten Spitzen auf 
einer Fläche von fünf bis sechs Quadrats 
meilen aller Orten hervor; 1neilenweite Fels 
der sind mit Felsblöcken bedeckt und lassen 
nicht eine Handbreit ebenen Boden erblicken. 
Die weiße Farbe, welche die ganze Gegend 
an sich trägt, giebt ihr das Ansehen von 
einer Schnees oder Gletscherregion.    
Die Sonne neigte sich stark dem Unters 
gange zu, als ich mich dem Abhang des 
Gebirges näherte. Jch hatte bisher keine 
Begriffe von dem Eindruck einer solchen 
Naturscene. Aus dieser Steinwüste blickte 
ich plöHlich in die weite Fläche des Adrias 
tischen Meeres, das viele tausend Fuß unter 
mir die steilen Vorgebirge mit seinen im 
Abendgold glänzenden Fluten umzog. Weins 
berge legten sich an das Gebirge den Abs 
hang hinunter; viele hundert Landhäuser mit 
schön berankten Lauben prangten aus ihrem 
Grün oder versteckten sich in den Thalern. 
Ganz in der Tiefe breitet sich Triest auf 
einer schmalen Landzunge aus und streckt 
kühn einen ausgeschwungenen Damm mit 
einem Fort in das Meer, der den Hafen
        

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