Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wilhelm von Kaulbach
Person:
Ostini, Fritz von Kaulbach, Wilhelm von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-668686
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-670096
sind Gedanken, welche viel zu verwickelt sind für eine Sache, die nur in einfacher und 
markiger Gestalt wirken kann. In den Skizzenbüchern finden sich noch Totentanzentwürfe 
in Menge, von denen einige in unsern Abbildungen wiedergegeben sind. Der Effekt der 
leicht hingeschriebenen Zeichnungen ist viel günstiger, als der der durchgearbeiteten Kartons. 
Ihr Inhalt spricht ja wohl für sich; da ist der Tod als Kupplerin CAbb. 132J, der Tod 
durch die Schniirbrust CAbb. 56J, der Tod beim Geizhals CAbb. 64J, auf dem Kinderball 
CAbb. 57J, in der SpielhölIe CAbb. 55J, beim Studenten CAbb. 37J usw. Ein paar Ents 
würfe gelten der Revolution von 1848 CAbb. 35J, eine ganze Reihe Napoleon und seiner 
Familie CAbb. 70, 134 u. 137J, Ludwig XV1I1. CAbb. 63J, dem Papst CAbb. 136J u. s. f. 
Ein bitterböser Entwurf zeigt Ludwig 1., der in Kaulbachs Atelier vor Lola auf den Knien 
liegt. Das schöne Gesicht der vielberufenen Tänzerin ist aber nur eine Maske, hinter welcher 
der Totenschädel grinst. Krone und Zepter liegen zerbrochen am Boden, mit dem Reichsapfel 
spielt eine Katze. Kaulbach hat bekanntlich die schöne Lola Montez mehrmals für den König 
gemalt cAbb. 29J; eine meisterhafte Zeichnung, die wir dem Skizzenbuche entnehmen 
CAbb. 28J, gibt ihre Züge vielleicht noch besser wieder als das Olbild. König Ludwig war 
mit der ,,Gräfin von Landsbergtt oft im Atelier Kaulbachs im Lehel zu München und der 
Maler mag da manches gesehen und gehört haben, was ihn bestimmte, in der feurigen 
,,Andalusierintt einen bösen Dämon des Königs zu erkennen. Vielleicht aber ist die 
Skizze auch erst entstanden, als Ludwig die königliche Würde schon niedergelegt hatte 
und das Blatt war keine Prophezeiung, sondern ein Epilog.  Angesichts der oft so 
geistreichen Totentanzentwiirfe muß man immer wieder beklagen, daß Kaulbach an solche 
Aufgaben mit dem schweren Rüstzeug der Kartonkunst heranschritt, statt mit dem spielens 
den Stift eines Zeichners, wie sie heute die politische und soziale.Satire vertreten. Das 
war ein Irrtum im Stil, der sich schwer rächen sollte, zum Schaden von Kaulbachs 
Gedächtnis. Es zeichnete alles fest und gründlich, alles sub species aeternitatjs, auch wenn 
es sich u1n die aktuellsten Dinge handelte und es mutet besonders seltsam an, gelegentlich 
Aus dem 8ytlus: ,,Die 
C8u Seite 108.J 
Sintflut.
        

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