Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Thoma
Person:
Ostini, Fritz von Thoma, Hans
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-672235
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-672617
Hans 
Thoma. 
persönlich an, und ist ihm das, was sie ihm 
sagen, nicht genehm, verwirrt es ihn oder 
stößt es ihn ab, so wird er erregt und kommt 
leicht zu der kindlichen Zumutung: das ist 
nicht gut, weil es mir nicht gefällt. Zur 
wahren Kennerschaft und zum wahren 
Kunstgenuß gehört für den einzelnen die 
Fähigkeit, sich in das Temperament eines 
Künstlers hinein zu versehen. Je selbstsi 
herrlicher und eigenartiger, je freier und 
einzelne große Meister die Menge im Sturm 
erobern. Diese erobern sie nicht zunächst 
durch ihre künstlerische Macht, sondern wohl 
immer nur durch den Reiz des Gegens 
ständlichen, das sie darstellen. So wird 
ein Bildnismaler schnell populär, weil er 
schöne Frauen malt  ob er sie schön 
malt, das kommt erst in zweiter Linie. 
Hat die Menge einen Künstler freilich eins 
mal auf diese Weise liebgewonnen, so wird 
Abb. 
17. Großmutter mit Kind und Katze. 
Verlag von H. Keller, Frankfurt a. M. 
stärker nun ein solches Temperament ist, 
je schwerer wird dem Durchschnittsmenschen 
jenes SichhineinverseHen gelingen. Ess ist 
also eigentlich ein Ding von größter 
Selbstverständlichkeit, daß die Besten zus 
nächst am schlechtesten verstanden, am 
wiitendsten bekämpft, am wildesten verhöhnt 
werden, daß das liebe Publikum ein paar 
Decennien braucht, bis es ihnen näher 
kommt, bis es von außen nach und nach 
dazu erzogen ist, ihnen nachfühlen zu können. 
Daran ändert die Thatsache nichts, daß 
es ihn auch in seinem Wesen und seinem 
wahren Werte allgen1ach zu verstehen suchen. 
Und wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, 
zumal es an Belehrern nicht fehlt. 
Aber jene vom Schlage Hans Thomas, 
die der Menge nicht das zu sagen haben, 
was sie schon weiß, deren Kunst herbe nnd 
tief und fremdartig wirkt, die müssen sich 
immer auf Spott und Verlästerung, auf 
Jahre der VerkennUng gefaßt machen. Das 
ist ja eine Ehre, aber eine bittere, und so 
manchershat sie nicht vertragen können und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.