Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tiepolo
Person:
Meissner, Franz Hermann Tiepolo, Giovanni Battista
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-702305
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-703297
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Giovanni Battifta Tiepolo. 
fürchterlich dafür gehaßt haben. Urbaui ihm davon die Rede sein kann. Da das 
führt eine Anekdote eines spanischen Schrift- Würzburger Werk eine durchaus parallele 
stellers als Beleg dafür an. Da er ihn Erscheinung erkennen läßt, kann man sich 
nicht bei Hofe ausftechen konnte, wollte der Betrachtung nicht verschließen, daß das 
er ihn nach dieser trüben Quelle wenig- außer diesen beiden Abwesenheiten nie ver- 
stens aushauen lassen. Er soll zwei lassene Venedig mit seinem bannenden Ein- 
Banditen bestochen und an einer Land- druck von der VergaugenheitTiepolos Genie 
straße, die Tiepolo binnen kurzem entlang erdrückt hat und fchicksalsvolI für seine Kunst 
kommen mußte, mit der Weisung aufgestellt geworden ist, denn er wäre unter anderen 
haben, feinen Rivalen festzuhalten und ge- Verhältnissen und unter dem Echo einer 
hörig durchzubläuen. Um sich die Rache anderen, von einer großen Tradition nicht 
aber noch besonders durch den Anblick der voreingenommene11 Bevölkerung wahrschein- 
That zu versüßen, soll Mengs in den lich eine wichtigere Künstlerpersönlichkeit 
Gipfel eines Baumes nahebei gestiegen sein. geworden, als er es jeht in Wirklichkeit ist. 
Als nun Tiepolo wirklich ankam, hat sein Er kam nie zu sich selbst und zur Natur, 
Nebenbuhler sich vielleicht, um nichts zu weil er zu starke Eindrücke von der vater- 
verfehlen, zu weit vorgebeugt, denn jeden- 1ändifchen Kunst in jungen Tagen erhielt 
falls biegt sich die schwache Krone um und und ihr zu viel abgeguckt hat,  er war zu 
Mengs schwebt plötzlich in sehr peinlicher früh reif und z11 sehr auf das Alleskönnen 
Lage hilflos und schreiend zwischen Himmel hin dressiert worden.  
und Erde. Alle Teilneh1uer fallen aus Sein Hauptwerk in Madrid aber war 
ihren Rollen. Der sein wundes Herz wei- den Darstellungen im Köuigfchloß gewid- 
den wollte an fremdem Leid, brülltjehtu1n met. Er malte hier für den Leibgarden- 
Hilfe,  Tiepolo vergißt, sich durchbläuen saal eine ,,Schmiede Vulkans" und für den 
zu lassen, und springt den Banditen bei, Vorsaal eine ,,Apotheose Hispanias,"  
um Mengs aus seiner Lage zu befreien. das Glanzstück indessen ward die riesige 
Dieser ist zerknirscht,  große Rührung, Decke des Thronsaales (Abb. 67-70), die 
Umarmung, dickste Freundschaft fortan,  er gleich der Treppenhausdecke von Würz- 
und gewiß verzichten die beiden Banditen but-g zum Tummelplatz einer phantastisch- 
in edler Rührung auf ihren klingenden tnalerischen Gesellschaft aus allen Zonen 
Lohn, den sie gesetzlich übrige11s mangels unter dem Titel: ,,Spanien und seine Pro- 
unausgeführter Gegenleistung auch nicht vinzen" machte. Bei oberflächlicher Kennt- 
einklagen können. Ein höfischer Welt1nann nis beider Werke kann man sie leicht ver- 
und Deutscher wie Mengs ist natürlich wechseln, denn der Titel ist bei beiden nur 
nicht auf eine so alberne und einem Greise eine Nottaufe, auf welche die Ausführung 
gegenüber brutale Rache gekommen, und wenig Rücksicht genommen hat. Auch hier 
die Geschichte ist ebenso wie das bei Tie- ist am Deckenrand eine bunte Gesellschaft 
polos Tode verbreitete Gerücht, daß Mengs in malerischen, bewegten und ruhenden 
ihn habe vergiften lassen, Ausgeburt einer Gruppen versammelt, treten uns bereits 
spanischen Reporterphantasie. aus Würzburg bekannte Motive entgegen, 
Auf acht Jahre dehnte sich der ur- findet sich nicht nur die Bevölkerung, son- 
sprünglich nur für einige Jahre berechnete dern auch Fauna nnd Flora der exotischen 
Aufenthalt Tiepolos und seiner Söhne in Zonen,  nur daß durch größere Zwischen- 
Madrid aus, und es entstehen jetzt eine träume das einzelne mehr betont ist und 
ganze Reihe von Werken, wie zu Aranjuez das Ganze weniger als Karnevalsmum1nen- 
für den Hauptaltar der Schloßkirche eine schanz wirkt. Etwas inniger auch ist der 
,,Anbetung der Könige" und für die Seiten- Rapport zwischen den Überirdischen in der 
altäre eine ,,Verkündigung" und Heiligen- Decken1nitte und diesen Gruppen dadurch, 
darstellungen; andere Altartafeln schuf er daß z. B. der alte Poseidou gen1ütlich mit 
für S. Sebastiano, die alle wohl unter seinen Nymphen unter einerJndianergruppe 
dem Eindruck der großen spanischen Meister thront und gegenüber eine andere Gruppe mit 
wie der veränderten Lebensverhiiltnisse eine einer sich räkelnden Megäre und einer in 
freiere und größere Behandlung wie ein die Tiefe stürzenden Mannesgestalt,  wie 
frischeres Naturgefühl verraten, soweit bei wir sie schon wiederholt bei Tiepolo an-
        

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