Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Knackfuß, Hermann Dürer, Albrecht
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-675380
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-676364
Albrecht Dürer. 
Kaisers CAbb. 82ss85J, mit geschichtlichen 
und sinnbildlichen Figuren, mit Wappen, 
mannigfaltigem Zierwerk und mit Jnschriften 
bedeckt. An Stelle seines gewöhnlichen Mos 
nogramms hat Dürer hier sein Familiens 
wappen, den Schild mit der offenen Thür, 
angebracht. 
Anziehender als dieser Riesenholzschnitt, 
bei dem man nur anftaunen kann, wie leben; 
dig sich Dürers Gestaltungskraft auch unter 
dem Drucke genauer bindenden Vorschriften 
noch zu bewegen vermochte und wie er in 
die zahlreichen Darstellungen von Schlachten 
und Belagerungen immer wieder Abwechses 
lang zu bringen wußte, ist eine andere Atti 
beit, die er im Jahre 1515 für den Kaiser 
ausführte und in der er nach Herzenslust 
den Eingebungen seiner von einer Welt von 
Gestalten erfüllten,Phantasie nachgehen konnte. 
Maxi1nilian hatte, für seinen persönlichen 
Gebrauch ein Gebetbuch drucken lassen. In 
einem Exemplare dieses Gebetbuches, das sich 
jeht in der Königlichen Bibliothek zu Miins 
chen befindet, schmückte Dürer 45 Blätter 
mit Randverzierungen in Federzeichnung. 
Der Reichtum an künstlerischem Erfindungss 
vermögen, der hier entfaltet ist, entzieht sich 
jeder Beschreibung. Bald unmittelbar auf 
die Gebete Bezug nehmend, bald in der Vers 
folgung eines durch einen Satz oder ein 
Wort angeregten Gedankens abschweifend, 
bald auch scheinbar willkürlichen Einfällen 
folgend, hat der Meister auf die breiten 
Ränder der Perga1nentblätter die erhabensten 
himmlischen Gestalten, sowie ernste und scherzs 
hafte Figuren aus dem Leben gezeichnet; 
Fabelwesen und allerlei Tiere, natürliche 
wie erdichtete, mischen sich hinein; daneben 
sprieszt und sproßt überall das köstlichste Ziers 
werk von wundervollen Pslanzengewinden 
hervor, kühne Federzüge fügen sich zu selts 
famen Fratzen oder Tiersiguren zusammen, 
verflechten sich zu regelmäßigen Ornamenten 
oder laufen in weitgeschwungene Schnörkel 
aus. Bald eng, bald lose schmiegen sich 
die Randzeichnungen, wie inhaltlich an das 
Wort, so als Schmuckgebilde an das Viereck 
des gedruckten Textes an; hier umrahmen 
sie dieselben vollständig, dort bilden .sie 
einen Zierstreifen nur an einer Seite, da 
schließen sie ihn von beiden Seiten ein oder 
umranken eine Ecke; nur in einzelnen Fällen 
beschränken sie sich am Schluß eines Abs 
schnittes auf eine Vignette am Fuß der 
auch nur um ein Härchen überboten werden 
könnte. Diirers Studienblätter bieten zahls 
reiche Belege. Ein besonders sprechendes 
Beispiel ist auch das in Abbildung 80 
wiedergegebene, mit schnellen Federstrichen 
gezeichnete Bildnis einer weiblichen Persönss 
lichkeit, deren gutmütiges, durch eine An: 
schwellung des rechten Augenlides verung 
ziertes Gesicht auch sonst unter Dürers 
Zeichnungen vorkommt,  wahrscheinlich 
einer Verwandten des Hauses. 
Von Gemälden weist das Jahr 1514 
nur einen Christuskops von zu bezweiselnder 
Echtheit auf, der sich in der Kunsthalle 
zu Bremen befindet. Dem Jahre 1515 
gehört eine Maria als Schmerzensmutter, 
unter dem Kreuze stehend gedacht, in der 
Münchener Pinakothek, an. Beides sind 
Werke von untergeordneter Bedeutung. Das 
meiste von Dürers Zeit wurde jetzt durch 
Aufgaben in Anspruch genommen, die der 
Kaiser ihm stellte. 
Kaiser Maximilian, der sich an der Heri 
vorhebung seiner eigenen Persönlichkeit ers 
freute, ohne deswegen eitel zu sein Es ein 
Zug, der im Geiste jener Zeit begründet 
war und der ja auch bei Dürer in den vielen 
Selbstbildnisfcn zu Tage tritt D, hatte die 
Jdee zu einer großartigen bildlichen Vers 
herrlichung seines Lebens selbst entworfen. 
Dass Ganze sollte einen Triumph vorstellen 
und aus zwei Teilen, dem Triumphbogen 
oder der Ehrenpsorte und dem Triumphs 
zuge, bestehen. Des Kaisers Freund und 
treuer Begleiter, der Geschichtschreiber, Dichi 
ter und Mathematiker Johannes Stabius, 
übernahm die Anordnung und verfaßte die 
Jnschriften. Ehrenpforte und Triumphzug 
sollten  jedes in einem, riesigen Holzschnitts 
blatt erscheinen, und Dürer war beauftragt, 
zunächst die Zeichnung der Ehrenpforte ans 
zufertigen. Jm Jahre 1515 war er mit 
der gewaltigen Bildermasse, aus der sich 
dieses seltsame Gebilde znsam1nenfüigte, fertig. 
Seit drei Jahren hatte er daran gearbeitet. 
92 Holzstöcke, deren Schnitt der Nürnberger 
Formschneider Hieronymus Andreä ausführte, 
waren zur Herstellung des Blattes erforders 
lich, das in seiner vollständigen Zusammens 
seHung über drei Meter hoch und wenig unter 
drei Meter breit ist. Das Ganze stellt ein 
Gebäude von sehr entfernter Ahnlichkeit mit 
einem römischen Triun1phbogen dar, über 
nnd über mit Bildern aus dem Leben des
        

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