Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Stuck
Person:
Bierbaum, Otto Julius Stuck, Franz/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-683848
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-685185
Abb. 129. 
Studienkopf. 
Vorzügen eines Bildwerkes gerecht zu 
werden vermag, um so mehr wird er mit: 
fühlen, was W. M. Hunt in seinen kurzen 
Gesprächen über Kunst einmal geäußert 
hat: ,,Das Eigentliche von einem Bilde 
ist das, was ni6ht beschrieben, sondern 
allein gemalt werden kann.U Man kann 
in der That mit Litteratur aus einem 
Bilde nur das herausheben, wassin ihm 
litterarisch ist; für alles übrige, und das 
heißt: für alles Wesentlichere in ihm, ist 
man auf ein andeutendes Ungefähr an: 
gewiesen. Und dies muß notwendig zu 
fortwährenden Wiederholungen führen, wenn 
man Werke eines und desselben Künstlers 
aus einer und derselben Schaffenszeit 
schildert. Fassen wir daher lieber die An: 
deutungen über alles das, was nur gemalt 
und nicht beschrieben werden kann, vorher 
nochmals in ein paar kurze Bemerkungen 
zusammen und überlassen wir uns dann 
vor den einzelnen Bildern ruhig ihrem 
inneren Reize, der mit Worten einigermaßen 
wiederzugeben ist. 
Vergleichen wir ein leHtes Mal den 
jetzigen Stuck mit dem früheren, den Meister 
gewordenen mit dem suchenden Schüler, so 
können wir sagen: aus dem Analytiker 
ist ein Synthetiker geworden. Das ist 
natürlich malerisch gemeint und soll heißen: 
der frühere Stark zerlegte Farben und Licht, 
der heutige harmonisiert sie, bringt sie in 
Einheiten zusammen. Das will sagen: er 
hat die eigentlichen Mittel der Malerei in 
die Hand bekommen und schaltet damit 
nicht mehr kleinlich, ängstlich und befangen 
vor der Fülle des Sichtbaren, sondern 
souverän, aus dem Machtgefühle des 
Künstlers heraus, der da weiß: es ist ver: 
geblich, aus der Natur alle Bestandteile 
zusammenzutragen und sie so wiedergeben 
zu wollen, wie sie ,,objektiV0 packen; das 
Amt und die Gabe des Künstlers ist es 
vielmehr, frei über das Gesehene zu ver: 
fügen und damit eine neue Realität zu 
schaffen, die ihre bestehenden Gesetze und 
das engste Verhältnis zum schaffenden 
Subjekte hat. Was der Künstler schafft,
        

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