Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm von Kaulbach
Person:
Ostini, Fritz von Kaulbach, Wilhelm von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-668686
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-670193
Sinnlichkeit und Süße in der Darstellung der bekannten Haren1sgrnppe nnd das etwas 
leere Pathos der Schlachtszene betonte. Man dürfte aber in diesem Bilde doch einen 
starken Fortschritt i1n Malerischen erkennen, zumal wenn man es etwa mit der Zeiss 
störung von Jerusalem vergleicht und außerdem entwickelt Kaulbach in jenem Gewimmel 
verzweifelt um ihr Leben ringender Frauen ein zeichnerisches Können, eine Beherrschung 
der Form, die staunenswert ist. Die Schlacht selbst läßt freilich kalt; aber die Dars 
stellung einer Seeschlacht in Lebensgröße ist ein Unding an sich und die Aufgabe, diese 
Schlacht in der Meerenge in die Breite eines Bilderrahmens einzuzwängen, stellte an die 
Geschicklichkeit des Künstlers schier unlösbare Aufgaben CAbb. 139J. Nicht minder kühn 
ist die 1872 vollendete Komposition des Nero CAbb. 135J und so wenig innere Wahrheit 
dies, alles erdenkliche Nacheinander und Nebeneinander zusammenfassende Geschichtsbild 
auch haben kann, so grandios ist es im Aufbau und im Zug der Massen, in seiner 
symphonischen Wncht. Ja man darf sagen, daß diese Komposition an solchen Eigeni 
schaften mit der Hunnenschlacht und dem ,,Zeitalter der Reforniationtt über allen andern 
figurenreichen Werken Kaulbachs steht, zumal hier der Aufbau nach rückwärts zu ohne 
jede.Gewaltsamkeit gewonnen ist, ohne den Aufwand eines transzendentalen Oberstockes. 
Wie hier die ganze Bewegung der Gruppen auf die eine Hauptfigur hin gravitiert, von 
diesem einen Willen beherrscht erscheint, das ist ein Meisterstück ersten Rangesl In 
unsrer Zeit, die den Begriff des Rhythmus mit solcher Vorliebe auf alle Kunstformen 
anwendet, sollte das nicht verkannt werdenl 
Auch das berühmte Hauptwerk dieses reichen Künstlerlebens, das Treppenhaus 
des Berliner Museums mit seiner fast unergründlichen Bilderfiille, ist als Ganzes 
eine große symphonische Schöpfung, eine Schöpfung wie sie, was die bewältigten Massen 
angeht, wohl seit Buonarottis Malereien in der Sixtinischen Kapelle nicht wieder volls 
bracht wurde. Diese Bilder sind eine Tat, etwas, worin der Künstler alles gab, was 
er in sich hatte, etwas, was auch kein andrer zu geben gewußt hätte. Man kann diese 
imposanten Massen nicht ohne ein Gefühl von Schwindel auf sich wirken lassen; Kauli 
bachs schroffe Tadler in Künstlerkreisen mögen oben vom Podest der Treppe über die 
Bilderflut hinblicken und sich in Gedanken selber die Aufgabe stellen, die er da bewältigt 
hat  und sie werden größer und gerechter von ihm denken. Als Meister der Farbe, 
als Maler im modernsintransigenten Sinne erscheint er freilich auch da nicht; aber 
daß ihn seine Zeitgenossen ein Genie nannten, lernt man begreifen. Und wenn er nicht 
so was ähnliches gewesen wäre, er hätte sich schon von vornherein die Lösung des fast 
bizarren Problems nicht zugetraut, die  Weltgeschichte auf die vier Wände eines 
Treppenhauses zu malen und 
   in einer Weise zu malen, 
  IT daß von einer .Hypertrophie 
 I J; J,,s;I der Gedanken eher die Rede 
IF ;s;J:t sein kann, als von einem 
  I  N ,,Y  Mangel. Auch geistig wäre 
 s,;    V  ein andrer als ein genialer 
    ,  Mann dieser Aufgabe nicht 
 R. E O  J   Herr geworden. Wer wieders 
,i  : ,s,H  um bedenkt, daß dies tiefs 
    J  J. F,.L;s gedankenreiche Werk von 
    einem Menschen vollbracht 
 J      J ist, der als Knabe kaum die 
        dürftigstc Schulbildung in 
; J, z  sich a11fnehmen konnte, der 
  T wird schon aus dieser einen 
  V  Erwägung den Hutvor Kauli 
    bach ziehen. Auch einer, an 
Jst   : L   .c dem sich das Wort bewahrs 
 Z     heim: M ist Faß:
        

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