Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pinturicchio
Person:
Steinmann, Ernst Pinturicchio, Bernardino
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-698851
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-699860
Pinturicchio. 
Abb. 67. 
Detail aus der Maßen. 
Appartamento Borgia. 
Wir meinen den fröhlichen Gesang eines 
Vogels zu vernehmen, der seinem Käfig 
entronnen ist. 
Gehorsam bewegt sich der Künstler das 
gegen in der Astronomie wieder in den 
gegebenen Geleisen. Jn gemessener Ents 
fernung von der thronenden Frau haben 
sich zu beiden Seiten ihre Anhänger aufs 
gestellt mitten in einer gebirgigen, von spärs 
lichen Bäumen beseHten Landschaft. Hier 
ficht man zur Linken Ptolemäus mit der 
fternenbesetHten Him1nelskugel in der Rechten, 
weil er zuerst den Lauf der Gestirne erforscht 
haben soll, rechts in dem wohlgenährten 
Kahlkopf darf man vielleicht einen modernen 
Vertreter der Hi1nmels3kuude erkennen, wie 
ja auch in der Musiea die Porträtgestalt 
eines vornehmen Jünglings mit der Guitarre 
bedeutungsvoll dem alten Tubalcain gegens 
über gestellt ist, die neuere Zeit würdig zu 
vertreten. Die Astronomia selbst, welche in 
der Rechten das sogenannte Astrolabium 
emporhält, ist völlig übermalt, dagegen scheint 
Pinturicchio in den Seitengruppeu vor allem 
links felber Hand angelegt zu haben. Wären 
nur hier nicht an der Außenwand die Farben 
durch den Einfluß der Witterung fast völlig 
zerstört wordenl 
Viel ärger noch haben Gra1ntnatica nnd 
Dialeetiea gelitten, deren antike Repräfens 
tanten Priscian und Aristoteles ziemlich dents 
lich charakterisiert sind. Pintnriechio selbst 
hat seinen Pinsel überhaupt niemals an diese 
Wand gelegt, die er ganz jenem Gehilfen 
überlassen haben muß, der das Zimmer der 
Mysterien ausgemalt hat. Man vergleiche 
z. B. die greifen Köpfe in der Grammatika 
mitijenem Apostel, der in der Ausgießung 
des heiligen Geistes rechts von der Madonna 
erscheint. 
Die Wanddekoration des Zimmers, welche 
erst durch die legte Reftauration wieder aufs 
gedeckt wurde, stimmt im Geschmack völlig 
niit der Decke überein. Auch hier entdecken 
wir weder in dem Pilasterorua1uent der 
rechten Wand noch in der Fliichendekoration 
eine Spur von Grotesken. Das erstere ist 
in Chiaroseuro auf goldenem Grunde aus: 
geführt ganz wie in der Sistina; als Vors 
lage für den Schmuck der Wände wurden die
        

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