Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Friedrich August von Kaulbach
Person:
Rosenberg, Adolf Kaulbach, Friedrich August/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-682460
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-683200
Friedrich 
August 
Kau1bach. 
Mit dem Winteraufenthalt von 1886 
schloß Kaulbach vorläufig seine Pariser 
Studien ab. Jm Juni desselben Jahres 
trat in der Leitung der politischen Geschicke 
seines engeren Vaterlandes eine Wandlung 
ein, deren Folgen auch auf sein persön: 
liches Leben von entscheidendem Einfluß 
wurden. Nach dem freiwilligen Tode König 
Ludwig I1., für den Prinz Luitpold als iilte: 
ster Agnat der Krone die Regentschaft über: 
nommen hatte, die er alsdann für den Nach: 
folger Ludwigs, den geisteskranken König 
Otto weiterführte, traten in der Finanz: 
wirtschaft Bayerns allge1nach geordnete Ver: 
hältnisse ein, die bald auch der Kunst zu 
gute kamen. Denn wie ungeheure Summen 
auch König Ludwig 1I. für Kunstwerke auf: 
gewendet hatte, so hatten diese der zeit: 
genössischen Kunst doch keinen Nutzen ge: 
bracht. Begabte Künstler mußten im Dienste 
des Königs, dessen krankhafte Phantasie sich 
in einer ungeheuerlichen Nachahmung der 
Verschwendungssucht eines Ludwigs XIV. 
gefiel, ihre Kräfte aufreiben, ohne daß sie 
dabei eigene Erfindung oder auch nur 
eigenen Willen zeigen durften. So sind 
viele Millionen nutzlos vergendet worden, 
die, verständig verteilt, der heimischen Kunst 
einen unermeßlichen Segen hätten bringen 
können. Wenn diese troHdem, ohne fast 
zwei Jahrzehnte lang die geringste Förderung 
und Pflege vom Thron herab gefunden zu 
haben, fröhlich gediehen ist, verdankt sie 
dies nur dem gesunden Kern des bayerischen 
Volkstums, und schließlich ist ihr auch 
diese selbständige, von keinem Herrscher be: 
einflus3te Entwickelung zum Segen aus: 
geschlagen. Denn in der langen Zeit ihrer 
Verwaisung nahm die Münchener Kunst 
jenen demokratischen Charakter an, der sie 
mit den Interessen und Gefühlen des Volkes 
innig verknüpft hat. 
Der neue Regent hat sich denn auch 
wohlweislich gehütet, in diese gesunde Ent: 
wickelung einzugreifen, obwohl er, als der 
echte Sohn seines Vaters, der Kunst und 
den Künstlern ein lebendiges Interesse ent: 
gegenbrachte, das er nicht bloß durch An: 
käuse von Kunstwerken und Aufträge, son: 
dern auch durch persönlichen Verkehr mit 
Kinderstudien C1890J.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.