Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Mantegna
Person:
Thode, Henry Mantegna, Andrea
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-680897
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-681513
Provision im Monat zu geben, für eine 
Wohnung zu sorgen, wo Jhr bequem mit 
Eurer Familie leben könnt, Euch jährlich 
so viel Korn zu geben, daß es für den 
Aufwand von sechs Personen genügt, und 
so viel Holz als für Euren Gebrauch nötig 
sein wird, und Jhr braucht daran nicht 
den mindesten Zweifel zu hegen, und damit 
Jhr nicht wegen der Kosten der Ubersührung 
Eurer Familie bedenklich seid, sind wir es 
zufrieden und versprechen Euch, zur Zeit, 
wenn Jhr zu uns kommen wollt, Euch auf 
unsere Kosten eine Barke zu schicken.tt Dur: 
auf wird Andrea auf sein Verlangen noch 
ein Urlaub gewährt und ihm versichert, daß 
er es nicht bereuen wird, nach Mantua 
überzusiedeln.  Als der Termin ges 
kommen, sieht sich der Künstler genötigt, 
um erneute Verlängerung der UrlaubsTsfrist 
zu bitten. Die für Verona bestimmten 
Bilder sind noch nicht vollendet, und außer: 
dem hat er sich verpflichtet, für Messer 
Jacomo Marcello, den PodestEr von Padua, 
ein kleines Werk zu schaffen. Sein Wunsch 
wird bewilligt, ja Lodovico richtet am 20. 
Januar ein äußerst schmeichelhaftes Schreis 
ben an ihn und gibt ihm die Erlaubnis, 
das Wappen der Gonzaga mit einer kleinen 
Veränderung anzunehmen. Im Mai 1459 
sendet er von neuem einen dringlichen Brief 
mit dem Berichte von der Vollendung einer 
Kapelle im Castello, welche vielleicht nach 
einem Entwurfe Mantegnas ausgeführt 
wurde. Aber die Geduld des Marchese 
sollte noch immer auf die Probe gestellt 
werden  erst Ende 1459 oder Anfang 
1460 scheint der sehnlich erwartete Meister, 
dessen Kunst den Hof der Gonzagas vers 
herrlichen sollte, mit seiner Frau Nicolosia 
und seinen Kindern: Francesco und Lodos 
vico in Mantua eingetroffen zu sein. 
Das Werk, welches ihn so lange in 
Padua zurückgehalten hatte, hängt noch 
heute in S. Zeno zu Verona an der Seitens 
wand des Ehores CAbb. 25s28J. Alle 
Resultate seiner lange11 Studienzeit hat der 
Meister in dieser großartigen Schöpfung 
zusammeugefaßt. Jn einer reich mit Skulpis 
tnrenschmuck und Fruchtkränzen ansgestattess 
ten Halleuarchitektur siHt in feierlicher Ruhe, 
den stehenden Christnsknaben auf dem 
Schoße haltend, Maria auf hohem relies 
fierten Throne. Singeude und die Laute 
spielende Putten umgeben sie. Auf beiden 
Seiten hat sich perspektivisch angeordnet das 
Heiligengefolge der himmlischen Königin 
aufgereiht: acht würdevolle, in ernste Bei 
trachtung versunkene Gestalten: links Peti 
rns, Paulus, Johannes der Evangelist, 
Augustin, rechts Johannes der Täufer, Zeno, 
Laurentius und Benedikt. Soviel Gestalten, 
soviel Charaktere und Typen: zarte, träumess 
rifcheJugend, ernste Manneskraft, in Kontems 
plation sich verinnerlichendes Greifentum, 
 alle zu typischen Vorbildern für die 
venezianische, ferrarresische, veronesische, 
lombardische Kunst der zweiten Hälfte des 
fünfzehnten Jahrhunderts geworden. Mit 
diesem Werke hat Mantegna die ,,Santa 
ConversationeU Norditaliens, die Vers 
sammlung der Heiligen um den Thron 
der Madonna geschaffen: noch halten dies 
selben sich hier in scheuer Verehrung fern, 
bald sollten sie zu in11igerem Beieinander 
nahe an die Jungfrau herantreten. Hier 
zuerst haben die kleinen Donatelloschen 
Him1nelsmnfikanten das Recht erhalten, in 
der Nähe des Chriftkindes zu weilen, 
welches in holder Unschuld ganz nackend 
dargestellt ist  kurz, dieses Altarwerk, 
welches auch bin den leuchtenden Farben: 
Blau, Karmin, Ziegelrot, Gelb, Violett 
und Grün eine originelle Erfindung und 
Zusammenstellung zeigt, stellt ein ganz 
neues, rein menschliche Züge mit hi1nmlischer 
Feierlichkeit verbindendes Jdeal der Mai 
donnendarstellung auf. 
Hat Mantegnas Genie ohne andere 
Vorstudien diese Höhe der Gestaltung er: 
reichtP Ein in der Berliner Galerie 
CAbb. 29J aufbewahrtes kleines Bild der 
Maria mit dem Kinde, in dessen Rahmen 
Putten mit den Leidenswerkzeugen ans 
gebracht sind, scheint den herben Formen, 
der härteren Modellierung und der Bekleis 
dung des Bambino nach zu schließen, früher 
entstanden zu sein, in freier Anlehnung an 
Madonnenreliefs, in welchen Donatello als 
der Erste das innige Verhältnis der Mutter 
zum Kinde in dem Leben abgelaufchten rein 
menschlichen Zügen veranfchaulicht hatte. 
Die Originale der drei kleinen Dur: 
stellungen, welche an der Staffel des Altc1rs 
werkes von Sau Zeno angebracht find, 
befinden sich jetzt in Frankreich. Für die 
,,KreuzigungU Cim Louvre, Abb. 30J hat 
Mantegna eine ähnliche Stimmung, wie 
sie in dem Kupferstichs der Kreuzabnahme
        

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