Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Veronese
Person:
Meissner, Franz Hermann Veronese, Paolo
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-704786
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-705347
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Paolo Caliari gen. Veronese. 
bige Berechnung gerichtet ist. Nach rechts als dritte Person ihr Gemahl Franz I., der 
setzt sich die Reihe der Gäste in einer Reihe Maria von England zur Tischdame hat. 
von packenden Charakterköpfen fort und endigt Ein Mohrenherrscher, dann Sultan Soli- 
in dem stehenden Weinschenken, der in völlig man, schließlich Vittoria Eolonna, die be- 
verloren gehender Episode soeben den Wein rühmte schöne Freundin Michelangelos, ver- 
prüft und das Wunder der Wasscrverwand- vollständigen diese Tischseite. Der ketten- 
lung feststellt,  nach links aber siHen die geschmückte Kavalier an der Haupttafel wäre 
vornehmsten Gäste von fürstlichem Geblüt alsdann Karl V. Die Dargestellten des 
und endigen ganz vorn im Brautpaar. Als rechten Tafelschenkels sind nicht genannt, 
Gegengewicht zu dem Weinschenken drüben obwohl es offenbar lauter Bildnisse, und 
steht hier ein stattlicher Nobile, dem ein zwar von bürgerlichem Stande sind. Da- 
priichtiger Dolch über den Leib hängt; ich gegen sind unter den M1Isikern im Mittel- 
möchte den wenige Jahre zuvor gestorbenen grunde der alte Tizian als Bassist, Jacopo 
Pietro Aretino in dieser Figur erkennen, Bassano als Flötist, sowie Tintoretto mit 
der im Weinschenken das Bildnis Bene- einer Violine oder Guitarre erkennbar. Das 
detto Caliaris, des Architektur1nalers, ent- vornehmste Venedig in seinen Spitzen der 
spricht. Daß jener der einzige Bewaffnete in Kunst wie eines Palriziats,-das, reich, hoch- 
der Gesellschaft ist, scheint die Jdentität zu gesinnt, feingebildet und ritterlich, vielfach 
bestätigen, denn vermutlich ist damit ein mit europc"iischen Fürsten-, ja Königshöfen 
Hinweis auf den ,,Dolchlitteraten" nicht ab- versippt war, -und in seiner baukünstlerischeu 
sichtslos gegeben. Die ganze Mitte zwischen Pracht gibt die Modelle nnd die Lokalität 
den drei Tafelseiten aber wird von der für das bedeutende, knltnrgeschichtlichsoüber- 
Musik eingenommen, deren Eellist vornan aus merkwürdige Bild, aber es umfaßt in 
ein Selbstbildnis des Künstlers ist. Es ist seinen Personen die ganze damalige Zeit. 
ein kleiner Zug von Eitelkeit hier wenig Es ist davon etwas so durchaus Zusammen- 
auffällig abgedrückt, daß dies ganze große fassendes und doch Persönliche-Z in fast je- 
Bild gleichsam um Christus, sowie die darin dem Punkt darin, wie man es bei keinem 
abgebildete Künstlerperson gewölbt ist, zu der zweiten Kunstwerk der Renaissance findet. 
sich fast ebenso bemerklich sein Bruder Bene- Da ist der Maler hinter seinem Bild als 
detto gesellt. Künstler zurückgetreten und hat keinen An- 
Aber dies sind in dem prachtvollen teil mehr daran,  weder der Stil noch 
Gefüge interessanter Figuren und prnnk- die Malerei, weder das Kostü1n noch das 
voller Farben nicht die einzigen Bildnisse. Gebarcn hat einen fremdartigen Zug, den 
Einen so wenig bedeutenden Geist dieser man erst überwinden müßte, um sofort 
Sinnen- und Thatfachenmensch besaß, von interessiert dies Leben einer fernen Epoche 
so glückgeleiteter Weltklugheit war er. Wenn genußvoll betrachten zu können. 
er die Großen seiner Zeit, soweit ihm Bild- Aber noch nach anderer Seite ist dies 
nisse erreichbar waren, in diesem Werke Bild bemerkenswert, und das sowohl für 
konterfeite,  wenn er seine künstlerischen das Venedig der Blütezeit als Veroneses 
Gönner und Freunde hinzufügte, konnte er künstlerische Auffassungsweise. Nämlich in 
gewiß sein, beiden damit zu schmeicheln und den Frauengestalten, deren eigentümliche 
sie zu Lobrednern seiner Kunst zu machen. Färbung hier im Rahmen des Festes noch 
Er scheint ausgiebige Verwendung von die- mehr ausfällt, als in anderen Werken. Er 
sent Schachzug gemacht zu haben,,denn außer hat sein Lebenlang an einer Galerie der 
der nicht kleinen Zahl bekannter Personen bewuuderungswürdigsten Schönheiten ge- 
dürsten noch weitere Bildnisse unter den schaffen und hier einen Geschmack offenbart, 
übrigen Figuren, die man heute nicht kennt, wie er zu allen Zeiten nicht alltäglich ge- 
zu finden sein. Die Gesichtsbildungen und wesen ist; wo ein anderer Maler hier und 
Haltungen find auffällig individuell. Nach da einen glücklid)en Fund machte, gelang 
Zanetti ist in dem Bräutigam am linken ihm von Fall zu Fall mit erstaunlicher 
Tischende der vielgenannte, auch von Tizian Sicherheit die Darstellung von lauter indi- 
verherrlichte Marquis del Guasto, in der viduellen Schönheiten. Er muß in künst- 
reizenden Braut die Königin Eleonore von lerischer Hinsicht einer der besten Frauen- 
Frankreich zu erkennen. Zu ihr neigt sich kenner Venedigs gewesen sein, denn er fand
        

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