Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Stuck
Person:
Bierbaum, Otto Julius Stuck, Franz/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-683848
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-684212
Franz 
Stuck. 
 Auch bei seinen Landschaften zeigtesich  
Ahnliches. Sie waren durchaus modern 
gemacht, überaus luftig, einige wie erfüllt 
von einer flockigen Fenchtigkeit, ganz und 
gar nicht im Stile der alten Landschafts: 
malerei  und doch waren sie auch durch: 
aus keine ,,modernenU Landschaften. Auch 
in ihnen eine Stimmung von ganz phan: 
taftisGer Note, selbst wenn kein Fabelwesen 
in ihnen spukte. 
Aber je mehr und mehr entfernte er 
sich von der Technik und den Lust: und 
Lichtproblemen der Naturaliften. Je mehr 
und mehr erkannte er, daß diese Art doch 
nicht die seine war, daß seine Gestalten, 
seine Kunst gewissermaßen eine andere 
Optik hatten, als die der Naturalisten. Er 
wurde strenger im Umriß, stärker in der 
Farbe, und je tiefer er sein eigenes Wesen 
erfaßte, um so tiefer tauchte er ins Farbige. 
Während früher einheitliche Farbstimmungen 
waren, Sti1nmungen ans einen Grundton, 
ging er nun mehr und mehr auf Kontrast: 
Wirkungen aus, indem er jede Farbe in 
vollster Kraft hinseHte als echter Kolorist 
von geradezu heißblütigem Temperas 
ment.  
Und je näher er dem dekorativen Ziele 
seiner Kunst kommt, um so ausgesprochener 
wird dies. Große, farbige Flecken zu: 
fC1mmengehalten durch eine eminent harmo: 
nische Gleichwagekraft, alles aufs Große, 
Einsachelgebracht, nichts in Einzeleffekte 
auseinander schwankend  da wird der 
Maler zum Symphoniker. 
Dadurch gewinnt seine Malerei das, 
was nun ihr Hauptgepräge und gegenüber 
der meisten anderen modernen Malerei ihr 
auszeichnendes Merkmal wird: das monu: 
mentale Wesen. Damit ist gesagt, was ihr 
immer mehr abhanden kommt, weil es nicht 
zu ihr steht: Jntimität, gemütlicher Reiz. 
Der lyrische Zug, der in Bildern seiner 
Frühzeit zuweilen bemerkbar ist, verschwin: 
det ganz: eine Art Pathos, etwas Ges 
bietendes tritt auf. 
So hat sich Stuck zum dekorativen 
Künstler im monumentalen Sinne ent: 
wickelt,  man möchte sagen im Sinne der 
italienischen Renaissance Und überhaupt 
mehr nach der Linie der italienischen, als 
der deutschen Kunst hin. 
Es ist unmöglich, ihn als einen wesent: 
lich deutschen Maler anzusprechen, wie 
etwa Thoma oder Uhde. Er wie Böcklin 
stammt künstlerisch von drüben her, von 
jenseits der Alpen; in ihm wie in Böcklin 
hat siQ etwas wie eine Renaissance der 
Renaissance vollzogen. Man möchte fast 
an romanisches Blut in diesem Niederbayern 
glauben.  
Oder ist es nur eben wieder diese ge: 
Abb. 22. 
Kä1npfenbe Faune.
        

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