Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Velazquez
Person:
Knackfuß, Hermann Velazquez, Diego Rodríguez de Silva/y
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-677005
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-677593
Velrczquez. 
mäßig wohlgebildeter Zwerg, der einem am 
Boden ausgestreckten großen Hund einen 
Fußtritt versetzt, durch den er dem Tier 
wohl sagen will, es sei gegen die Etikette, 
hier zu schlafen. Weiter zurück im Atelier 
stehen im Schatten ein Hofherr, der Guardai 
damas, dessen Amt es war, neben dem 
Wagen der Hofdamen zu reiten, und eine 
Ehrendame in Nonnentracht. Ganz in der 
Tiefe des Bildes, wo man durch die geöffnete 
Thier in einen Vorraum sieht, erscheint am 
Fuß der nach den oberen Gemächern führens 
den Treppe ein Herr, der nach dem erhaltenen 
Verzeichnis der Namen und Titel sämtlicher 
auf dem Bilde dargestellten Personen der 
Hausmarschall der Königin ist.  Dies das 
Gegcnständliche des Gcn1äldes. Für die 
malerischen Eigenschaften desselben gibt es 
keine Worte. Höchster, beftrickender Farbens 
reiz ist mit dem denkbar geringsten Aufwand 
an Farben erreicht. Die Töne gehen von 
reinem Schwarz, in der Kleidung und im 
Haar des Malers, durch die verschiedens 
artigsten Abstufungen von Grau hindurch 
einerseits bis zu vollem Weiß, das auf der 
Marmortreppe hinter der Thiiröffnung steht, 
und andererseits zu einem leuchtenden gols 
digen Hellgrau in der Kleidung der Prinzessin, 
das mit dem rosigen Fleisch des Kinders 
gesichts und dem lichten Blond des Haares 
köstlich ineinander klingt. In dem grauen 
Gefamtton stehen als pikante kleine Flecken 
ein paar lebhaft rote Schleifchen an Brust 
und Armel der Prinzessin und an den 
Armeln des stehenden Edelfräuleins. Jn 
abgeschwächter Tönung kehrt das Rot wieder 
aus der Palctte des Malers, in der 
Spiegelung eines Vorhangs über dem Königsi 
paar und  in ausgedehnterer Masse 
 in der Kleidung des Zwergs. Dieses 
wenige Rot findet sein Gegengewicht darin, 
daß das silberbesetg,te Kleid der Zwergin 
ins Blangrüne und der Rock der blonden 
knieenden Menina ins Dunkelolivengrüne 
geht. Der Rock der stehenden, dunkels 
brünetten Menina hat eine s.unbestimmtere, 
olivengraue Farbe. Die oberen Teile der 
Kleidung beider Edelfräulein sind derjenigen 
der Prinzesfin ähnlich gefärbt.  Die Art 
und Weise, wie das alles gemalt ist, hat 
nicht ihresgleichen. Es ist, wie man zu 
sagen pflegt, ,,init Nichts, gemalt, mit nichts 
außer mit dem höchsten Können. Die Pinsels 
striche sind Schlag auf Schlag auf die Leins 
Schleifen, Goldsch1nuck an Hals und Brust 
nnd Handgelenken CAbb. 38J. Im lieblichi 
sten Reiz, im Alter von etwa fünf Jahren, 
zierlicher und lebhaster geworden, zeigt sicJ 
die Jnfantin Margarita in jenem großen 
Gemälde, welches uns gestattet, dem Hoimaler 
bei der Arbeit zuzuschauen CAbb. 39J. Wir 
sehenVelazquez damit beschäftigt, das Königs: 
paar in einem Doppelbildnis zu malen. 
Von der großen Leinwand, auf welcher dass 
selbe entsteht, sehen wir ein Stück von der 
Rückseite, ganz im Vordergrund des Bildes. 
Der Maler ist zurückgetreten und faßt feine 
königlicjen Modelle ins Auge; man sieht, 
wie seine Blicke den Eindruck aufsaugen, 
den er, wieder an die Leinwand herantretend, 
in Farben festlegen wird. Den König und 
die Königin selbst sieht man nicht; denn der 
PlaH, wo sie sich befinden müssen, liegt 
außerhalb des Bildes, genau da, wo der 
Standpunkt des Beschauers ist. Darum 
sieht der Beschauer den Blick des Belazquez 
auf sich gerichtet. Wem aber in Wirklichkeit 
dieser Blick gilt, das verrät ein gegenüber 
an der Wand des Ateliers hängender 
Spiegel, in dem wir Philipp und Marianne 
wahrnehmen, undentlich schimmernd in der 
Trübung durch die EntfernungNund das 
Glas, aber doch in sihlagender Ahnlichkeit. 
Zur Unterhaltung während der SiHung 
haben der König nnd die Königin ihren 
Liebling, die kleine Margarete, ins Atelier 
bringen lassen. Zwei junge Damen bei 
schäftigen sich mit dem Kinde, um dasselbe 
in vergnügter Stimmung zu erhalten. ,,Mes 
ninas0 nannte man solche zum Dienst bei 
der jungen Jnfantin befohlene Fräulein, 
die vom höchsten Adel und hübsch sein 
mußten. Nach diesen Figuren führt das 
Bild die landläufige Bezeichnung ,,1as mes 
ninas.tt Neben den anmutigen Erschex: 
nungen des Prinzeszchens und der Edelfrau: 
lein müssen wir uns freilich auch einige 
andere zur Belustigung der hohen Herrs 
schaften anwesende Persönlichkeiten gefallen 
lassen, deren für unser Gefühl geradezu 
abstoßende Erscheinung wir ebenso gut mit 
in den Kauf zu nehmen haben, wie die 
unschöne Kleidung der Mädchens Da steht 
eine furchtbar häßliche Zwergin, die mit 
dem Ausdruck eines treu ergebenen Tieres 
nach dem Königspaar  also nach dem 
an dessen Stelle befindlichen Beschauer  
hinsieht, und neben ihr ein verhältniss
        

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