Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Herkomer
Person:
Pietsch, Ludwig Herkomer, Hubert/von
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-667073
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-667257
Hubert 
VVN 
IH1erkomer. 
Wer englische und der deutsche Genius 
stehen seit Jahrhunderten in beständiger 
Wechselwirkung aufeinander. Englische Dichs 
tung  vor allem die Werke eines Shake: 
speare, Fielding und Sterne  hat den stärks 
sten, solgenreichsten Einfluß auf die Ente 
wickelung der deutschen schönen Litteratur 
unserer klassischen Periode, Shakespeare einen 
kaum geringeren auf die ihrer romantischen 
Nachblüte, Lord Byron und Walter Seott 
auf die des zweiten Viertels unseres Jahrs 
hunderts ausgeübt. Englische Philosophie auf 
die deutschen Denker des achtzehnten Jahrg 
hunderts. Englische Staats; und Sozials 
wissenschast auf die deutsche Staatsrechts und 
Volkswirtschaftslehre wie aus die praktische 
Durchführung ihrer Theorieen, auf die Ges 
staltung des ganzen politischen und Wirts 
schastslebens und die Neuorganisationen inners 
halb der bürgerlichen Gesellschaft. Euglische 
Naturforschung und Naturerkenntnis hat  
einst durch Newton, dann durch Darwin  
den Anstoß zu der gewaltigsten und tiefsts 
greifenden Umwälzung auf dem Gebiet 
der deutschen Naturbetrachtung und des 
Wissens vom Werden und Entstehen alles 
GefTkJCff0Uen gegeben. Englisches technische 
Erfindungen haben ebenso gewaltige Umi 
wälzungen im deutschen Verkehrsleben nnd 
in der industriellen Produktion herbeigeführt. 
Für jede Art des Sports von. den Pferdei 
rennen bis zum Lawnstennis und den Segels 
regatten, hat England den Deutschen, erst 
Anregung und Vorbild gegeben. Und auf 
dem Gebiet der Mode und des Geschmacks 
hat es in neuester Zeit begonnen, sogar die 
altbegründete Herrschaft der französischen 
zu erschüttern und durch die seine zu vers 
drängen. 
Der deutsche Einfluß auf die englische 
Volksseele und auf die Gestaltung englischer 
Zustände ist dagegen immer nur ein sehr 
viel eingeschränkterer, ja fast unmerklicher 
gewesen. Wenn Deutschland.im achtzehnten 
Jahrhundert dem britischen Reich fein Herrs 
scherhaus in den Kurfürsten von Hannover 
und ihm im neunzehnten den Schöpfer einer 
neuen Dynaftie im Prinzen Alberti von 
Koburg gab, so ist das dennoch ohne jede 
Folge für die Entwickelung des nationals 
britifchen Geistes geblieben. Dieser hat viels 
mehr das fremde Element gleichsam aufs 
gesogen und die deutschen Fürsten zu echten 
Engländern gemacht. 
Unleugbar freilich hat die englische 
Volksseele einmal einen mächtigen dauernd 
nachwirkenden Impuls durch eine große 
deutsche Geistesthat empfangen: durch die 
That Luthers, durch die deutsche Refors 
mation. Aber die Bewegung, welche durch 
diese drüben hervorgerufen wurde, hatte zum 
Resultat Neubildungen von echt englifchs 
nationalem Gepräge: die Errichtung der 
anglikanischen Hochkirche. 
Einmal auch hat ums dieselbe Zeit in 
der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhuns 
derts auf dem Gebiet der bildenden Künste; 
einmal auf dem der Musik der, deutsä;e Geist 
für eine Zeitlang eine gewisse Macht über den 
britischen gewonnen gehabt: durch Hans 
Holbein d. J., der am Hof Heinrichs VII1. 
eine, das ganze künstlerische Leben und 
1I
        

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