Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Canova
Person:
Meyer, Alfred Gotthold
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-693352
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-693610
Canova. 
Modell und nicht minder dann das Marmor; 
original  es ist aus dem BesiH der Pisani 
in die Akade1nie gelangt  fanden all; 
gemeinen Beifall und brachten ihm auch die 
erste größere Einnahme. Seine Zukunft 
in Venedig schien gesichert. 
Allein es zog ihn nach Rom. Das ist 
im Leben eines damaligen Künstlers und 
vollends eines Italieners selbstverständlich, 
denn Rom galt noch immer als die hohe 
Schule aller Kunst, vor allem aber lockte 
den Bildhauer neben der römischen Akademie 
der Schuh der antiken Skulpturen, denn 
dort standen in schier unübersehbarer Fülle 
die Originalwerke, von denen er in Venedig 
bisher nur einzelne hervorragende in Gipss 
abgiissen kennen gelernt hatte. Falter war 
dem Wunsch seines Schiitzlings geneigt und 
suchte ihm in der Person des venetianischen 
Gesandten beim päpstlichen Stuhl, Girolamo 
Zulian, den besten Gönner zu gewinnen. 
Jn der That nahm ihn dieser später in 
Rom in sein Haus und erwirkte ihm beim 
Rat eine Pension für vier Jahre. Es ward 
dabei jedoch die seltsame Bedingung gestellt, 
der junge Bildhauer solle während dieser 
Zeit lediglich Kopien nach antikeu Werken 
für Venedig liefern. Begreislich,daß Canova 
dies ablehnte, aber man mag heut doch nicht 
ohne Uberraschung lesen, mit welcher Bei 
stimmtheit dies geschah. ,,Bei solchen Kopientt 
 schrieb Canova  ,,leide die künstlerische 
Individualität, und wer sich nur an Ubcrs 
set,zungen übe, werde niemals ein rechter Dichi 
ter werdenlt Kein Zweifel, daß dem jungen 
Künstler, als er nach Rom wanderte, die Nachs 
ahmung der Alten nicht das höchste Ziel wart 
Im Oktober 1779 traf Canova mit 
dem Rest, welcher ihm vom Honorar 
seiner Dädalusgruppe geblieben war, in 
Rom ein. Erst damit beginnt seine kunsts 
geschichtliche Laufbahn, und nur im das 
maligen Rom war dieselbe so, wie sie ge: 
worden ist, überhaupt möglich. Wie so häufig 
in der Kunstgeschichte dieser einzigen Stadt 
sandte ihr ein gütiges Geschick den Mann, 
der, dem Antäus gleich, nur eben auf ihrem 
Boden seine eigene Vollkraft finden, dieselbe 
dann aber zugleich auch gänzlich in ihren 
Dienst stellen sollte. 
sit Its 
III 
Es war das Rom des eudenden achts 
zehnten Jahrhunderts. Nach dem Riesenmaß 
geschichtlicher Größe, welches die Stadt 
Raffaels und Michelangelos bot, darf man 
dieses Rom nicht werten, allein die welts 
historische Eigenart, die seinem Leben 
niemals ganz fehlte, war gerade in den 
Zeiten, in denen Canova in dasselbe eintrat, 
bedeutungsvoll genug, um ihn von Anbeginn 
in ihren Bann zu ziehen. 
Den äußeren SchauplaZ des damaligen 
römischen Daseins kennen wir besser als 
irgend eine andere Scenerie seiner Geschichte. 
Die zahllosen, großen Radierungen römischer 
Bauwerke, Ruinen und Landschaften von 
Giovanni Battista Piranesi entrollen davon 
ein unvergleichliches Panorama. Und wenn 
man dasselbe an sich vorüberziehen läßt, 
spürt man bereits auch etwas von der 
kulturelleu und geistigen Atmosphäre, von 
der Zeitstimmung. Denn die Veduten 
Piranesis zeigen, wie die römifche Welt des 
achtzehnteu Jahrhunderts ihre durch das 
klassische Altertum geschaffene Lebensbühne 
betrachtete. Es sind die Blicke ehrfürchtiger 
Bewunderung, in die sich jedoch zugleich 
etwas Träu1nerisches wie eine stille Sehnsucht 
1uischt. Diese alten Römerbauten wirken 
in den Radierungen Piranesis nicht mehr 
nur wie Werke von Menschenhand, sondern 
sie gleichen Schöpfungen der Natur selbst, 
um welcheisich im Geist Rousseaus schwärs 
merisch s melancholische Gedanken spinnen. 
Als eine große Vergangenheit ragen sie 
hinein in eine dürftige Gegenwart.  
Und dies gilt nicht nur von der Ruinenis 
Welt des antikeu Roms, sondern auch von 
den Bauten des Mittelalters, der Renaissance, 
ja selbst auch von denen des Barockstiles. 
Die leHteren gaben dem damaligen Rom 
sein bauliches Gepräge. Es waren die 
imponierenden Schöpfuugen der Jesuitens 
kunst, und auch sie mußten in den Tagen 
Eanovas an eine größere Vergangenheit 
gemahnen. Denn Rom war längst nicht 
mehr die Hauptstadt der Welt. 
Schon im Beginn des Jahrhunderts war 
es, wie man gesagt hat, ,,nicht viel mehr 
als die Hauptstadt des Kirchenstaatestt. Die 
Epoche der glücklichen Wiederherstellung der 
päpstlichen Macht nach den Erschütterungen 
der Religionskriege war vorüber. Welle 
auf Welle erhob sich gegen die weltliche 
Autorität des Papsttumes, welches, allen 
Eroberungsgedaukeu fern, sich nur noch 
auf die Verteidigung seiner traditionellen
        

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