Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Dürer
Person:
Knackfuß, Hermann Dürer, Albrecht
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-675380
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-676847
Albrecht Dürer. 
aus der nur Magdalena laut jam1nernd an die 
Seite des Toten herausgetreten ist, hat sich, 
aus dem. Stadtthor kommend, ein Gefolge 
von Menschen angeschlossen, die, ebenso wie 
einige den Zug betrachtende Männer, nicht 
sowohl durch Verehrung für den zu Grabe 
Getragenen, Halse vielmehr durch Neugierde 
herbeigeführt wordenssind CAbb. 104J. Also 
auch hier Betonung eines naturgetreuen 
Volkslebens. Jm Jahre 1523 zeichnete 
Dürer einen Entwurf zum lehten Abendmahl 
Hin der AlbertinaJ, der ebenfalls von der 
üblichen Darstellungsweise in der Aus 
ordnung abweicht: Christus sitzt nicht in der 
Mitte, sondern am Kopfende der langen 
Tafel. Jn einer auf Holz übertragenen 
Zeichnung aus demselben Jahre aber hat 
Dürer die Komposition in keiner Weise ans 
geordnet, die derjenigen von Leonardo da 
Vincis Freskogemälde ähnlich ist. Dem 
sFormat und der Art der Zeichnung nach 
gehört zu dieser Folge von Bildern aus dem 
Leben des Erlösers auch das schöne Blatt 
in der Albertina, welches die Anbetung der 
heiligen drei Könige in einer so schlicht und 
herzlich empfundenen und zugleich so großs 
artigen Komposition zeigt CAbb. 114J. Zur 
Ausführung in Holzschnitt ,kam von alledem 
nur die erwähnte eine Darstellung des legten 
Abendmahls. 
Der leHte Holzschnitt religiösen Jnhalts, 
den Dürer herausgab  im Jahre 1526 
g, war eine heilige. Familie: ein kleines, 
sein gezeichnetes liebliches Bild, von eigen; 
artig poetischer Wirkung dadurch, daß die 
Glorienscheine, welche die Häupter der Mut: 
ter und des Kindes umleuchten, mit ihren 
Strahlen die ganze Luft erfüllen. 
Der kirchlichen Malerei waren jene 
Jahre, in denen die Reformation in Niirns 
berg eingeführt wurde nnd die beunruhigten 
Geniiiter hin und her sihwankten, nicht giins 
stig. Jm Jahre 1523 wurde in Dürers 
Werkstatt ein kleines Altarwerk fertig. Die 
zerstreuten Bruchstiicke dieses Werkes, das 
als der Jabachsche Altar bezeichnet zu weri 
den pflegt, weil es während der längsten 
Zeit seines Bestehens die Hauskapelle der 
Familie Jabach in Köln schmückte, befinden 
sich in der Münchener Pinakothek, im städtis 
schen Museum zu Köln und im Städelschen 
Jnstitut zu Frankfurt. Dürer selbst hat 
daran wohl keinen Strich gemalt. Vielleicht 
war die Bestellung eben dieses Altars die 
Niederlanden hatte Dürer den Plan ges 
faßt, noch einmal  zum fünftenmal 
 das Leiden Christi in zusammenhängen: 
der Folge zu schildern. Das zur Aus; 
führung in Holzschnitt bestimmte Werk 
.kam als solches nicht zustande; auch von den 
Entwiirfen wurde nur ein kleiner Teil fertig. 
Aber diese Entwürse, Federzeichnungen in 
breitem Format, sind wieder kostbare Schöps 
fangen. Wie alle früheren Passionswerke 
sind sie durch eine einheitliche dichterische 
Stimmung miteinander verbunden. Die 
mehrfache Wiederholung eines und desselben 
Gegenstandes weist darauf hin, daß Dürer 
sich bei diesen Kompositionen nicht leicht 
entschließen konnte, eine für befriedigend zu 
erklären; und deswegen hat er wohl, in dem 
Gefühl, daß es ihm unmöglich sei, in dies 
sem Werk sich selbst völlig Genüge zu thun, 
das Ganze aufgegeben. Die frühesten der 
Blätter sind zwei DarstelIungen der Kreuz: 
tragung, beide im Jahre 1520, also noch 
in Antwerpen, gezeichnet und beide jetzt 
in Florenz befindlich. Die eine zeigt einen 
sigurenreichen Zug, der eben das Stadtthor 
verläßt; das gaffende Volk drängt sich von 
beiden Seiten; die Roheit der Kriegsknechte, 
die dem Zuge Bahn machen, und die über 
die Stockung, die das Niedersinken des 
Christus verursacht, in Zorn geraten, ist 
mit unbarmherziger Wahrheit geschildert. 
Man sieht hier deutlich die Einwirkung 
niederländischer Kunstweise. Auch das 
andere Blatt zeigt eine dichte Menschens 
menge, von so natürlicher Anordnung, daß 
man die Masse leben und sich bewegen sieht; 
aber jene Schroffheiten sind vermieden. 
Christus ist nicht im Augenblick des Nieders 
sinkens dargestellt, sondern wie er mühsam 
unter der Last des schweren Kreuzes sihrei:ss 
tet,  und das wirkt fast noch rührender 
CAbb. 103J.v Von 1521 sind drei Zeichnungen 
der Grablegung seine in Florenz, eine in 
Frankfurt, eine im Germanischen Museum 
zu NürnbergJ, die, bei sonstiger großer 
Verschiedenheit untereinander, das von der 
üblichen Darstellnngsweise Abweichende ges 
meinsatn haben, daß ein sörmlicher Leichenss 
zug an uns voriiberzieht. Auf dem Flog 
rentiner Blatt schreitet Joseph von Arii 
mathia mit anderen Personen, welche Spes 
zereien und Tücher tragen, dem heiligen 
Leichnam voraus; an die kleine Schar der 
Angehörigen und Getreuen, welche folgt und
        

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